Martin Mayer: Filia Rheni 1988

  • Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Martin Mayer: Filia Rheni, 1988 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Martin Mayers Bronzeskulptur „Filia Rheni“ ist eine typische Gartenplastik. Nur leicht mit dem Rücken auf einem gepflasterten Hügel in der gärtnerisch gestalteten Landschaft lagernd, nimmt sie als Blickpunkt der Grünanlage einen zentralen Bezugspunkt ein. Als Kunst am Bau beansprucht die Rheintochter einen autonomen Status. Weder nimmt sie – wie die installative Skulptur Ansgar Nierhoffs – ein Spiel mit der Architektur auf, noch beruft sie sich auf eine Motivwelt, die mit dem ehemaligen Bundespostministerium zu tun hat. Dass sie in der Nähe des Rheinauenparks gelegen ist, spiegelt sich im Titel der Arbeit. Als Körper im Raum spielt die überlebensgroße Figur mit Grundfragen figurativer Plastik wie der Schwerkraft. Diese Rheintochter erscheint in einem Wechselgefüge zwischen Körperspannung und Leichtigkeit, zwischen erzählter Badeszene, wie die zweite Version des gleichen Sujets, die Mayer 1994 als wasserumspülte Brunnenskulptur in Speyer angesiedelt hat, und als Auseinandersetzung mit der Tektonik des Körpers, wie sie ein anderer Guss dieser Figur seit 2003 als Bestandteil der Heinrich-Vetter-Stiftung in Ilvesheim auf dem Rasen verhandelt.
Die Kunst steht in der Tradition figürlicher Bronzeplastik, die sich mit Namen wie Aristide Maillol oder Gerhard Lichtenfels verbindet. Die leichten Abweichungen vom natürlichen Vorbild, die differenzierte Behandlung der Oberflächen und vor allem die Frage nach einer eher blockhaften oder geöffneten Figur spielen hier eine entscheidende Rolle. Neben der Tierplastik oder Porträtbüsten hat sich Mayer – auch darin den genannten Positionen vergleichbar – vor allem mit der weiblichen Figur beschäftigt. Dabei geht es ihm weniger um die porträthafte, individuelle Darstellung als um generelle Fragen. Zustände des Gemüts finden in den Bronzen körperhafte Form, aber auch allegorische Deutungen wie in seiner triumphierenden Olympia auf dem Münchner Olympiagelände oder der Palatina Bacchabunda in Landau.
Mayers Frauenfiguren spiegeln in keiner Weise gesellschaftliche Emanzipationsbestrebungen wieder, sondern setzen auf ein sehr traditionelles und ausgesprochen objekthaftes Frauenbild. Seine allegorischen Figuren, die Sportlerinnen oder literarischen Figuren sind sich ihres Körpers bewusst, ohne ihn zu einem gesellschaftlichen Thema zu machen. Da sie Elemente einer allgemeineren Allegorik sind oder zumindest an diese appellieren, benötigen diese Figuren auch keinen expliziten Bezug zum Ort, sondern entwickeln ihn eher aus diesem allgemeinen Anspruch. M.S./J.S.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Gabriele Zabel-Zottmann (Autorin): Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum der Bundeshauptstadt Bonn. Aufgestellt von 1970 bis 1991. Mit Betrachtung einer Auswahl vorher sowie anschließend aufgestellter Werke. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, 2012 (http://hss.ulb.uni-bonn.de/2012/3025/3025.htm, aufgerufen am 23.11.2016).


Freiplastik / Skulptur
Bronze
115 × 335 × 92 cm
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 10 Teilnehmern

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Garten Gebäuderückseite
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Martin Mayer

Martin Mayer, geboren 1931 Berlin, ist ein deutscher Bildhauer und Grafiker. Von 1949 bis 1954 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München. Er schuf zahlreiche in der Regel figurative Bronzeplastiken für den öffentlichen Raum.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Architektur: Heinle, Wischer und Partner Architekten
Bauzeit: 1983-87

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
Nordrhein-Westfalen

1978 bundesweiter Ideenwettbewerb für den Neubau von Bundesverkehrsministerium und Bundespostministerium, 1980 Realisierungswettbewerb für das Bundespostministerium, 1987 Fertigstellung. Seit Auflösung des Bundespostministeriums 1997 wird das Gebäude vom Bundesumweltministerium genutzt.