Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition) 1986

  • Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hann Trier: Entgegnung (Große Komposition), 1986 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Das im späten 19. Jahrhundert errichtete Wasserwerk diente der Wasserversorgung Bonns, ab den 1950er-Jahren wurde es stillgelegt und hielt nur noch die Wasseraufbereitung für den Notfall bereit. 1985 wurde das Wasserwerk komplett entkernt und mit Sitzungssälen ausgebaut, da der Beschluss zum Neubau eines Plenarsaals gefallen war und das Wasserwerk als provisorischer Sitz des Parlaments dienen sollte. Ab 1986 wurde es für den Bundestag genutzt, bis 1992 der Umzug in den neuen Plenarsaal von Günter Behnisch erfolgte. In einem Wettbewerb wurden für die künstlerische Ausstattung des provisorischen Bundestages im Wasserwerk einige Kunst-am-Bau-Werke ausgewählt, so auch die „Entgegnung (Große Komposition)“ von Hann Trier (1919-1999) aus dem Jahr 1976. Das Werk zeigt alle wesentlichen Züge des besonderen Malstils des international bekannten Künstlers. Die pastos in breiten Pinselstrichen aufgetragene Farbe aus Eitempera erzählt von dem Malprozess und seiner Dynamik. Der vom Künstler als „Tanzen mit dem Pinsel“ bezeichnete Entstehungsprozess vermittelt sich dem Betrachter unmittelbar durch diese Technik. Der Maler ist ein wichtiger Vertreter des Informel, der gegenstandslosen Malerei, und realisierte zahlreiche Wand- und Deckengemälde als Kunst am Bau, so z. B. im Weißen Saal des Schlosses Charlottenburg.
Trotzdem werden vielfache Gedanken zum möglichen Abgebildeten in Gang gesetzt, ohne dass sich etwas konkret festhalten ließe. Es sind zwei hellere Farbbereiche in einer Gegenüberstellung, einer „Entgegnung“, zu erkennen, die in der Mitte wie durch einen dunklen Keil getrennt sind, dem ein intensives Gelb folgt und von oben in das Bild eindringt. Dieser Eindruck wird unterstützt durch die Tatsache, dass das Gemälde als Supraporte einer „Hammelsprung-Tür“ dient. Der Hammelsprung wird immer dann eingesetzt, wenn Zweifel über den Ausgang einer Abstimmung herrschen. Die Abgeordneten treten einzeln durch die „Ja-Tür“ oder die „Nein-Tür“, so kann das Ergebnis abgezählt werden. In die Zeit der Nutzung des Wasserwerks als Plenarsaal fielen historische parlamentarische Beschlüsse zur deutschen Wiedervereinigung und zur Hauptstadtfrage, wobei der Hammelsprung oft eingesetzt wurde. Diese sichtbare Teilung der Abgeordneten findet assoziativ im Gemälde von Trier ihre Entsprechung. SvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.


Tafelbild / Gemälde
Eitempera und Öl auf Leinwand
195 x 295 cm
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 9 Teilnehmern

Altes Wasserwerk - Pumpenhaus
Supraporte ehem. Plenarsaal
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Hann Trier

Hann Trier (1919 Kaiserswerth - 1999 Castiglione della Pescaia/Italien), deutscher bildender Künstler. Studium in Düsseldorf und Berlin. Nach 1945 zunächst Arbeit als Bühnenbildner und Werbegrafiker. Langjährige Aufenthalte in Kolumbien, Mexiko und den USA. 1955/56 Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, 1957-1980 Professur und später Direktor an der Hochschule der Künste Berlin. Zahlreiche internationale Ausstellungen und Preise. Große Wand- und Deckengemälde, u. a. im Weißen Saal des Berliner Schlosses Charlottenburg, in der Bibliothek der Universität Heidelberg, in der Rathaushalle von Köln und in der Residenz der Deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl im Staat Vatikanstadt.

Altes Wasserwerk - Pumpenhaus

Architektur: Rheinische Wasserwerksgesellschaft
Bauzeit: 1875

UN-Campus
Hermann-Ehlers-Str. 10
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das aus Maschinen- und Kesselhaus (1873-75) und Pumpenhaus (um 1900) bestehende Wasserwerk wurde 1985 zum provisorischen Plenarsaal des Deutschen Bundestages umgebaut und bis 1992 als solcher genutzt. Nach dem Auszug des Deutschen Bundestages wurde es Teil des World Conference Centers Bonn. Seit 2015 ist das Alte Wasserwerk dem UN-Campus zugehörig; zurzeit wird es für die Vereinten Nationen hergerichtet.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn