Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief 1970

  • Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

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    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Angelika Baasner-Matussek: Schalenrelief, 1970 / © Angelika Baasner-Matussek; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Das von Egon Eiermann entworfene, 1969 fertig gestellte Abgeordnetenhochhaus „Langer Eugen“ am Eingang zur Bonner Rheinaue bildet heute das Zentrum des UN-Campus. Das nach Eugen Gerstenmaier, dem damaligen Parlamentspräsidenten, benannte Gebäude stellte eine einschneidende Baumaßnahme dar. Denn zunächst hatte die Regierung auf neue Bauten verzichtet, da man die Teilung Deutschlands als nicht endgültig und Bonn als provisorische Hauptstadt betrachtete.
Das 115 Meter hohe Symbol der „Bonner Republik“ ist ein Stahlskelettbau über rechteckigem Grundriss mit neun auf ein quadratisches Raster verteilten Stützen und 30 Etagen. Die Horizontalen und Vertikalen der Fassade mit dem vorgelagerten Stahlgestänge bilden ein gleichzeitig kompaktes und aufgelockertes Volumen aus hierarchielos gereihten und übereinander gestapelten Raumeinheiten. Als „anschauliches Beispiel für das Verständnis demokratischen Bauens in der jungen Bundesrepublik“ wurde der „Lange Eugen“ 1997 in die Denkmalliste aufgenommen.
Man wollte die Kunst für dieses überaus repräsentative Bauwerk früh in den architektonischen Planungsprozess einbeziehen. Im Gefolge einer von Egon Eiermann selbst angestoßenen Idee verständigten sich der Architekt, Vertreter der Bundesbaudirektion und des Bundestages sowie Kunstsachverständige unter anderem auf ein zusammenhängendes Konzept, nämlich darauf, die immer gleichen Wandflächen über der Flügeltür in neun Hearing- beziehungsweise Sitzungssälen von direkt beauftragten Künstlern gestalten zu lassen.
Neben diesen Supraporten-Aufträgen gab es zwei Aufträge für die künstlerische Ausstattung des Foyers. Als weitere Kunst am Bau kam fürs Restaurant im obersten, dem 29. Geschoss eine Wandkeramik von Angelika Baasner-Matussek hinzu. Es handelt sich um ein auf vier 100 x 80 Zentimeter große Tableaus verteiltes Relief, das jeweils aus 10 x 8 Schalen besteht. Die Reliefs beziehen sich in einem zweifachen Kunst-am-Bau-Sinn auf den Ort. Zum einen greifen sie das von der Architektur modulartig verwendete Quadratraster auf. Dieses findet sich im Verhältnis 10:8 insbesondere in den gitterartigen Holzelementen im Eingangsbereich des „Langen Eugen“ wieder, aber auch in den teilweise als Sichtblende eingesetzten Trennwänden in der unmittelbaren Umgebung des Reliefs. Der andere Kunst-am-Bau-Bezug des Reliefs besteht in der Verwendung von Schalen als einem Bildelement, welches an seinem Ort vor dem Restaurant keiner Erklärung bedarf.
Den vertrauten Alltagsgegenstand der Teeschale hat Angelika Baasner-Matussek einem abstrakten, an die Op Art erinnernden Formenspiel unterworfen. Denn die Schalen sind in der Senkrechten und Waagrechten so um 45 Grad gekippt und in acht Phasen gedreht, dass über das einzelne Tableau hinaus eine Bewegtheit entsteht, die sich an der Wand zu einer in sich symmetrisch zentrierten, wogenden Komposition auswächst. Als vierteiliges Tableau verfügt die Arbeit über eine horizontale Komponente. Mit der Vertikaltendenz des einzelnen Bildträgers aber setzt sie dem horizontalen Fluss des Läuferverbandes aus mittig versetzten Ziegeln auch ein gewisses Moment der Ruhe entgegen.
Die Keramik von Angelika Baasner-Matussek spiegelt die für die gesamte Architektur des „Langen Eugen“ charakteristische Rationalität und Rasterstrenge. Sie unterscheidet sich davon durch die Verwendung von runden und plastisch durchdrungenen Formen, die in Bewegung gebracht sind. Insofern eignet sich die Kunst am Bau die Gestaltungsprinzipien der Architektur an, verwandelt diese aber in einem freien künstlerischen Spiel mit einem Gebrauchsgegenstand und gewinnt so der Architektur und dem Ort neue, heitere Perspektiven hinzu. M.S.

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980.
Wolfgang Leuschner: ‚Kunst am Bau‘ oder mehr als das? In: Die Bauverwaltung, Nr. 9/1973, S. 450-457.


Relief / Plastik
Keramik
4-tlg., je 100 x 80 x 5 cm
10.226 €
Direktvergabe

UN-Hochhaus (Langer Eugen)
Restaurant, 29. OG
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Angelika Baasner-Matussek (geboren 1941 in Berlin, lebt in Kassau) ist Keramikerin. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin bei Rudolf Rausch Keramik und lehrte an der Technischen Hochschule Berlin und an der Hochschule der Künste. Mit ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Baasner, unterhielt sie eine Werkstatt in Berlin, jetzt in Kassau in Schleswig Holstein. Angelika Baasner-Matussek hat mehrfach mit Architekten zusammengearbeitet, unter anderem mit Otto Steidle am Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaften in Berlin (1984), sowie Kunst-am-Bau-Werke realisiert, so etwa die Fassade des Instituts für Pharmazie der Freien Universität Berlin (1988) oder ein Tor aus glasierten Ziegelsteinen bei der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin-Adlershof (1995).

UN-Hochhaus (Langer Eugen)

Architektur: Egon Eiermann
Bauzeit: 1966-1969

UN-Campus
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus wurde 1969-2000 vom Deutschen Bundestag genutzt und nach denkmalgereichter Sanierung durch HPP Hentrich-Petschnigg & Partner 2006 an die Vereinten Nationen übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn