Carsten Nicolai: Information/Schlüssel 1999

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Carsten Nicolai: Information/Schlüssel, 1999 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Einer der Kunst-am-Bau-Standorte im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Berlin ist der Bibliotheksvorraum im dritten Obergeschoss des Altbaus. Für diesen Standort hatte die 1996 eingesetzte Kunstkommission des Bundes, die für die Baumaßnahmen der Bundesregierung in Berlin ein Kunstkonzept entwickelte, in Absprache mit dem Architekten Josef Paul Kleihues und dem Nutzer empfohlen, nach einem Kolloquiumsverfahren den Chemnitzer Künstler Carsten Nicolai 1999 zu beauftragen.
Carsten Nicolai, der seine künstlerische Karriere mit Leinwandmalerei begann, ist heute international vor allem bekannt für die Verbindung von multimedialer visueller Kunst und elektronischen Klängen. Für den schmalen Bibliotheksvorraum des BMAS schlug er drei große Bildtafeln mit bedruckten und auf Holzfaserplatten kaschierten Papieren vor. Ebenso wie der Titel „Information/Schlüssel“ gibt auch die Strichcodeästhetik die thematische Richtung klar vor.
Die rhythmisierten Bildfelder entwickeln eine minimalistisch ansprechende Ästhetik. Mit sinnfälligem Bezug auf den Standort, den Vorraum der Bibliothek des BMAS, werfen die in fünf Zeilen eng gereihten Balken der Bilder auch Fragen der Information, Kommunikation und Rezeption auf. Sie suggerieren eine unendliche Fülle an verschlüsselten Botschaften. Es ist aber offensichtlich, dass hier eine Ordnung herrscht, die keine dechiffrierbaren Inhalte anbietet. Hinter der Vorspiegelung einer codierten Inhaltlichkeit und Bedeutung steht ein anderer Anspruch. Die Bilder plädieren offenbar für ein ‚höheres‘ ganzheitliches Verständnis von Form und Inhalt, das den logischen Diskursen, wie man sie in den Büchern in der Bibliothek findet, ebenbürtig oder sogar überlegen ist.
Nicolais Tafeln tendieren als prinzipiell mobile Tableaus zur Autonomie. Sie beziehen sich aber nicht nur thematisch speziell auf diesen Raum. Auch formal sind sie ein mitgestaltendes Element. Schon die Anzahl der Bilder steht in Relation zu den drei Türen und den von ihnen freigestellten Wandabschnitten. Die Hängung der Oberkante entspricht der Höhe der Türen, und die Rahmen der Bilder sind auf eine Tiefe von fünf Zentimetern gebracht, die im integralen Sinn der Kunst am Bau mit den breiten Zier- und Rahmenleisten der Türen und des Bodens korrespondiert und eine Ebene bildet. MS

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002.


Graphik
Papier, kaschiert auf MDF
170 x 380 x 5 cm bzw. 170 x 250 x 5 cm
39.216 €
Kolloquium mit 5 Teilnehmern

Hauptbau (ehem. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda)
Bibliotheksvorraum
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Carsten Nicolai

Carsten Nicolai, geboren 1965 in Karl-Marx-Stadt, ist bildender Künstler und Musiker. Er arbeitet im Grenzbereich von Kunst, Musik und Wissenschaft. Noch während seines Studiums der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden hatte Nicolai erste Kunstausstellungen. 1997 war er Teilnehmer der documenta X in Kassel und 2001 der Biennale in Venedig. Es folgten wichtige Einzelausstellungen in Frankfurt (Schirn Kunsthalle, 2005), Berlin (Neue Nationalgalerie, 2005), Zürich und New York. Carsten Nicolai hat zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum realisiert, u. a. eine Tramhaltestelle am Hauptbahnhof Leipzig (2005), eine Glasskulptur vor dem Kunstmuseum Stuttgart (2006), die (temporäre) Fassadengestaltung der Temporären Kunsthalle in Berlin (2010), das „lfo spectrum“ für den Olympischen Park in London (2011) und die interaktive, audio-visuelle Installation „chroma actor“ für das Seibu-Shibuya-Warenhaus in Tokyo (2015). Als Kunst am Bau für den Bund entstand 2015 eine Vorhang-Installation für die Deutsche Schule Madrid. Nicolai erhielt Stipendien der Villa Aurora, Los Angeles/USA (2003) und der Villa Massimo, Rom/Italien (2007) sowie den Kunstpreis der Stadt Zürich (2007), den Giga-Hertz-Preis des ZKM Karlsruhe (2012) und den Großen Preis des 17th Japan Media Arts Festival (2014). Seit 2015 hat er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden die Professur für digitale und zeitbasierte Medien inne. Als Musiker („noto“ und „alva noto“) ist Nicolai ein wichtigster Vertreter der elektronischen Musik.

Hauptbau (ehem. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda)

Architektur: Karl Reichle
Bauzeit: 1934-1942

Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Wilhelmstraße 49
10117 Berlin

Der Gebäudekomplex wurde in den 1930er-Jahren für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda errichtet; schwere Beschädigungen während des Zweiten Weltkrieges. Zu DDR-Zeiten als Medienministerium genutzt, wurden nach einer kurzen Zwischennutzung durch das Umweltbundesamt die Bestandgebäude, zu denen auch das ehem. Hofbeamtenhaus und das sog. Kleisthaus gehören, 1997-2001 durch Kleihues + Kleihues Architekten für das BMAS saniert und um eine zentrale Eingangshalle erweitert.