Tadashi Kawamata: Nest 2012

  • Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Tadashi Kawamata: Nest, 2012 / © Tadashi Kawamata; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

Das Atrium im Sekretariat der Klimarahmenkonvention ist ein von Fenstern und Galerien einsehbarer Raum, der im Rahmen der Sanierung und Herrichtung des Alten Abgeordnetenhochhauses für das Klimasekretariat überdacht wurde. Die Kunst am Bau – eine über drei Meter hohe nestartige Installation aus „sägerohen“ Lärchenholzbrettern, die zu einem Verbund vernagelt und in einer Ecke unterhalb des Glasdachs an ein Balkenwerk geschraubt sind – stammt von dem japanischen Künstler Tadashi Kawamata (Jahrgang 1953).
Form und Material der Installation evozieren – schon wegen der Funktion des Gebäudes – Gedanken an den Klimawandel und dessen Auswirkungen. Doch es überwiegt der poetische Eindruck von Nestern und primordialen Ordnungen, die Gefühle von Geborgenheit freisetzen und als Fremdkörper in der Architektur Ausdruck eines subversiven Besetzens und Inbesitznehmens sind.
Tadashi Kawamatas weltweite Streetart-Interventionen sind in der Behelfsmäßigkeit von eilig zusammengezimmerten „Nestern“, Hütten und Häusern als Protest zu verstehen. Seine gegen den Konformismus der Architekturmoderne gewendeten und an Pappbehausungen von Obdachlosen orientierten „Tree huts“ waren als „Nester des zivilen Ungehorsams“ unter anderem 2010 in einer in den Tiergarten ausgreifenden Ausstellung des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin zu sehen. Kawamatas Anliegen, vorhandene Strukturen zu destabilisieren und neue zu schaffen, ist auch im Atrium des UN-Campus nicht zu verkennen. Indem er traditionelle ästhetische Maßstäbe außer Kraft setzt und im Sinne einer Utopie ein archetypisches Gegenbild entwirft, nimmt der Bretterverschlag eine Verweigerungshaltung ein. In diesem Sinn ist das surreal überdimensionierte „Nest“ weniger Kunst am Bau als Kunst gegen den Bau. Dabei setzt Kawamata nicht Chaos gegen Ordnung, sondern er konfrontiert die rationalistische Bau- und Konstruktionslogik der Architektur mit einer natürlicheren, weicheren und flüchtigeren Ordnung, die für die „Auflösung der architektonischen Raumdefinition“ und für „Fluchtmöglichkeit“, „Notausgang“, „Hintertüre“ und für ein „Nest“ steht, „von wo aus man an einen erwünschten Ort fliehen kann“ (Kawamata). MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014.


Installation
Lärchenholzbretter, an ein Balkengewerk geschraubt
ca. 350 x 500 x 500 cm, Bretter 3 cm dick, Gewicht ca. 2-2,5 Tonnen
100.000 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 8 Teilnehmern

Altes Abgeordnetenhochaus
Atrium
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Tadashi Kawamata

Tadashi Kawamata, geboren 1953 in Mikasa/Hokkaido, ist ein japanischer Bildhauer, Installationskünstler und Fotograf. 1979-1984 Studium an der Tokyo Geijutsu Daigaku (Tokyo National University of Fine Arts and Music), 1999-2005 dort Professor für „Inter Media Art“, seit 2007 Professur an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen, darunter Biennale in Venedig (1982), documenta in Kassel (1987 und 1992) und Skulptur Projekte in Münster (1997). Kawamata, der in den siebziger Jahren als Videokünstler begann, bezieht sich in seinen Projekten häufig auf die Stadt, den öffentlichen Raum, die Gesellschaft. Seine weltweiten Interventionen interpretieren als Akt einer sanften Rebellion vorhandene Orte neu und provozieren in der programmatischen Behelfsmäßigkeit von aus hölzernen Fundmaterialen zusammengezimmerten „Nestern“, Hütten und Häusern. Seine gegen den Konformismus der Architekturmoderne gewandten und an Pappbehausungen von Obdachlosen orientierten „Tree huts“ wurden in New York, Bonn, Trondheim, Paris und als „Nester des zivilen Ungehorsams“ 2010 auch in einer in den Tiergarten ausgreifenden Ausstellung des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin vorgestellt.

Altes Abgeordnetenhochaus

Architektur: Bundesbaudirektion
Bauzeit: 1951-52

UN-Campus
Hermann-Ehlers-Str. 10
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das Gebäude wurde 1951/52 für den Deutschen Bundestag errichtet und bis 2004 durch diesen genutzt. 2009-2012 wurde es durch das BBR und RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architekten hergerichtet und saniert und 2013 dem Sekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) als Dienstsitz übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn