Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen) 2001

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Stephan Balkenhol: o. T. (Wetterfahnen), 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

1999 bezog das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland den fünfgeschossigen Gebäudekomplex am Werderschen Markt in Berlin. Den zwischen 1934 und 1940 als Erweiterungsbau der Reichsbank entstandenen Flügelbau mit seinen Innenhöfen und Dachterrassen hatte zuletzt das ehemalige Zentralkomitee der SED genutzt. Der Altbau wurde nach der Wende von Hans Kollhoff saniert und um einen gleichzeitig als Haupteingang dienenden Neubau der Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann erweitert. In der Umsetzung des Kunstkonzeptes, das der Kunstbeirat der Bundesregierung für die Baumaßnahmen des Bundes erarbeitet hatte, wurden für die besonders repräsentative Bauunternehmung des Auswärtigen Amtes mehrere Kunst-am-Bau-Anstrengungen unternommen. Neben Direktvergaben gab es Wettbewerbe. Die Auslobungen unterstreichen die Bedeutung der Kunst gerade für das Auswärtige Amt: „Die vergrößerte Bundesrepublik Deutschland wird sich ab 1999 in diesen Bauten darstellen. Hier kommt der Kunst eine weit über die übliche »Kunst am Bau-Praxis« hinausgehende zentrale Funktion zu. Nicht nur die Neuinterpretation der Bauten durch die Architekten, sondern ebenso die sie stützende und erweiternde Kunst, ihre visuellen Angebote zu Reflexion und Erleben, werden das Bild, das sich die Welt von der Bundesrepublik macht, prägen.“
Zur Gestaltung der fünf Dachterrassen und Höfe des Altbaus wurden schließlich vier Künstler ausgewählt, darunter Stephan Balkenhol, der zu den meistbeschäftigten Künstlern Deutschlands gehört. Zahlreiche seiner Werke im öffentlichen Raum setzen die menschliche Figur auch im Sinne der Humanisierung in Beziehung zur gebauten Umgebung. Beim Auswärtigen Amt hat sich Balkenhol mit vier scherenschnittartigen, farbig gefassten Edelstahlfiguren auf die nach Osten, zum ehemaligen Staatsratsgebäude am Schlossplatz ausgerichtete Dachterrasse vor der internationalen Begegnungsstätte begeben. Die männlichen und weiblichen Gestalten sind, wie sonst auch bei Balkenhol, konzipiert als fast alterslose Menschen ohne Eigenschaften. Eben diese den Durchschnittsbürger verkörpernden „Allerweltsfiguren“ befinden sich nun nicht im Museum oder im öffentlichen Straßenraum, sondern in exponierter Höhe – und damit bedeutungsvoll – auf der Dachterrasse eines Gebäudes, in dem sich die zentrale Schaltstelle der deutschen Diplomatie befindet.
Zur gegenüberliegenden Friedrichsgracht am Spreekanal hin treten die Figuren nicht dominant in Erscheinung. Von der Dachterrasse aus betrachtet aber stellen sie nicht nur antipodische Verbindungen zur bekrönenden Bauplastik der Humboldt-Universität und der repräsentativen Bauten Unter den Linden her, sondern auch zu den hinter der Brüstung auftauchenden Hochhäusern auf der Fischerinsel, zu den Kirchtürmen und zum Fernsehturm am Alexanderplatz. Tiefere „Bedeutung“ erlangen die zweidimensionalen Blechfiguren, indem sie dem Wetter ausgesetzt sind und sich, über Kugellagern installiert, – wörtlich und im übertragenen Sinn zu verstehen – nach dem Wind drehen. Gegenüber der Unbeweglichkeit all der Attikafiguren der benachbarten Berliner Architekturen erweist sich die Beweglichkeit von Balkenhols Arbeiten als symbolischer Ausdruck eines freien Menschenbildes. Der „Freiheitsgedanke“ wird unterstrichen durch den Kontrast, den die Figuren in ihrer unheroischen Alltäglichkeit, Farbigkeit und unbesorgten „Schönwetter“-Kleidung zum schwergewichtigen Gigantismus der Architektur aufbauen. Die namen- und eigenschaftslosen Figuren bringen ein ungezwungenes spielerisches Moment mit sich, das zudem den geschichtlich bedeutungsvollen Nachbarbauten abgeht und das auch zur unrühmlichen Rolle des Auswärtigen Amtes zur Zeit des „Dritten Reiches“ ein Gegenbild evoziert.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 102-103.


Freiplastik / Skulptur
Edelstahlblech, farbig gefasst
Höhe je Figur ca. 200 cm
92.033 €
Kolloquium mit 12 Teilnehmern

Altbau (ehem. Reichsbank)
Dachterrasse 5
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Stephan Balkenhol

Der international renommierte Bildhauer Stephan Balkenhol, geboren 1957 in Fritzlar, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Ulrich Rückriem und hat seit 1992 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe eine Professur inne. Balkenhol ist vor allem bekannt für grob gehauene und farbig gefasste Holzskulpturen von Menschen und Tieren. Er erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Balkenhol hat eine kaum zu überblickende Zahl an Werken im öffentlichen Raum und als Kunst am Bau realisiert, darunter spektakuläre Arbeiten wie die Skulpturengruppe „Mann und Frau“ vor der Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen in Hamburg oder die acht Meter hohe und 2,5 Tonnen schwere Bronzeplastik „Mann auf Giraffe“ vor dem Tierpark Hagenbeck.

Altbau (ehem. Reichsbank)

Architektur: Heinrich Wolff
Bauzeit: 1935-39

Auswärtiges Amt
Werderscher Markt 1
10117 Berlin

Der als Erweiterung der Reichsbank 1935-39 von Heinrich Wolff errichtete Bau wurde nach 1945 vom Berliner Stadtkontor genutzt und war ab 1949 Sitz des DDR-Finanzministeriums und ab 1959 auch des Zentralkomitees der SED. 1996-99 wurde er für das Auswärtige Amt durch Kollhoff Architekten denkmalgerecht hergerichtet und umgebaut.

Weitere Kunstwerke: Auswärtiges Amt, Berlin