Hans Kaiser: Steine 1970

  • Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Hans Kaiser: Steine, 1970 / © Hans Kaiser; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Egon Eiermanns Abgeordnetenhaus „Langer Eugen“ an der Bonner Rheinaue, heute Sitz des „UN-Campus“, ist ein 114 Meter hoher Stahlskelettbau. Über rechteckigem Grundriss mit neun auf ein quadratisches Raster verteilten Stützen reiht er Raumeinheiten und Geschosse gleichförmig neben- und übereinander. Als „anschauliches Beispiel für das Verständnis demokratischen Bauens in der jungen Bundesrepublik“ wurde das Gebäude 1997 in die Denkmalliste aufgenommen.
Großen Wert legte man auf die Kunst am Bau. Um diese früh in den architektonischen Planungsprozess einbeziehen zu können, beauftragte die Bundesbaudirektion die Künstler direkt. Egon Eiermann, Kunstsachverständige und Vertreter der Bundesbaudirektion verständigten sich darauf, vor allem die Wandfläche über den Flügeltüren des Hearingsaals beziehungsweise von acht Sitzungssälen mit künstlerisch gestalteten Supraporten auszustatten. Darüber hinaus erwarb man für das Restaurant in der obersten Etage eine Keramikwandarbeit sowie für die zweigeschossige Eingangshalle ein inzwischen verschollenes Gemälde von Alexander Camaro und ein Glasmosaik des informell arbeitenden Soester Künstlers Hans Kaiser (1914-1982).
Bei Hans Kaisers Glasmosaik handelt es um ein 225 x 160 Zentimeter messendes Kunstwerk, das sich nicht mehr an seinem angestammten Platz in der Vorhalle befindet, sondern im Flur des 27. Geschosses. Obwohl also nicht fest mit dem Bau verbunden, entwickelt die Arbeit als Struktur aus dominant blau getönten Fliesen und schwarzen Fugenlinien doch Kunst-am-Bau-Qualitäten. Die ‚konstruktive‘ Technik verbindet sich dabei spannungsvoll mit ihrem Gegenteil, nämlich dem ‚informellen‘ Wirbel der unregelmäßig gebrochenen drei- und viereckigen Teilstücke. In Verbindung mit der intensiven blauen Farbgebung wird das Bild in seiner Umgebung zur Dominante. Das war bereits so, als es sich noch im Foyer des Gebäudes befand und zum architektonischen Quadratraster der dortigen Holzverkleidung einen Kontrapunkt bildete. Auch an seinem neuen Standort im Flur setzt sich die Fugenlineatur dynamisch und emphatisch gegen den gleichmäßigen Läuferverband aus mittig versetzten Ziegeln ab. Vor allem zielt die intensive Farbigkeit des Mosaiks auf die Freiheit und Autonomie der Bildkunst und stellt sich als Kunst am Bau der Architektur als Auflockerung entgegen. Hans Kaiser selbst bemerkte in diesem Sinne: „Ich will mit dieser Arbeit den Vorübergehenden und den Verweilenden durch ein Stück Schönheit stören oder frei machen.“ M.S.

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980.
Wolfgang Leuschner: ‚Kunst am Bau‘ oder mehr als das? In: Die Bauverwaltung, Nr. 9/1973, S. 450-457.


Mosaik / Keramik
Glas, Keramik
225 x 160 cm
Direktvergabe

UN-Hochhaus (Langer Eugen)
Flur vor Raum 2706
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Hans Kaiser

Hans Kaiser (1914 Bochum - 1982 Soest) war ein bekannter Maler, Fenstergestalter und Wandbildner, der vor allem mit seiner Glaskunst als Vertreter der informellen Kunst bekannt wurde. Nach einer Malerlehre 1929 begann er mit autodidaktischen Studien und arbeitete freiberuflich als Künstler. 1951/52 besuchte er die abstrakten Maler der „Nouvelle École de Paris“ Alfred Manessier und Georges Matthieu in Paris. Er arbeitete als Kunstlehrer an einem Gymnasium in Soest. Zu seinen zahlreichen öffentlichen Auftragswerken gehören Fenstergestaltungen für das Kanadische Klubhaus Soest (1955), das Finanzamt Schwelm, das Gesundheitsamt Soest (1964), das Arbeitsamt Kamen (1969) und die Washington Cathedral 1981. Wandgestaltungen führte er u. a. aus für das Finanzbauamt Arnsberg und das Zollamt Soest (1955), für das Geschäftshaus Haverland in Soest (1957), die Schwimmhalle Soest (1958), das Finanzamt Dortmund-Hörde (1959), das Landesbehördenhaus Dortmund (1969), das Bundestagsabgeordnetenhochhaus „Langer Eugen“ in Bonn (1970), das Arbeitsamt Hagen (1972) und die Residenz der Deutschen Botschaft in Teheran (1974/75). Hans Kaiser wurde unter anderem mit dem Wilhelm-Morgner-Preis (1959), dem Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (1976) und dem Ehrenring der Stadt Soest ausgezeichnet.

UN-Hochhaus (Langer Eugen)

Architektur: Egon Eiermann
Bauzeit: 1966-1969

UN-Campus
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus wurde 1969-2000 vom Deutschen Bundestag genutzt und nach denkmalgereichter Sanierung durch HPP Hentrich-Petschnigg & Partner 2006 an die Vereinten Nationen übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn