Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas 1964

  • Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Fritz Koenig: Mutter und Kind oder Maternitas, 1964 / © Fritz Koenig; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

Fritz Koenig (* 1924) gehört zu den Protagonisten der Kunst-am-Bau-Geschichte. Zahlreiche Werke entstanden für Bundesbauten im In- und Ausland. Gemeinsam mit Josef Henselmann, Hans Kindermann, E. R. Nele und Bernhard Heiliger war Koenig auch an der künstlerischen Gestaltung der von Egon Eiermann und Sep Ruf entworfenen Gebäude des Deutschen Pavillons auf der Weltausstellung in Brüssel vertreten. Er schuf 1957-58 nach einem beschränkten Themenwettbewerb für einen der Pavillons zum Thema „Mutter und Kind“ die Bronzeplastik „Große Maternitas“ und Bernhard Heiliger nach einem anderen Wettbewerb die Aluminiumplastik „Figurenbaum“.
Nach dem Ende der Expo 58 wurde die Kunst des Deutschen Pavillons an andere Orte verbracht. Die Plastiken von Koenig und Heiliger gelangten 1967 als Kunst am Bau des Wohn- und Empfangsgebäudes des Bundeskanzlers nach Bonn. Dieser ebenfalls von Sep Ruf entworfene markante gläserne Bungalow liegt zurückgezogen im weitläufigen Park, der sich zwischen dem damaligen Bundeskanzleramt (heute Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und dem Bonner Dienstsitz des Bundeskanzlers im Palais Schaumburg bis zum Rhein hin erstreckt. Es ist ein mit Platanen, Pappeln und Ahornbäumen, mit Sträuchern, Beeten und Bodendeckern bepflanzter Park, der 2007-2009 nach bauzeitlichem Vorbild gärtnerisch instandgesetzt wurde, so dass die zuvor teilweise verdeckte Kunst im Außenbereich wieder zu voller Geltung kommt. Fritz Koenigs „Maternitas“ ist vor der Terrasse auf die Südostseite des Bungalows ausgerichtet, dabei allansichtig. Es handelt sich um eine über einem Steinstockel mit sieben schlanken Beinchen aufgeständerte Plastik mit einer reduzierten Körperlichkeit. Die aus Kopf, Rumpf und Beinen bestehenden schematisierten Figuren fügen sich in einem kaskadenartigen Aufbau zu einem pyramidalen Umriss. Die zentrale Figur ist maßstäblich kaum hervorgehoben und unterscheidet sich ansonsten lediglich durch einen angedeuteten Dutt. Die symmetrische Bildgestalt und der kompositorische Habitus der Darstellung erinnern an christliche Darstellungen der „Schutzmantelmadonna“. Indem die Darstellung die Körper hierarchielos zu einer plastischen Masse verbindet, arbeitet der Bildgehalt jedoch nicht in eine religiöse Richtung, sondern thematisiert die „Maternitas“, das heißt ‚Mütterlichkeit‘, ‚Mutterschaft‘, universell und archetypisch.
Die Bronzeplastik stellt hier so wenig wie bei ihrer Aufstellung in Brüssel exklusive Architekturbezüge her. Das trifft den Geist der internationalen Architekturmoderne. Die auf Wunsch des Architekten Sep Ruf nach Bonn geholten Werke von Koenig und Heiliger sind nicht im Sinne heutiger Kunst-am-Bau-Ideale integral. Vielmehr sind Baukunst und Bildkunst hier in ihrem jeweiligen Streben nach Autonomie bewusst kategorisch getrennt. Dennoch tragen die „Maternitas“ und die „Figurenbaum“-Plastik von Bernhard Heiliger auf der Eingangsseite mit ihren eigenständigen künstlerischen Mitteln und Ausdrucksformen wesentlich und absichtsvoll zum Eindruck und zur Wirkung der klaren und schwebend leicht wirkenden Architektur bei. Bis heute wählt fast jede ambitionierte fotografische Darstellung des unterdessen denkmalgeschützten Kanzlerbungalows Perspektiven, auf denen vor allem die Bildwerke von Fritz Koenig und Bernhard Heiliger, aber auch die Stelengruppe von Paul Dierkes eine entscheidende Rolle spielen. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation Nr. xx/2017.
Claudia Büttner / Christina Lanzl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1950 bis 1979. BBSR-Online-Publikation 12/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980, S. 28f.


Freiplastik / Skulptur
Bronze
200 x 145 x 90 cm
10.226 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 3 Teilnehmern

Kanzlerbungalow
Vorplatz Kanzlerbungalow
während der Öffnungszeiten zugänglich

Künstler: Fritz Koenig

Fritz Koenig, geboren 1924 in Würzburg, war einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Mit sehr eigenständigem, abstraktem Formenrepertoire profilierte er sich Ende der fünfziger und sechziger Jahre als einer der wichtigsten Repräsentanten der westdeutschen Kunst. 1958 vertrat er Deutschland auf der XXIX. Biennale in Venedig, 1959 und 1964 nahm er an der documenta II und III in Kassel teil. Seine Ausbildung hatte er nach Kriegsdienst im zweiten Weltkrieg 1946-1952 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Anton Hiller erhalten. 1964 wurde er Professor an der Architektur-Fakultät der Technischen Universität München, 1969 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. Er schuf zahlreiche öffentliche Skulpturen wie die Kugelkaryatide für das World Trade Center in New York (1971) und Mahnmale im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (1983) sowie für die Opfer des Terroranschlages der Olympischen Spiele 1972 in München (1995). Vor allem erhielt Koenig seit 1951 Kunstaufträge für viele Behördenbauten in Bayern, später auch bedeutende Aufträge der Post und des Bundes. So schuf er das Relief und den Brunnen für das Deutsche Patentamt München (1956) sowie Bronzeskulpturen für die Deutschen Botschaften in Washington, D.C./USA (1962), in Madrid/Spanien (1965/66) und in Dakar/Senegal (1971).

Kanzlerbungalow

Architektur: Sep Ruf
Bauzeit: 1963-64

Kanzlerbungalow
Adenauerallee 139
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Der Kanzlerbungalow wurde 1963-64 errichtet und bis 1999 vom jeweiligen Bundeskanzler als Wohn- und Empfangsgebäude genutzt. Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin 1999 stand das Gebäude zunächst leer, 2001 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. 2007-2009 wurde der Kanzlerbungalow mit Hilfe der Wüstenrotstiftung grundlegend saniert. Heute ist er Außenstelle des Hauses der Geschichte und kann als Station des Geschichtsrundwegs "Weg der Demokratie" im Rahmen der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Weitere Kunstwerke: Kanzlerbungalow, Bonn

Weitere Kunstwerke: Koenig, Fritz