Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit) 2011

  • Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Katharina Hinsberg: Perceiden (Diskrete Stetigkeit), 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

Der Erweiterungsneubau des BMELV wurde 2009 nach Plänen des Berliner Architekturbüros Anderhalten fertig gestellt. Für die Kunst im Innern des Neubaus hatte man als Standort die Flurwände der Obergeschosse ausgewählt sowie die Wand des Flurs im Erdgeschoss. Für letztere hat die Künstlerin Katharina Hinsberg eine sehr reduzierte Arbeit geschaffen. Die Professorin für „konzeptuelle Malerei“ an der Hochschule der Künste Saar hat die Flurwand und eine Wandfläche im Übergangsbereich zur Cafeteria mit unzähligen Bohrlöchern versehen, die meist vertikal orientierte, eher krakelig tastende als geschmeidige Punktlinien bilden. Der Verlauf, die Stärke und Helligkeit der Punkte und Linien verleihen der Wand eine höchst abwechslungsreiche Struktur.
Die scheinbar spontane Bohrung in den Putz basiert auf konzeptuellen Vorarbeiten. Dabei hatte die Künstlerin Papierbahnen flächendeckend an die Wände geheftet und darauf nach Maßgabe der wechselnden Perspektiven und Sichtachsen mit Grafitstiften ihre linearen Setzungen vorgenommen. Die darauf erfolgte Bohrung ist im Grunde eine dynamische Zeichnung, bei der das Werkzeug kein Zeichenstift, sondern die Bohrmaschine, und der Bildträger nicht Papier, sondern der Putz ist. Für eine statische „Kunstbetrachtung“ bietet der schmale Erdgeschossflur keine Gelegenheit. Die Linien und Löcher formieren sich jeden Augenblick aufs Neue zu einer höchst lebendigen, sinnlichen Struktur.
Der Standort der Kunst, das Ministerium in seiner Zuständigkeit für Ernährung und Landwirtschaft, fördert gegenständliche Assoziationen: Kondensstreifen, schlingernde Algen, windbewegtes Hochgewächs, Spuren von Holzwürmern, Zugvögel am Himmel – solche und andere Gedanken sind möglich, aber nie zwingend. Die Arbeit mit dem auf ihre Wahrnehmung und stille Präsenz bezogenen Titel „Diskrete Stetigkeit“ ist frei von Themen, die außerhalb der Kunst und ihrer sinnlichen und intellektuellen Wahrnehmung liegen.
Katharina Hinsberg verbindet poetische Bildkunst und Baukunst zu einer idealen Kunst-am-Bau-Symbiose. So erstreckt sich die „Wandzeichnung“ im BMELV einerseits zweidimensional in die Fläche. Andererseits schreibt sie sich invasiv dem architektonischen Leib ein und versetzt die Architektur in Schwingung, ohne die raumbildenden Strukturen anzutasten. MS

Weiterführende Literatur:
Martin Seidel (Autor), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Kunst am Bau im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Berlin o. J. (2016).
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014.


Wandarbeit
Bohrlöcher in Putz
Wandlänge 19 m, Bohrlöcher: Ø 1,3 - 5 mm, Tiefe 2 mm und 10 mm
45.000 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 14 Teilnehmern

Neubau Französische Straße
Atrium EG und Übergang Flur zur Cafeteria
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Katharina Hinsberg

Katharina Hinsberg, geboren 1967 in Karlsruhe, ist eine deutsche Künstlerin. 1989-90 Studium der Bildenden Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München, von 1990-93 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1993-95 an der École des Beaux-Arts Bordeaux. 2003-2009 Professur für Zeichnen an der Hochschule für Künste Bremen, seit 2011 Professur für Konzeptuelle Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Sie ist Initiatorin des Künstlerprogramms „Hombroich: Summer Fellows“ auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss, wo Hinsberg auch lebt und arbeitet. Sie realisierte Kunst-am-Bau-Projekte für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin (2010)  und für die Universität des Saarlandes in Saarbrücken (2011).

Neubau Französische Straße

Architektur: Anderhalten Architekten
Bauzeit: 2006-2010

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Wilhelmstraße 54
10117 Berlin

2003 Wettbewerb zwischen 20 im Rahmen eines dem Verhandlungsverfahren vorgeschalteten Bewerberverfahrens ausgewählten Architekten. 2006-2010 Sanierung der ehem. Deutschen Hochschule für Musik "Hanns Eisler" und der ehem. General-Lotterie-Direktion sowie Errichtung eines Neubaus an der Französischen Straße für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft durch Anderhalten Architekten.