Ansgar Nierhoff: Die Bastion 1981

  • Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Ansgar Nierhoff: Die Bastion, 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

Zwischen der skulptural geprägten Architektur der Staatsbibliothek von Hans Scharoun und der Skulpturenterrasse der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe eine bildhauerische Position entwickeln zu wollen, ist ein ehrgeiziges und gewagtes Unterfangen, besonders für ein Kunst-am-Bau-Projekt. Ansgar Nierhoff hat für diese schwierige Vorfeldsituation eine eigene Schlussfolgerung gezogen. Seine Arbeit mit dem bezeichnenden Titel „Die Bastion“ nutzt das bereits von Scharoun mit Hermann Mattern gemeinsam als Freiraum gestaltete Gelände mit den unregelmäßigen Bodenerhebungen zur Potsdamer Straße hin als eine Art flaches Vorwerk – ganz so wie es eine Festungsarchitektur anstellen könnte. Kleine Geländestufen sind mit einem steinernen Mauervorsprung konturiert, fallen zur Staatsbibliothek hin ab und bieten eine Sitzgelegenheit. Die „dem Geländeanstieg entgegengesetzte Höhenentwicklung sind meine Mittel, um Meßbares und Wägbares in Gedanken zu überführen“, führt der Künstler in seinem Erläuterungsbericht aus. Die Kulturachse, die der Architekt Scharoun für seine Wiederaufbauplanung von Berlin konzipiert hatte, bildet eine Rahmenbedingung, eine wichtige Vorgabe für Nierhoff und entspricht den synergetischen Wechselwirkungen zwischen Kunst und Bau, die für Scharoun wichtig waren.
Drei Quader aus massivem Stahl in unterschiedlichen Positionen sind das Hauptelement von Nierhoffs Arbeit. Sie weisen in für ihn typischer Weise Werkspuren einer mechanischen Bearbeitung mit großem Schmiedewerkzeug auf, wirken aber vor allem durch ihre einheitlich roh belassene Oberfläche. Eine deutliche Spannung baut Nierhoff durch die Platzierung dieser Quader auf. Sie sind jeweils in Richtung zu den Hauptbauten des Kulturforums ausgerichtet, auf Philharmonie, Neue Nationalgalerie und Staatsbibliothek. Dabei steht der letztere als einziger, die beiden anderen liegen im Boden vertieft auf Steinlagen und sind von diesen Steinen so eingefasst, dass neben ihnen etwa das gleiche Volumen im Boden frei bleibt. Mit den Raumzeichen und etwa doppelt so großen Gruben findet Nierhoff zu einer abstrakten Zeichensetzung, die sich nicht zuletzt in ihrer massiv-dunklen und gewissermaßen naturbelassenen Materialität gegenüber der goldenen Haut von Scharouns Bücherschrein behauptet. Indem die gesamte Anlage gegenüber der Potsdamer Straße abfällt, stellt sie für die Staatsbibliothek auch einen eigenen, friedlichen, offenen Schutzraum dar, der durchaus auch als Ruhefläche im Außenraum gedacht ist und hier dem Titel der Arbeit „Die Bastion“ noch eine neue, atmosphärische Bedeutung zuteilt.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.


Freiplastik / Skulptur
Stahl, Maggia-Granit
drei Stahlblöcke je 300 x 55 x 55 cm, drei mit Granit ausgekleidete Gruben auf Rasenfläche je 300 x 110 x 37, 5 cm
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Freigelände zur Potsdamer Straße
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Ansgar Nierhoff

Der Künstler Ansgar Nierhoff (1941 Meschede - 2010 Köln) studierte nach einer Maurerlehre von 1964 bis 1969 an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler von Norbert Kricke. 1977 nahm er an der documenta 6 in Kassel teil. 1983 arbeitete Nierhoff zeitweise als Assistent von George Rickey in dessen New Yorker Atelier. 2000 wurde er mit dem August-Macke-Preis ausgezeichnet. Von 1988 bis 2008 hatte Nierhoff eine Professur an der Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. Er ist mit bundesweit zahlreichen Gestaltungen eine der prägenden Größen für die Kunst am Bau und Arbeiten im öffentlichen Raum und in den Sammlungen zahlreicher deutscher Kunstmuseen vertreten.

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße

Architektur: Hans Scharoun (1967-1972) mit Edgar Wisniewski
Bauzeit: 1967-78

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

1963 Auslobung eines Einladungswettbewerbs für den Neubau einer Bibliothek in Berlin (West), aus dem Hans Scharoun als Sieger hervorging (nach dessen Tod 1972 Weiterführung des Baus durch die Bundesbaudirektion mit Edgar Wiesniewski). Im Oktober 1967 wird der Grundstein für den Neubau an der Potsdamer Straße gelegt; Fertigstellung 1978. Ab 2001 Erweiterung und Modernisierung, 2005 Beginn der Asbestsanierung.

Weitere Kunstwerke: Nierhoff, Ansgar