Eva Leitolf: Bruder Jakob 2009

  • Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Eva Leitolf: Bruder Jakob, 2009 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Der Berliner Dienstsitz des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist ein Ensemble aus hergerichteten Altbauten und Neubauten. Anlässlich der 2008 abgeschlossenen Erweiterung der Liegenschaft kam es zu einem Kunst-am-Bau-Projekt. Eva Leitolf (Jahrgang 1966) entwarf für den Standort, zwei flache Wandnischen im Flur der ins Gebäudeensemble integrierten ehemaligen Ritterschaftsbank, eine große zweiteilige textile Bespannung mit einem Fotodruck, der seinerseits knittrige Stoffe zeigt – und gewann den Wettbewerb.
Die Lesbarkeit der jeweils 418 x 262 Zentimeter großen Bilder im BMAS – es handelt sich um ein ungemachtes Bett – ist absichtsvoll erschwert. Zum einen durch die strenge Aufsicht der Betten; zum andern dadurch, dass sich die Bilder in der Enge des Korridors als große Hochformate steil vor dem Betrachter aufrichten und bis an die Decke reichen. Man erkennt infolgedessen nur einen silbrig glänzenden und reich gefalteten Stoff mit einem eingewebten Blumenrapport.
Die Bilder sind ein sinnenfroher, in kunstgeschichtlichen Reminiszenzen schwelgender ästhetischer Ausbruch. Der Titel der Arbeit, „Bruder Jakob“, aber lenkt die Rezeption noch in eine andere Richtung. Die in dem Kinderlied gestellten Fragen „Schläfst du noch?“ sind natürlich ein Imperativ, an die Arbeit zu gehen. Dabei werden die Mitarbeiter und Besucher des Arbeits-Ministeriums kaum die Ironie der Bilder verkennen, die wie ein hedonistischer Gegenentwurf zu einem durchorganisierten Arbeitsalltag wirken.
Der Reiz und der spezielle Kunst-am-Bau-Vorzug der Werke liegt in ihrer weitgehend „inhaltslosen“ Künstlichkeit. Die Bilder selbst werden zum „Müßiggang“, zu einer Sensation ihrer Umgebung und als solche zu einem erhebenden, dabei auch bewusstseinsschaffenden ästhetischen Appell. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014, S. 70-73


Installation
textile Bespannung mit Fotodruck
jeweils 418 x 262 cm
20.000 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Erweiterung (ehem. Ritterschaftsbank)
Konferenzbereich
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Eva Leitolf

Eva Leitolf, geboren 1966 in Würzburg, ist bildende Künstlerin. Sie studierte Fotografie an der Universität Gesamthochschule Essen und Kunst am California Institute of the Arts. Schon früh erhielt sie für ihre Arbeiten Auszeichnungen und Stipendien, u. a. 1996 den ICP Annual Infinity Award „Young Photographer“ vom International Center of Photography in New York City, 2005 den Förderpreis für Fotografie der Landeshauptstadt München und 2012 das Stipendium für die Villa Massimo in Rom. Arbeiten von ihr sind in zahlreichen deutschen und internationalen Museen und Sammlungen vertreten. Künstlerisch befasst sie sich u. a. mit der fotografischen Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit im heutigen Namibia, fremdenfeindlich motivierter Gewalt und Migrationsthemen. Daraus entstehende Bild-Text-Arbeiten waren u. a. im Sprengel Museum Hannover, im Frankfurter Kunstverein und in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen.

Erweiterung (ehem. Ritterschaftsbank)

Architektur: Kleihues + Kleihues
Bauzeit: 2004-2008

Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Wilhelmstraße 49
10117 Berlin

Das am Wilhelmplatz gelegene Gebäude der Kur- und Neumärkischen Haupt-Ritterschafts-Direction wurde 1890-92 von Hermann Ditmar errichtet. Von 1957 bis 1990 diente das frühere Bankgebäude dann der Regierung der DDR als Gästehaus des Ministerrates, 1999-2001 war darin vorübergehend das Bundesministerium für Gesundheit untergebracht. 2004-08 denkmalgerechte Generalsanierung der ehem. Ritterschaftsbank und Süderweiterung durch Kleihues + Kleihues Architekten für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.