Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft 2001

  • Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Karin Kneffel: Gitter vor Landschaft / Kirschen vor Landschaft, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

Das für Staatsempfänge genutzte repräsentative Treppenhaus des Altbaus führt zur Beletage im zweiten Obergeschoss mit dem Großen Saal und dem Ministerzimmer. An seinen Seitenwänden hängen zwei Gemälde von Karin Kneffel einander gegenüber. Gemalt in einem versachlichten Realismus zeigen sie Flusslandschaften, für die es am Niederrhein ein reales Vorbild gibt.
Spektakulär sind weniger die Landschaften als vielmehr die Motive des verschnörkelten Gitters beziehungsweise der Kirschen im Vordergrund der Gemälde. Deren Zusammenhang mit der Landschaft ist alles andere als plausibel. Die Kirschen dringen aus dem Nichts von oben in den Bildraum ein. Auch das Gitter lässt keine Verbindung mit der Landschaft erkennen. Die Titel der Gemälde betonen diesen mutwilligen Gegensatz. Sie lauten nicht etwa „Gitter in Landschaft“ oder „Landschaft mit Kirschen“, sondern „Gitter vor Landschaft“ und „Kirschen vor Landschaft“.
Der unvermittelte Montagecharakter von Vorder- und Hintergrund spielt im Bildkonzept eine wichtige strategische Rolle. Beide, das Gitter als Kulturprodukt und die Kirschen als Naturprodukt, dienen im Bild gleichermaßen als Ornament, das gefällt, aber befremdet. Als Repoussoir rücken sie die Landschaft in eine mysteriöse Ferne, die Fragen grundsätzlicher Art aufwirft. Soll die willkürliche Kombination der Bildebenen die „Landschaft“ als Problemkind der zeitgenössischen Malerei in ein neues Fahrwasser bringen? Soll sie dem unter Idylle-Verdikt stehenden Genre ein konzeptuelles Weiterleben ermöglichen? Stellt Karin Kneffel im Endeffekt also die Malerei in Frage, um so doch an ihr festzuhalten zu können – ähnlich wie es ihr Lehrer, Gerhard Richter, getan hat und tut? Oder wollen die Bilder eine zwischen äußeren und inneren Wirklichkeiten allzu strikt, leichtfertig und phantasielos gezogene Grenze aufheben? Die Gemälde bewahren sich ihre Geheimnisse hinter einer reflektierten und kraftvollen Malerei, die kecke Akzente setzt. Die prallen roten Kirschen und die geschwungenen Voluten und heraldischen Lilien des Gitters bilden einen schönen Kontrast zum hoheitsvollen Ambiente des Treppenhauses und insbesondere zum massiven Geländer aus Vierkantstäben und Kreisformen. Das gemalte Gitter, das die innerbildliche Verortung verweigert, ist darüber hinaus exakt auf die Treppenhausnische abgestimmt und baut so in altmeisterlichem Illusionismus eine durchaus charmante und hintersinnige Brücke zur Architektur. MS

Weiterführende Literatur:
Martin Seidel (Autor), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Kunst am Bau im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Berlin o. J. (2016).
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002.


Tafelbild / Gemälde
Öl auf Leinwand
jeweils 3-tlg.
54.708 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Altbau (ehem. Geheimes Zivilkabinett)
Wandfeld im Treppenaufgang
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Karin Kneffel

Karin Kneffel, geboren 1957 in Marl, ist Malerin. Nach dem Studium der Germanistik und Philosophie in Münster und Duisburg studierte sie von 1981 bis 1987 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschülerin bei Gerhard Richter. Nach verschiedenen Lehraufträgen und internationalen Gastprofessuren wurde sie 2008 Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die realistische Malweise hat die Künstlerin international bekannt gemacht. Kunst am Bau realisierte sie unter anderem 2001 für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin.

Altbau (ehem. Geheimes Zivilkabinett)

Architektur: Carl Vohl
Bauzeit: 1900

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Wilhelmstraße 54
10117 Berlin

1900 vom kgl. Bauinspektor Carl Vohl als Geheimes Civilcabinet errichtet, 1920 Sitz des Preußischen Ministerpräsidenten, ab 1933 von NSDAP genutzt. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, 1954 DDR-Studentenwohnheim, ab 1970 Staatsverlag der DDR. 1997-2000 Herrichtung und Modernisierung des Gebäudes für das Landwirtschaftsministerium durch die Berliner Architektin Elisabeth Rüthnick.