HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges) 1970

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    HAP Grieshaber: Weltgericht (Inferno des Krieges), 1970 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Der Bau des Abgeordnetenhochhauses 1966 bis 1969 markierte das Ende der baulichen Provisorien des Bundestages in Bonn. Das alte Abgeordnetenhochhaus aus dem Jahr 1953 bot schon bei Eröffnung zu wenig Bürofläche für die stetig wachsende Zahl von Abgeordneten, aber ein 1956 verfügter Ausbaustopp wurde erst Anfang der 1960er-Jahre gelockert. Das daraufhin durch den international berühmten Architekten Egon Eiermann errichtete neue Abgeordnetenhochhaus bot mit 30 Etagen und 114 m Höhe ausreichend Platz für zahlreiche Abgeordnetenbüros und Sitzungssäle. Nicht nur durch seine Höhe überblickt der „Lange Eugen“ – benannt nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier – markant Stadt und Fluss, auch die Ausgestaltung durch Eiermann spiegelt in jedem Detail das moderne neue Selbstbewusstsein der jungen Bundesrepublik wider. Dieser repräsentative Charakter sollte auch in der Kunst am Bau zur Geltung kommen, sodass durch den Architekten und die Bundesbaudirektion insgesamt zwölf Künstler direkt ausgewählt wurden, darunter so renommierte wie Emil Schumacher, Fritz Koenig, HAP Grieshaber und Günther Uecker. Sie repräsentierten durch unterschiedliche künstlerische Techniken und Stile die Bandbreite ästhetischer Ausdrucksmöglichkeiten der Zeit in Deutschland. Auch die Standorte für die Kunst waren sorgfältig gewählt, um dieser höchste Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und damit ihren repräsentativen Charakter zu betonen. Acht Künstler wurden eingeladen, die Wandfelder über den Doppelflügeltüren in den Sitzungssälen zu gestalten. So war eine einheitliche Einbindung in das strenge architektonische Raster möglich, während die Wahl der Künstler ganz unterschiedliche ästhetische Lösungen hervorbrachte.
Für den Sitzungssaal des Verteidigungsausschusses schuf der für seine Holzschnitte international berühmte Künstler HAP Grieshaber (1909-1981) ein Triptychon über der Eingangstür, das wie ein Flügelaltar wirkt. In der Mitte zeigt es ein Flammeninferno, in dem eine Figur neben einem Atompilz zu erkennen ist. Auf den Flügelinnenseiten sind Adam und Eva mit den Attributen Schlange und Apfel dargestellt. An den Außenseiten hat der Altar eine ornamentale Gestaltung, die an militärische Tarnmuster erinnert. Das Werk nimmt Bezug auf die mittelalterlichen Weltgerichtsaltäre, die meist in der Mitte den Erzengel Michael darstellen, der beim Jüngsten Gericht den Seelen den Weg zu Himmel und Hölle weist. Grieshaber mahnt mit dieser Arbeit die Politiker, die in dem Saal als Mitglieder des Verteidigungsausschusses tagten, zu einem verantwortungsbewussten und friedfertigen Handeln. Grieshaber hatte als Soldat und Kriegsgefangener die Folgen des Zweiten Weltkrieges erlitten und engagierte sich Zeit seines Lebens für politische und gesellschaftliche Themen. Sein bevorzugtes künstlerisches Medium war der Holzschnitt, den er gelegentlich mit anderen Materialien kombinierte und bemalte - hier in der Supraporte in Bonn mit eingelegtem Linoleum und Resopal. Durch die Motivwahl und die Art der Darstellung hat er mit seiner Arbeit für den Langen Eugen ein zeitgenössisches Mahnmal geschaffen, das bis heute vor den Folgen des Krieges warnt. SvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.

Weiterführende Literatur:
Kurt Femppel: HAP Grieshaber. Kunst am Bau, Ludwigsburg 2014.
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002.
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980.
Wolfgang Leuschner: ‚Kunst am Bau‘ oder mehr als das? In: Die Bauverwaltung, Nr. 9/1973, S. 450-457.


Tafelbild / Gemälde
Öl, Acryl und Linoleum auf Lärchenholz; Seitenflügel: Resopal-Unterdruck, Tarnstoff der Bundeswehr
255 x 115/230/115 cm
Direktvergabe

UN-Hochhaus (Langer Eugen)
Supraporte Sitzungssaal 2712
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: HAP Grieshaber

HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber (1909 Rot a. d. Rot - 1981 Eningen unter Achalm) war ein deutscher Maler und Grafiker. Nach Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart Arbeit als Buchillustrator und Grafiker, erste Ausstellungen ab 1930. Keine öffentliche künstlerische Tätigkeit während des Nationalsozialismus. 1955-60 Professur an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Grieshaber wurde vor allem durch seine großformatigen Holzschnitte bekannt. Er war in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten (u. a. documenta I, II und III in Kassel, 31. Biennale in Venedig) und erhielt mehrere Auszeichnungen. Kunst am Bau schuf er u. a. 1965 für das Rathaus Reutlingen und das Stadttheater Bonn, 1973 für das Rathaus in Pforzheim.

UN-Hochhaus (Langer Eugen)

Architektur: Egon Eiermann
Bauzeit: 1966-1969

UN-Campus
Hermann-Ehlers-Str. 10
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus wurde 1969-2000 vom Deutschen Bundestag genutzt und nach denkmalgereichter Sanierung durch HPP Hentrich-Petschnigg & Partner 2006 an die Vereinten Nationen übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn