Hans Wimmer: ILION (Pferdekopf) 1982

  • Hans  Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans  Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Hans Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Hans  Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans  Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Hans Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Hans  Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans  Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Hans Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Hans  Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans  Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Hans Wimmer: ILION (Pferdekopf), 1982 / © Hans Wimmer; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

Am Zugang zum Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin befindet sich ein quaderförmiger Betonsockel mit einem bronzenen Pferdekopf. Das 1981-82 entstandene Werk von Hans Wimmer (1907-1992) war ursprünglich als erstes Exponat für die angrenzende erhöhte Skulpturenterrasse der Staatsbibliothek gedacht. Jedoch änderte die Bundesbaudirektion das Kunst-am-Bau-Konzept. Keiner der vier Wettbewerbsteilnehmer – Horst Antes, Otto Herbert Hajek, Erich Reusch, Hans Wimmer – hatte einen Entwurf mit einem lateinamerikanischen Bezug vorgelegt. Da die ausgreifenden Konzepte von Antes, Reusch und Hajek die Terrasse zudem sehr in Beschlag genommen und so die Idee der Skulpturenterrasse vereitelt hätten, entschied man sich für die Pferdekopfplastik von Wimmer, versetzte diese aber in einigen Metern Abstand von der Terrasse zunächst in einer Querausrichtung, dann in frontaler Ausrichtung auf die Potsdamer Straße und die gegenüberliegende Nationalgalerie. Auf die Terrasse gelangte schließlich Bernhard Heiligers Großskulptur „Constellation“ aus dem Jahr 1991.
Gegenständliche Darstellungen und insbesondere Tierdarstellungen konnten sich in der Kunst nach 1945 nur als Nebenlinie der Bildhauerei halten. Hans Wimmer hielt zeitlebens an der gegenständlichen Kunst fest. Zu seinem Repertoire gehörten Menschen und Tiere, vor allem Pferde. 1967 schuf er das Reiterstandbild „Kaiser Ludwig der Bayer“ am Alten Hof in München und 1977 ein im Skulpturenpark München aufgestelltes Trojanisches Pferd.
Wie der Kopf des Münchner Pendants neigt auch der Berliner Pferdekopf zu Formalisierung und Stilisierung. Wimmer hat das Charakteristische in groben, verallgemeinernden Zügen herausgearbeitet. Der Kopf ist aus jedem denkbaren Bewegungszusammenhang gelöst und streng vertikal orientiert. Um die ausgeprägte Blockhaftigkeit zu wahren, sind die Augen kaum plastisch gebildet, die Ohren eng angelegt und das Maul geschlossen. Die Kreisformen des Zaumzeugs spielen im bildhauerischen Vorsatz, mit reduzierten Formen und aus innerer Ruhe heraus Spannung zu erzeugen, eine wichtige Rolle.
Der Kopf ist mit einem W für Wimmer signiert. Zusätzlich ist seitlich gut lesbar das Wort ILION eingeritzt, der altgriechische Name für die Stadt Troja. In Nachbarschaft zu den an der Grundstückskante des Ibero-Amerikanischen Instituts aufgestellten Statuen der beiden südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer José de San Martín und Simón Bolívar bleibt das Sujet des Trojanischen Pferdes rätselhaft, zumal der Bauch, auf den es beim Trojanischen Pferd ankommt, nicht dargestellt ist. Die Inschrift ILION indes stellt als integraler Bestandteil der künstlerischen Aussage einen ganz allgemeinen Bezug zur Mythologie her und erlangt unabhängig von der Ortsfrage eine Verweiskraft, die die Plastik – heute mehr als zum Zeitpunkt ihrer Entstehung – modern erscheinen lässt.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.


Freiplastik / Skulptur
Bronze
82 x 42 x 210 cm, Höhe des Sockels 127 cm
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 4 Teilnehmern

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Einfahrtsbereich des Ibero-Amerikanischen Instituts
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Hans Wimmer

Hans Wimmer (1907 Pfarrkirchen - 1992 München) war ein deutscher Bildhauer. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und war Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Wimmer nahm als Vertreter der gegenständlichen Kunst unter anderem an der ersten documenta in Kassel (1955), an der Biennale in Venedig (1958) und der Weltausstellung in Montreal/Kanada (1967) teil. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Orden „Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste“ (1966) und den „Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst“ (1986). Zu seinen Werken im öffentlichen Raum gehören der Richard-Strauss-Brunnen in München (1962), das Mahnmal für die Opfer der Konzentrationslager in der Paulskirche in Frankfurt a. Main (1964), die Krieger-Ehrenmale in Catania/Italien (1965) und auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz (1972) sowie das „Trojanische Pferd“ im Skulpturenpark München (1977).

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße

Architektur: Hans Scharoun (1967-1972) mit Edgar Wisniewski
Bauzeit: 1967-78

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

1963 Auslobung eines Einladungswettbewerbs für den Neubau einer Bibliothek in Berlin (West), aus dem Hans Scharoun als Sieger hervorging (nach dessen Tod 1972 Weiterführung des Baus durch die Bundesbaudirektion mit Edgar Wiesniewski). Im Oktober 1967 wird der Grundstein für den Neubau an der Potsdamer Straße gelegt; Fertigstellung 1978. Ab 2001 Erweiterung und Modernisierung, 2005 Beginn der Asbestsanierung.

Weitere Kunstwerke: Wimmer, Hans