Günther Uecker : Schweigeskulptur (Wassertropfen) 1981

  • Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

    Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

  • Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

    Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

  • Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

    Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

  • Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

    Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR

  • Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Johannes Stahl (2013)

    Günther Uecker: Schweigeskulptur (Wassertropfen), 1981 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Johannes Stahl (2013)

Die von Hans Scharoun (1893-1972) und seinem Mitarbeiter Edgar Wisniewski entworfene Berliner Staatsbibliothek – Haus Potsdamer Straße wurde 1978 fertiggestellt. Der imposante Bau verfügt über eine äußerst lebhafte Struktur und einen Lesesaal mit unterschiedlichen Decken- und Bodenniveaus, mit Emporen auf mehreren Ebenen, variierenden Wänden, Fenstern und mit rhythmisierenden Bündelpfeilern. Es ist ein langgestreckter Raum, der Pathos vermeidet und – mit den Worten Wisniewskis – „die Freiheit einer Landschaft assoziiert“. Der Kunst-am-Bau-Wettbewerb für den Standort Lesesaal nahm Ideen auf, die der bereits 1972 verstorbene Hans Scharoun noch selbst formuliert hatte. Ihm hatte eine „moderne Athena“ vorgeschwebt, konkret eine „grazile, aufwärts strebende Lichtplastik“. Die Namen der zum Wettbewerb eingeladenen Künstler – Adolf Luther, Heinz Mack, Frank Oehring, Günter Ferdinand Ris und Günther Uecker – lassen erahnen, in welche Richtungen die Vorstellungen gingen. Uecker allerdings wich, zumindest was die Lichtkomponente anbelangt, davon ab. Er überzeugte die Jury mit einer Wassertropfenskulptur.
Die Skulptur steht auf einem architektonischen Einbau, den Scharoun bereits zum Kunststandort erklärt hatte. Sie ist ein Konstrukt aus Bronze, das zwei drei Meter große runde Wasserbecken mit sechs Stäben verbindet. Als eine Art modern verschlankter Tempietto in der offenen Form eines Monopteros baut sich das Werk solitär und in klarer Unterscheidung von der sonstigen Ausstattung und Umgebung vor der Treppe zum Kartenlesesaal auf. Mit seiner Höhenentwicklung und seiner geschlossenen Kreisform bildet er einen in sich ruhenden Raum und optischen Halt in der fließenden Bewegung der Architektur. Günther Uecker, weltbekannt vor allem für seine „Nagelbilder“, hatte diese Kunst am Bau ausdrücklich als „Schweigeskulptur“ konzipiert. Dabei sollte ursprünglich ein vom Mittelpunkt des oberen Beckens herabfallender Tropfen auf der Wasseroberfläche des unteren Beckens eine konzentrische Wellenbewegung zum Beckenrand und von dort wieder zurück erzeugen. Damit hätte die Kunst sowohl in der formalen Komponente eines Athena-Weisheitstempels als auch als Sinnbild der „Konzentration“, Sammlung und Besinnung eine unmittelbar auf den Ort, den Lesesaal, bezogene Plausibilität erlangt. Nicht zu behebende technische Probleme allerdings haben den angedachten Betrieb mit Wasser verhindert. MS/JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Barbara Wilk-Mincu: „Kunst am Bau“ der Staatsbibliothek (Haus 2): Folge 5, Günther Uecker: Wassertropfenskulptur. In: Mitteilungen der Staatsbibliothek (PK), N.F. 3, 1994, Nr. 1, S. 33–47


Installation
Bronze
Ø 300 cm
115.041 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 5 Teilnehmern

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Lesesaal
während der Öffnungszeiten zugänglich

Künstler : Günther Uecker

Günther Uecker, geboren 1930 in Wendorf/Pommern, ist ein deutscher Maler und Objektkünstler. Er studierte Malerei in Wismar, an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee und an der Kunstakademie Düsseldorf. Weltweit bekannt wurde er vor allem mit seinen „Nagelbildern“ und „Nagelobjekten“, in denen er „eiserne Pinsel“ u. a. in Holzplatten, Stühle und Tische treibt. Als Mitglied der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO propagierte er ab 1961 zusammen mit Otto Piene und Heinz Mack einen von der Ebene „Null“ ausgehenden, kompletten Neuanfang in der Kunst. Sein Werk reflektiert auch dezidiert politische Themen. Uecker war mehrfach Teilnehmer der documenta in Kassel und der Biennale von Venedig und hatte von 1974 bis 1995 eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf inne. Er erhielt zahlreiche wichtige Auszeichnungen, darunter den Kaiserring der Stadt Goslar (1983) sowie 1985 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2001 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Neben diversen Bühnenbildern realisierte Uecker im öffentlichen Auftrag unter anderem eine Supraporte für das ehemalige Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages „Langer Eugen“ in Bonn (1970, heute UN-Campus), ein Wandrelief für das UNO-Gebäude in Genf (1977), eine Wassertropfen-Skulptur für die Staatsbibliothek zu Berlin Haus 2 (1983), eine Wandgestaltung aus Gipszylindern als Kunst am Bau für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Cuxhaven (1989), ein Steinmal in der Gedenkstätte Buchenwald (1999) sowie den Andachtsraum im Reichstagsgebäude in Berlin (1999).

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße

Architektur: Hans Scharoun (1967-1972) mit Edgar Wisniewski
Bauzeit: 1967-78

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

1963 Auslobung eines Einladungswettbewerbs für den Neubau einer Bibliothek in Berlin (West), aus dem Hans Scharoun als Sieger hervorging. Im Oktober 1967 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau an der Potsdamer Straße, der nach dem Tod von Scharoun 1972 durch Edgar Wisniewski und die Bundesbaudirektion weitergeführt und 1978 fertiggestellt wurde.

Weitere Kunstwerke: Uecker, Günther