Hubert Kiecol: Stelen / Allee mit Hecken und Bänken 2001

  • Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Hubert Kiecol : Stelen / Allee mit Hecken und Bänken, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland wurde 1999, acht Jahre nach dem Hauptstadtbeschluss, in dem gewaltigen fünfgeschossigen Gebäudekomplex am Werderschen Markt in Berlin untergebracht. Der mit geschwungenen Schenkeln ausgreifende, sechs Höfe umschließende und fünf Dachterrassen ausbildende Flügelbau beherbergte die frühere Reichsbank und wurde später vom ehemaligen Zentralkomitee der SED genutzt. Diesen Altbau hat der Architekt Hans Kollhoff unter Erhalt der historischen Schichten bei gleichzeitiger Berücksichtigung moderner Standards umgebaut. Hinzu kam auf einem angrenzenden Nachbargrundstück ein gleichzeitig als Haupteingang dienender Neubau mit drei Lichthöfen der Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann. Für die Kunst am Bau beim Auswärtigen Amt wurde auf das Kunstkonzept, das der Kunstbeirat der Bundesregierung für die Baumaßnahmen des Bundes erarbeitet hatte, zurückgegriffen, weshalb für mehrere Standorte des Ministeriums Kunst-am-Bau-Aufträge vergeben beziehungsweise entsprechende Wettbewerbe ausgerichtet wurden.
Ein Wettbewerb bezog sich auf die Gestaltung der Dachterrassen des Altbaus. Eines der vier auf den Terrassen beziehungsweise in einem der Höfe realisierten Werke stammt von Hubert Kiecol. Der Künstler, der an der Düsseldorfer Kunstakademie eine Professur für ‚Integration Bildende Kunst und Architektur‘ innehat, intervenierte mit einer skulpturalen Intervention, die die große repräsentative Verbindungsterrasse auf dem Dach des Altbaus zu einer boulevardmäßig eleganten Entfaltung bringt. Zu beiden Seiten hat er skulptural geprägte und in regelmäßigem Rhythmus versetzte quaderförmige Bänke und Heckenkästen aufgestellt.
Trotz ihrer eher zurückhaltenden Erscheinung setzt sich die dezentrale Gestaltung ästhetisch wirkungsvoll gegen den ungeschliffenen schwarzen Schieferboden ab und erzeugt ein Fließen und einen Tiefensog zum Treppenhausbau hin. Dahinter öffnet sich die nächste, eine kleine quadratische Dachterrasse. Dort hat Kiecol vier Stelen aus Weißbeton installiert. Es sind vierteilige Freipfeiler mit einer unter dem Traufgesims des Treppenhauses bleibenden Höhe. Im Unterschied zu einer Säule, die eine reine Dekorfunktion haben kann, ist dem Pfeiler eigentlich eine tragende Funktion zugedacht. Bei Kiecol aber ist die Stelle des Kapitells fünffach abgetreppt. Unwillkürlich stellen sich so Assoziation von Himmelstreppen ein. In dem für Kiecol typischen Weißbeton bohren sich die Stelen in den Himmel und stecken vor der Berliner Stadtsilhouette einen imaginären Raum ab. Dabei kennzeichnen die Stelen ebenso wie die Bänke und Heckenkästen eine designhafte Eleganz und ein hochsensibler künstlerischer Purismus, dessen Klarheit und Reinheit ein symbolisches Verstehen nahelegen.
Bei Kiecol spielt die „unfunktionale“, freigesetzte Schönheit im Sinne einer minimalistischen Reduktion immer eine große Rolle. Diese hier und an anderen, ähnlichen Arbeiten exemplifizierte „Unfunktionalität“ erlangt eine besondere künstlerische Bedeutung und zusätzliche Wirkung dadurch, dass die Kunstwerke gleichzeitig design- und architekturaffine Erscheinungsweisen anstreben – ohne Design oder Architektur zu sein. Kiecol gibt eine glänzende Antwort auf den Bau des Auswärtigen Amtes. Er unterstreicht die Großzügigkeit und die vorgefundene Weite der sich in allen Richtungen der Berliner Dachlandschaft öffnenden Terrassen mit einem komplexen und geistreichen Konzept semantisch bereinigter Architektur- und Gestaltungselemente. In ihrer unprätentiösen Art wird Kiecols Kunst den Vorstellungen, die der Auslobung des Wettbewerbs zugrunde lagen, besonders gerecht: „Die vergrößerte Bundesrepublik Deutschland wird sich ab 1999 in diesen Bauten darstellen. Hier kommt der Kunst eine weit über die übliche »Kunst am Bau-Praxis« hinausgehende zentrale Funktion zu.“

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 98 ff.


Freiplastik / Skulptur
Weißbeton
Stelen: je 400 x 35 x 30 cm; Bänke und Heckenkästen: unterschiedliche Maße
153.388 €
Kolloquium mit 12 Teilnehmern

Altbau (ehem. Reichsbank)
Dachterrassen 1 und 3
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Hubert Kiecol

Hubert Kiecol, geboren 1950 in Bremen-Blumenthal, studierte an der Werkkunstschule Hamburg und an der Kunsthochschule Hamburg. Er erhielt mehrere bedeutende Stipendien und Preise, darunter den Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste Berlin und den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Hubert Kiecol ist seit 1993 Professor für ‚Integration, Bildende Kunst und Architektur‘ an der Kunstakademie Düsseldorf. Bekannt ist er vor allem für seine Skulpturen aus Weißbeton, die in prägnanter Klarheit und Reduktion Architekturmotive variieren. Hubert Kiecol schuf zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum beziehungsweise für den Außenraum.

Altbau (ehem. Reichsbank)

Architektur: Heinrich Wolff
Bauzeit: 1935-1939

Auswärtiges Amt
Werderscher Markt 1
10117 Berlin

Der als Erweiterung der Reichsbank 1935-39 von Heinrich Wolff errichtete Bau wurde nach 1945 vom Berliner Stadtkontor genutzt und war ab 1949 Sitz des DDR-Finanzministeriums und ab 1959 auch des Zentralkomitees der SED. 1996-99 wurde er für das Auswärtige Amt durch Kollhoff Architekten denkmalgerecht hergerichtet und umgebaut.

Weitere Kunstwerke: Auswärtiges Amt, Berlin