Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II 1970

  • Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Fritz Koenig: Großes Kugelrelief II, 1970 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Der Bau des Abgeordnetenhochhauses 1966 bis 1969 markierte das Ende der baulichen Provisorien des Bundestages in Bonn. Das alte Abgeordnetenhochhaus aus dem Jahr 1953 bot schon bei seiner Eröffnung zu wenig Bürofläche für die stetig wachsende Zahl von Abgeordneten, aber ein 1956 verfügter Ausbaustopp wurde erst Anfang der 1960er-Jahre gelockert. Das daraufhin durch den international berühmten Architekten Egon Eiermann errichtete neue Abgeordnetenhochhaus bot mit 30 Etagen und 114 Metern Höhe ausreichend Platz für zahlreiche Abgeordnetenbüros und Sitzungssäle. Nicht nur durch seine Höhe überblickt der „Lange Eugen“ – benannt nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier – markant Stadt und Fluss, auch die Ausgestaltung durch Eiermann spiegelt in jedem Detail das moderne neue Selbstbewusstsein der jungen Bundesrepublik wider. Dieser repräsentative Charakter sollte auch in der Kunst am Bau zur Geltung kommen, sodass durch den Architekten und die Bundesbaudirektion insgesamt zwölf Künstler direkt ausgewählt wurden, darunter so renommierte wie Emil Schumacher, Fritz Koenig, HAP Grieshaber und Günther Uecker. Sie repräsentierten durch unterschiedliche künstlerische Techniken und Stile die Bandbreite ästhetischer Ausdrucksmöglichkeiten der Zeit in Deutschland. Auch die Standorte für die Kunst waren sorgfältig gewählt, um dieser höchste Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und ihren repräsentativen Charakter zu betonen. Acht Künstler wurden eingeladen, die Wandfelder über den Doppelflügeltüren in den Sitzungssälen zu gestalten. So war eine einheitliche Einbindung in das strenge architektonische Raster möglich, während die ausgewählten Künstler ganz unterschiedliche ästhetische Lösungen hervorbrachten. Fritz Koenig, geboren 1924 in Würzburg, schuf für eine der Supraporten im „Langen Eugen“ ein Relief aus Aluminium, in dem sich dicht übereinandergelagerte Schichten zu einer horizontalen Ebene bündeln, auf der eine aufgesetzte Kugel weit in den Raum ragt. Die Linie zwischen den Flügeltüren wird so nach oben in die Supraporte fortgeführt, bis sie in der Kugel kulminiert. Die dadurch vermittelte Dynamik des überraschend tiefen Reliefs überträgt sich auf den Raum, auch weitergeleitet durch das umlaufende weiße Band, das das Relief von Koenig in den Saal fortführt. Koenig realisierte in den 1970er-Jahren zahlreiche Kunstwerke am Bau und im öffentlichen Raum, die aus Kugeln und Stäben zusammengesetzt ein Momentum der kraftvollen Bewegung vermitteln. Auch das Relief in Bonn – eine ungewöhnliche Form für Koenig, der ausschließlich dreidimensionale Arbeiten schuf – wirkt selbst 42 Jahre nach seiner Entstehung unmittelbar energiegeladen. SvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980.
Wolfgang Leuschner: ‚Kunst am Bau‘ oder mehr als das? In: Die Bauverwaltung, Nr. 9/1973, S. 450-457.


Relief / Plastik
Aluminium
250 x 230 cm
Direktvergabe

UN-Hochhaus (Langer Eugen)
Supraporte Sitzungssaal 2105
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Fritz Koenig

Fritz Koenig, geboren 1924 in Würzburg, war einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Mit sehr eigenständigem, abstraktem Formenrepertoire profilierte er sich Ende der fünfziger und sechziger Jahre als einer der wichtigsten Repräsentanten der westdeutschen Kunst. 1958 vertrat er Deutschland auf der XXIX. Biennale in Venedig, 1959 und 1964 nahm er an der documenta II und III in Kassel teil. Seine Ausbildung hatte er nach Kriegsdienst im zweiten Weltkrieg 1946-1952 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Anton Hiller erhalten. 1964 wurde er Professor an der Architektur-Fakultät der Technischen Universität München, 1969 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. Er schuf zahlreiche öffentliche Skulpturen wie die Kugelkaryatide für das World Trade Center in New York (1971) und Mahnmale im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (1983) sowie für die Opfer des Terroranschlages der Olympischen Spiele 1972 in München (1995). Vor allem erhielt Koenig seit 1951 Kunstaufträge für viele Behördenbauten in Bayern, später auch bedeutende Aufträge der Post und des Bundes. So schuf er das Relief und den Brunnen für das Deutsche Patentamt München (1956) sowie Bronzeskulpturen für die Deutschen Botschaften in Washington, D.C./USA (1962), in Madrid/Spanien (1965/66) und in Dakar/Senegal (1971).

UN-Hochhaus (Langer Eugen)

Architektur: Egon Eiermann
Bauzeit: 1966-1969

UN-Campus
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus wurde 1969-2000 vom Deutschen Bundestag genutzt und nach denkmalgereichter Sanierung durch HPP Hentrich-Petschnigg & Partner 2006 an die Vereinten Nationen übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn