Gisela Hachmann-Ruch: o. T. (Installation von Bildzeichen) 2000

  • Gisela Hachmann-Ruch: o. T. (Installation von Bildzeichen), 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Gisela Hachmann-Ruch: o. T. (Installation von Bildzeichen), 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Gisela Hachmann-Ruch: o. T. (Installation von Bildzeichen), 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller

    Gisela Hachmann-Ruch: o. T. (Installation von Bildzeichen), 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller

Der helle, leicht wirkende Erweiterungsbau von Thomas Müller und Ivan Reimann für das Auswärtige Amt in Berlin setzt im Maßstab die Verhältnisse des unter den Nationalsozialisten entstandenen Altbaus (Architekt Heinrich Wolff, 1934-1940) fort, schafft aber atmosphärisch eine völlig andere Situation. Die kubische Architektur mit ihrer Oberfläche aus hellem, römischem Travertin umschließt einen großen Lichthof und öffnet ihn zur Straße hin. Fensterbänder nehmen – außer im Erdgeschoss – den weit überwiegenden Teil der Fassade ein. Licht ist ein zentraler Bezugspunkt für diese Architektur – und dieses Thema verbindet alle im Rahmen der gesamten Baumaßnahme realisierten künstlerischen Arbeiten.
Gisela Hachmann-Ruch hat mit den „Bildzeichen“ im Erweiterungsbau des Auswärtigen Amts ihre bislang größte Arbeit realisiert. Im modularen Format eines Tafelbilds kombinierte sie 36 weitgehend ultramarinblaue Acrylglasscheiben zu jeweils größeren Einheiten und schuf eine den Raum verbindende Bezugsgröße für Treppenhaus und mehrere Ebenen. Durch Abstandshalter in eine Distanz vor die Wände gebracht und in unterschiedlichen Neigungswinken zu dieser, fangen diese reliefartigen Objekte das Licht ein, bilden mit der Wand Schatten und spiegeln mit ihrer glatten Oberfläche die Umgebung – wobei die Fußbodenplatten diesen Effekt durchaus verstärken. Bildzeichenhafte Aussparungen in den blauen Flächen erzeugen daneben eine weitere Kommunikationsfläche zwischen Bild und Bildgrund. Dabei ändert sich der Eindruck stark mit der jeweiligen Anbringung und markiert deutlich unterschiedliche Situationen zwischen Wartebereich oder Treppenhauswand, zwischen der Lichtmenge in den oberen und unteren Ebenen und nicht zuletzt der Belichtungssituation, die sich analog zu den Tages- und Jahreszeiten ändert.
Gisela Hachmann-Ruch nutzt ihre Erfahrung aus Arbeiten auf Papier. Die für Zeichnungen und Druckgrafik grundlegende Auseinandersetzung zwischen Figur und Bildgrund, das Umgehen mit Faltungen, Layoutfragen und die Wachheit für die sichtbaren Befunde von gesehenen Situationen zeichnet ihre Arbeit auf Papier aus. Im Auswärtigen Amt überträgt sie solche Fragestellungen ins Räumliche und schafft daraus eine atmosphärisch leichte, Grunddispositionen der Architektur fördernde Prägung der Räume.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 108-109.


Installation
Acrylglasplatten, Edelstahlhalterung
je Acrylglasplatte 145 x 80 cm
153.388 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 15 Teilnehmern

Neubau Werderscher Markt
Wartebereich 1. OG und Treppenraum
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Gisela Hachmann-Ruch

Nach einem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1966-72) und einem Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Karlsruhe (1969-73) ist Gisela Hachmann-Ruch seit 1974 als freischaffende Künstlerin tätig. Vor allem ist sie mit druckgrafischen Arbeiten und einem Kunst-am-Bau-Werk für das Auswärtige Amt in Berlin (2000) bekannt geworden. 1995 erhielt sie den Willibald-Kramm-Preis.

Neubau Werderscher Markt

Architektur: Müller Reimann Architekten
Bauzeit: 1997-1999

Auswärtiges Amt
Werderscher Markt 1
10117 Berlin

Weitere Kunstwerke: Auswärtiges Amt, Berlin