Thom Barth: Raster D 2000

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Thom Barth: Raster D, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Anlässlich der Herrichtung des denkmalgeschützten ehemaligen Reichspropagandaministeriums für den Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung wurden auf Empfehlung des – 1996 zur Entwicklung eines Kunstkonzepts für die Baumaßnahmen der Bundesregierung in Berlin eingesetzten – Kunstbeirats der Bundesregierung, des Nutzers und des Architekten 1999 fünf Künstler zu einem Kolloquiumsverfahren eingeladen. Neben Felix Droese und Katarina Zavarska war der Maler und Installationskünstler Thom Barth aufgefordert, den Knotenpunkten der Flure des Altbaus, die in einer vertikalen Achse liegen, eine künstlerische Gestalt zu geben. Thom Barth schuf für diese Räume der nordwestlichen Achse 186 „Bleistiftzeichnungen“, die sich in unterschiedlichen Formationen auf die vier Etagen verteilen.
Diese „Bleistiftzeichnungen“ basieren wesentlich auf schwarzweißen Fotokopien von Medienbildern und variieren – von Helmut Kohl als Wahlkämpfer 1990 in Erfurt bis hin zu Misswahlen – Motive der deutschen Zeitgeschichte und der Arbeits- und Sozialwelt. Die Bilder unterscheiden sich grundsätzlich durch die beiden Formate DIN A4 und DIN A6. Die 93 A4-Formate haben ein weißes Passepartout und einen schlichten hellbraunen Holzrahmen, die 93 A6-Formate ein rotes Passepartout und einen gekehlten goldenen Rahmen. Dabei sind die postkartengroßen Bilder der Ausschnitt der größeren Bilder, in deren Mitte sich stattdessen jeweils ein intarsiertes rot-oranges Farbfeld befindet. Beide Formate teilen den signifikanten Dreiklang Schwarz-Rot-Gold.
Die roten Farbfelder bilden mit einem vertikal wie horizontal konsequent eingehaltenen Abstand den Dreh- und Angelpunkt der Hängung, die das übliche an der Bildoberkante orientierte Wäscheleinenprinzip der Bildanbringung außer Kraft setzt. Bei aller Repetition und allem sonstigem Gleichmaß entsteht so Wand für Wand und Etage für Etage der Eindruck von spielerischer Leichtigkeit und Varietät.
Der übergeordnete ästhetische Rahmen relativiert die dargestellten Inhalte, ohne dass das Zusammenspiel von Form und Inhalt und die Bedeutung des Inhalts aufgekündigt würden. Die semantischen Leerstellen der A4-Formate und die freigestellten Pendants der A6-Formate aktivieren den Nutzer der Lobbys sogar in besonderer Weise. Der Betrachter kann von beliebigen Einzelbildern in die verweisende Vielfalt des Kunstwerkes eindringen. Der Charakter dieser „Cluster“ betitelten Bilderinstallation bringt es mit sich, dass der sinngebende Überbau und die weiten Zusammenhänge des Erlebens, Wahrnehmens und Bewusstwerdens auch bei einer sehr selektiven Betrachtung, wie sie im Arbeitsalltag eines Ministeriums zu erwarten ist, präsent bleiben. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 300 Kunst-am-Bau-Werken des Bundes von 1950 bis 2013, BBSR-Online-Publikation Nr. 03/2018, Februar 2018.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002.


Fotoarbeit
93 große und 93 kleinere Fotobilder
ca. 40 x 50 cm bzw. 15 x 21 cm
35.790 €
Kolloquium mit 5 Teilnehmern

Hauptbau (ehem. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda)
Kreuzungspunkte der Flure, vertikale Achse Nord-West
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Thom Barth

Thom Barth (* 1951 in Friedrichshafen; lebt in Tettnang) ist Maler, Grafiker und Installationskünstler. Er studierte an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Frankfurt am Main (1972-74) und an der Akademie der bildenden Künste in Wien (1974-1981). Er war Gastprofessor an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe (1995-96) und an der dortigen Hochschule für Gestaltung (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) (1997). Barth hat seit 1984 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. – Barth arbeitet schwerpunktmäßig mit Bildern, Fotokopien und Druckfolien. Für sein Werk erhielt er 1976-77 den Fügerpreis, Wien, 1979 den Theodor-Körner-Preis, Wien sowie 1992 den Kunstpreis der Stadt Konstanz.

Hauptbau (ehem. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda)

Architektur: Karl Reichle
Bauzeit: 1934-1942

Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Wilhelmstraße 49
10117 Berlin

Der Gebäudekomplex wurde in den 1930er-Jahren für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda errichtet; schwere Beschädigungen während des Zweiten Weltkrieges. Zu DDR-Zeiten als Medienministerium genutzt. Nach einer kurzen Zwischennutzung durch das Umweltbundesamt wurden die Bestandgebäude, zu denen auch das ehem. Hofbeamtenhaus und das sog. Kleisthaus gehören, 1997-2001 durch Kleihues + Kleihues Architekten für das BMAS saniert und um eine zentrale Eingangshalle erweitert.