Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum 2002

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann (2008)

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann (2008)

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann (2008)

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Sandra Wildemann (2008)

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Maurizio Nannucci: Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum, 2002 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Der Kunstbeirat der Bundesregierung für die Baumaßnahmen der Bundesregierung in Berlin hatte in mehrerlei Hinsicht beratende Funktion: Neben den umfangreichen Neubauvorhaben und der damit verbundenen Kunst am Bau ging es um komplexe örtliche Situationen mit zahlreichen historischen Implikationen. Die Umnutzung und Erweiterung des ehemaligen, aus der Zeit des Nationalsozialismus stammenden und von Hans Kollhoff umgebauten Reichsbank-Gebäudes als Auswärtiges Amt war in diesem Zusammenhang eine besonders prominente Aufgabe. Als öffentlich nicht sichtbares Bindeglied zwischen diesen Architekturelementen dient ein unterirdischer Verbindungsgang, für den die Architekten des Erweiterungsbaus Müller / Reimann ihre Idee eines Lichttunnels gemeinsam mit James Fraser Carpenter realisierten. Eine besonders komplizierte Situation ergab sich im Vorraum dieses Tunnels. Wie in anderen realisierten künstlerischen Arbeiten für das Auswärtige Amt und nicht zuletzt in der Architektur selbst war Licht ein zentraler Bezugspunkt für diese unterirdische Halle. „Nichts Menschliches ist befremdlich – fremd ist man sich selbst allein“. Und so hatte Nannucci seinen Wettbewerbsbeitrag „Topografie der Fremdheit“ betitelt. Damit brachte er nicht nur den berühmten Satz des römischen Dichter Terenz in ein Verhältnis zu den Aufgaben des Auswärtigen Amtes. Der Titel seines Beitrags lässt auch deutlich das langfristige Bewältigungsprojekt „Topographie des Terrors“ anklingen, mit dem eine lange umstrittene Form im Umgang mit der ehemaligen Reichskanzlei gesucht wurde. Allerdings scheiterte der Wettbewerb, für den Nannucci seinen Entwurf geschaffen hatte, weil keiner der Wettbewerbsbeiträge eine eindeutige Mehrheit der Jury überzeugen konnte. In der Folge entschloss man sich zum Ankauf vorhandener Arbeiten.
Maurizio Nannucci hat entscheidende Impulse gesetzt für die Entwicklung der künstlerischen Neoninstallationen und der konzeptuellen Kunst. Seine knappen, oft poetischen Worte bereichern das üblicherweise für Werbebotschaften genutzte Mittel der Neonschrift um eine weit reichende künstlerische Komponente. „Freiheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns unter Gleichen / Gleichheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns für die Freiheit“ zitiert er Hannah Ahrend in seiner ringförmigen Installation in der Bibliothek des Deutschen Bundestags, und „ALL ART HAS BEEN CONTEMPORARY“ war am Portal des Alten Museums in Berlin zu lesen.
Die nunmehr vorhandenen Neoninstallationen stammen aus dem Werkzyklus der „Schriftbilder“. Je 250 x 250 cm groß, spannen sie ein Gefüge wechselnder Beziehungen zwischen Wortpaaren auf. Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum: Nannucci thematisiert grundsätzliche Fragen. Jedes einzelne Bild geht die Buchstaben durchaus auch auf formaler Ebene analytisch an – und schafft zwischen den einzelnen Elementen der verschieden leuchtenden Buchstaben eine Spannung, die geometrische und inhaltliche Fragen koppelt. Gleichzeitig animiert diese Arbeit, Lesen als einen kulturellen Akt wahrzunehmen. MS/JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 114-115.


Lichtinstallation
Neonröhren
je 250 x 250 cm
204.517 €
Direktvergabe

Neubau Werderscher Markt
Vorraum des Tunnels zwischen Erweiterungsbau und Altbau
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Maurizio Nannucci

Maurizio Nannucci, geboren 1939 in Florenz, ist ein international renommierter Licht- und Konzeptkünstler. Auch wenn seine Arbeiten beinahe alle Medien einbeziehen, ob Video, Film, Foto oder Klanginstallation, so liegt doch der Schwerpunkt seiner Arbeit auf den Neon-Installationen. Darüber hinaus ist er editorisch tätig. In Zusammenarbeit mit bekannten Architekten wie Renzo Piano, Nicholas Grimshaw oder Stephan Braunfels entstanden außergewöhnliche „Kunst am Bau“-Projekte. Für das Auswärtige Amt in Berlin entwickelte er eine sechsteilige Neon-Installation für den Vorraum des Verbindungstunnels zwischen Altbau und Erweiterungsbau. Die großformatigen Leuchtbuchstaben bilden drei Begriffspaare: „Zeit/Licht, Zeit/Bild, Zeit/Raum“ (2002). Eine weitere Arbeit Nannuccis in Berlin, eine blau leuchtende Neon-Installation mit dem Titel „Blauer Ring“ (1998/2003), befindet sich in der Rotunde der Bibliothek des Deutschen Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Nannucci nahm mehrfach an wichtigen internationalen Ausstellungen wie der documenta in Kassel oder der Biennale di Venezia teil.

Neubau Werderscher Markt

Architektur: Müller Reimann Architekten
Bauzeit: 1997-1999

Auswärtiges Amt
Werderscher Markt 1
10117 Berlin

Weitere Kunstwerke: Auswärtiges Amt, Berlin