Hannes Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix 1953

  • Hannes   Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes   Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Hannes Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Hannes   Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes   Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Hannes Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Hannes   Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes   Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Hannes Schulz-Tattenpach: Aufsteigender Phönix, 1953 / © Hannes Schulz-Tattenpach; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

Das Bundeshaus besteht aus insgesamt neun Gebäuden, die 1949-99 vom Parlament genutzt wurden. Den Kern der Anlage bilden die Räume der Pädagogischen Hochschule, die 1933 von Martin Witte im Bauhausstil erbaut worden war. Hans Schwippert baute 1949 einen Plenarsaal als Stahlkonstruktionsbau an und erweiterte das Gebäude 1949 um zwei Flügel für Bundesrat und Bundestag. Danach ergänzte die Bundesbaudirektion noch 1951 einen Zwischenflügel und 1953 einen Fraktionsbau. Zuletzt baute sie 1953 das Abgeordnetenhochhaus. Es handelt sich hierbei um ein achtgeschossiges Gebäude auf den Fundamenten eines zweigeschossigen Luftschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg. Hier wurde unter anderem die Abgeordnetenbibliothek untergebracht.
Der Sitz der Bundesregierung sollte nicht nur im Inneren mit mehreren Kunstwerken ausgestattet werden, sondern auch im repräsentativen Eingangsbereich eine Wandgestaltung erhalten. Die Bundesbaudirektion schrieb 1952 dazu den ersten offenen Kunstwettbewerb für einen Bau der Bundesrepublik aus. Zu dem „Preisausschreiben für einen plastischen Schmuck am Erweiterungsbau des Bundeshauses in Bonn“ für die Wandfläche von vier mal sechs Metern am Haupteingang wurden 333 Arbeiten eingereicht. Das Preisgericht setzte sich zusammen aus vier Bundestagsabgeordneten, zwei Beamten von Bundesbaudirektion und Finanzministerium sowie sieben bildenden Künstlern. Es vergab drei erste Preise an Günther Lossow, Fritz Koenig und Josef Höntgesberg. Zur Ausführung kam jedoch einer von zehn Entwurfsankäufen, die man darüber hinaus tätigte.
Der sächsische Maler Hannes Schulz-Tattenpach hatte den Entwurf zum Relief eines aufsteigenden Kranichs eingereicht. Hannes Schulz-Tattenpach war (unter dem Namen Odo Tattenpach) für seine Glasfensterentwürfe an der modernen Versöhnungskirche in Leipzig-Gohlis (1932) bekannt. Die abstrakt-expressiven Fensterbilder waren von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert worden. Sein Entwurf für das Bundeshochhaus wurde als besonders gelungen erachtet. Er setzte an der modernen, abstrakten Figuration an und zeigt eine sehr elegant-geschwungene Darstellung des Vogels vor einer Sonnenscheibe. Die Jury kritisierte diese Gestaltung 1952 in ihrer Begründung ein wenig, indem sie einräumte: „Die Eleganz der Linienführung geht zum Teil auf Kosten des künstlerischen Ernstes.“ Gleichwohl bescheinigte sie dem Künstler: „Besonders glücklich erscheint an diesem Entwurf die leicht ornamentale Belebung der Flächen und das Thema. Eine Ausführung in Sgraffito würde am ersten die dort notwendige Wirkung erzielen.“ Das Relief wurde in Kalkstein an der Fassade neben dem Eingang umgesetzt.
Der Entwurf war sofort symbolisch gedeutet worden: als der aus der Asche aufsteigende Phönix, der wie das Land wieder zu Kraft und Leben gelangt. Damit wurde das Bild zu einem positiven Signal des Aufbruchwillens und der frischen Energie des Neubeginns. Die mythologisch-metaphorische Motivwahl war ein zeittypisches Phänomen. Es ging darum, nach dem Helden- und Germanenkult des Nationalsozialismus eine neue, ideologisch unbesetzte Bildsprache zu schaffen und dabei trotzdem allgemeinverständlich zu bleiben, was vor allem gegenständlich hieß.
Das Phönixrelief des Bundeshauses wurde zum Signet der Bundesrepublik. 1974 wurde es auf der 25-Jahre-Jubiläumspostkarten-Briefmarke verewigt. CB

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.


Relief / Plastik
Kalkstein
14.316 €
offener Wettbewerb mit 333 Teilnehmern

Altes Abgeordnetenhochaus
Fassade, Eingangsbereich
öffentlich zugänglich/einsehbar

Hannes Schulz-Tattenpach, auch Odo Tattenpach, eigentlich Hans Wilhelm Schulz (1905 Lannesdorf bei Godesberg - 1953 Braunschweig) war Maler und Bildhauer. Er hatte die Kunstgewerbeschule und die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf besucht. Von 1928 bis 1945 lebte er in Berlin, dann in Südfrankreich und Griechenland. 1946 ließ er sich in Braunschweig nieder. Das wichtigste Werk des expressionistisch inspirierten Künstlers, das ihm aber bei den Nationalsozialisten auch das Verdikt der „Entartung“ eintrug, war das Fenster der in sachlicher Architektursprache errichteten Versöhnungskirche in Leipzig-Gohlis 1932. Des weiteren schuf er eine Reliefwand für das Funkhaus Köln 1953, arbeitete auch im Auftrag der U-Bahn in Berlin und gestaltete das Kruzifix in St. Bonifatius in Bad Dürrenberg.

Altes Abgeordnetenhochaus

Architektur: Bundesbaudirektion
Bauzeit: 1951-52

UN-Campus
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das Gebäude wurde 1951/52 für den Deutschen Bundestag errichtet und bis 2004 durch diesen genutzt. 2009-2012 wurde es durch das BBR und RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architekten hergerichtet und saniert und 2013 dem Sekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) als Dienstsitz übergeben.

Weitere Kunstwerke: UN-Campus, Bonn