Woty Werner: o. T. 1971

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Woty Werner: o. T., 1971 / © Woty Werner; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Es war unter anderem die „gebaute Bescheidenheit“, die 1997 zum Eintrag des „Langen Eugen“, des 1969 fertiggestellten Abgeordnetenhochhauses an der Bonner Rheinaue, in die Denkmalliste führte. Bei aller sachlichen Orientierung und Quadratrasterung gab es bei diesem großen Bauvorhaben von vornherein die Zielvorgabe, Kunst am Bau früh in den architektonischen Planungsprozess einzubeziehen. Gemeinsam verständigten sich der Architekt, Kunstsachverständige und die Bundesbaudirektion darauf, die Wandflächen über den Flügeltüren des Hearingsaals beziehungsweise der Sitzungssäle in den Fokus der Kunst-am-Bau-Gestaltung zu rücken. In Folge dieser im Kern von Egon Eiermann angestoßenen Idee wurden an Künstler Direktaufträge zur Gestaltung der Supraporten von neun Sälen der höher gelegenen Geschosse vergeben.
Die an der Ausstattung beteiligte Woty Werner (1903-1971) war eine hoch angesehene Künstlerin. Nach Anfängen als gegenständliche Malerin hatte sie sich später in ihren Bildteppichen und -webereien der abstrakten Kunst zugewandt und war damit auch im wiederaufgebauten Reichstag in Berlin und im 1966 fertig gestellten Kanzlerbungalow in Bonn vertreten.
Für den Sitzungssaal im 27. Obergeschoss des neuen Abgeordnetenhochhauses entwarf Woty Werner einen 250 x 230 Zentimeter großen Wollteppich. Dieser fügt sich ins architektonische Modul, nimmt in Höhe und Breite exakt den Platz zwischen Tür und Decke ein, setzt sich dabei aber von den architektonisch vorgegebenen Linien des Türbandes, der Decke und des in Sturzhöhe ansetzenden horizontalen Mauerstreifens ab. Im Unterschied zu den Supraporten der anderen Künstler bleibt Woty Werners Arbeit ganz den Flächen von Wand und Teppich verhaftet. Auch die gegenstandsfreien Farben und Formen fügen sich auf dem grauen Grund zu einer Komposition, die nur partiell an die Grenzen des Bildträgers reicht.
Dennoch oder gerade deswegen erlangt der Bildteppich im Raum eine dominante Wirkung. Wie die meisten Supraporten im Langen Eugen stellt er keine vordergründigen Ortsbezüge her. Doch deuten sich im harmonischen Spiel unterschiedlicher Farben und Formen subtile Parallelen zur Nutzung des Raumes und den Nutzern an. Die Bildgestalt spiegelt das Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Kräfte in der Demokratie und darüber hinaus das für die Bundesrepublik und später für die europäische Einigung maßgebliche föderalistische Ideal der Einheit in der Vielfalt. In erster Linie aber überträgt sich die Kunst als eine freie positive ästhetische Energie auf den Raum. MS

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980.
Wolfgang Leuschner: ‚Kunst am Bau‘ oder mehr als das? In: Die Bauverwaltung, Nr. 9/1973, S. 450-457.


Teppich / Tapisserie
Gewebe, Wolle
250 x 230 cm
Direktvergabe

UN-Hochhaus (Langer Eugen)
Sitzungssaal 2705
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Woty Werner

Woty Werner (1903 Berlin - 1971 Nürnberg), eigentlich Anneliese Werner, verheiratet mit dem Maler Theodor Werner, war Malerin und Bildweberin. Nach Studien der Malerei in Berlin und München und der Weberei in Potsdam wandte sie sich vor allem der Bildweberei zu und fand zu einer abstrakten Bildsprache. Werner hatte zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und im Ausland. Sie wurde 1952 mit dem „Kunstpreis Berlin“ und 1954 mit dem Ehrendiplom der Triennale von Mailand ausgezeichnet. 1959 nahm sie an der documenta 2 in Kassel teil. Woty Werner war unter anderem an der künstlerischen Ausstattung des wiederaufgebauten Reichstags in Berlin und des Kanzlerbungalows in Bonn beteiligt.

UN-Hochhaus (Langer Eugen)

Architektur: Egon Eiermann
Bauzeit: 1966-1969

UN-Campus
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus wurde 1969-2000 vom Deutschen Bundestag genutzt und nach denkmalgereichter Sanierung durch HPP Hentrich-Petschnigg & Partner 2006 an die Vereinten Nationen übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn