Leo Kornbrust : o. T. (Kugel) 1989

  • Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

  • Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BN_BMUB_Kornbrust Kugel (2011)

    Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BN_BMUB_Kornbrust Kugel (2011)

  • Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

    Leo Kornbrust: o. T. (Kugel), 1989 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Werner Huthmacher (2011)

Im Rahmen der Neuerrichtung des Post- und des Verkehrsministeriums in Bonn wurde in den 1980er-Jahren ein zentraler Platz angelegt, der die Eingangssituation für beide Ministerien bilden sollte: der Robert-Schuman-Platz. Ein beschränkter Wettbewerb mit acht Teilnehmern wurde 1983 zu dessen Gestaltung ausgelobt und zugunsten des Vorschlags von Leo Kornbrust und Alf Lechner entschieden. Sie konnten sich mit ihrem Entwurf durchsetzen, der die große, zu einer Seite offene Freifläche durch eine Vielzahl von Eingriffen als „Bodenbild“ (Lechner/Kornbrust) – und damit wahrnehmbar als Platz – gestaltet. Die Fläche ist zu drei Seiten durch die beiden Ministerien definiert, an der vierten Seite trifft die Kurt-Georg-Kiesinger-Allee im 45-Grad-Winkel auf sie. Kornbrust und Lechner strukturieren den Platz durch ein diagonal zu den Ministerien verlaufendes Raster aus je 18 mal 18 Platten aus Basaltlava. Diese Felder sind durch eine dunklere Kleinsteinpflasterung voneinander abgesetzt. Zur Straße hin wird der Platz durch einen bogenförmig verlaufenden Streifen aus rötlichem Stein akzentuiert, der seitlich jeweils zwei Rampen aufweist, die die Höhendifferenz von zwei Metern zwischen Straßenniveau und Eingängen der Ministerien ausgleichen. Eine Zufahrtsrampe zur Tiefgarage schneidet in das Bogensegment ein und verbindet so optisch die beiden Platzteile. Weitere Gestaltungselemente sind zwei Zugänge zur Tiefgarage, vier Bäume, Sitzbänke und eine im unregelmäßigen Zickzack verlaufende Reihe aus Steinpollern, die den übrigen Platz vom Zufahrtsbereich zu den Ministerien trennen, der durch die Rampen vorgegeben ist. Außerdem wird der Platzraum wirkungsvoll durch zwei künstlerische Objekte akzentuiert: einen Stahlring von Alf Lechner und die Granitkugel von Leo Kornbrust.
Leo Kornbrust hat zahlreiche Werke im Auftrag der öffentlichen Hand oder auch privater Unternehmen geschaffen. Markenzeichen des Künstlers sind konkrete Formen vorzugsweise aus Basaltlava oder Granit. Die für Bonn realisierte Kugel aus rötlichem Granit misst zwei Meter im Durchmesser, was genau dem Höhenversprung des Platzes entspricht. Seine Farbigkeit kontrastiert mit den dunkelgrünen Aluminiumelementen der Eingangsfassade des heute vom Bundesumweltministerium genutzten Bauwerks. Die Kugel ist von einer derart genauen Rundung und Oberfläche, dass ihre exakte Bearbeitung durch den Künstler im Kontrast zur natürlichen Herkunft des Materials steht. Damit thematisiert die Arbeit anschaulich ihre eigene Entstehungsgeschichte vom Stein zum Kunstwerk. Gleichzeitig bildet sie mit dem aufgebrochenen Stahlring von Alf Lechner auf der anderen Seite des Platzes ein polares Paar: Dichte des Steins – Auflösung des Stahlrings, Stein und Stahl als die wesentlichen Materialien der Bildhauerei im 20. Jahrhundert, Volumen – Fläche etc. Einzig die Grundform des Kreises ist beiden gemeinsam. Die beiden Kunstwerke geben dem Platz mit seinem komplexen Grundriss einen räumlichen Halt und tragen so wesentlich zu seiner Qualität bei. AS/CvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.
Gabriele Zabel-Zottmann (Autorin): Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum der Bundeshauptstadt Bonn. Aufgestellt von 1970 bis 1991. Mit Betrachtung einer Auswahl vorher sowie anschließend aufgestellter Werke. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, 2012.
Claudia Büttner (Autorin), BMVBS (Hrsg.): Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, BMVBS-Online-Publikation, Berlin 2011.

Weiterführende Literatur:
Hans Weingartz: Skulptur in Bonn. Kunstwerke im öffentlichen Raum 1950 bis heute, Bonn 2007.
Johannes Möhrle: Postbauten, hrsg. von Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, Stuttgart und Zürich 1989.


Freiplastik / Skulptur
roter Granit
Ø 220 cm
168.726 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 8 Teilnehmern

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Robert-Schuman-Platz
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Leo Kornbrust

Leo Kornbrust (1929 St. Wendel) machte 1943-46 eine Schreinerlehre in St. Wendel und schloss eine Holzbildhauerlehre in Morbach, Hunsrück an. 1951-57 studierte er in der Bildhauerklasse von Toni Stadler an der Akademie der Bildenden Künste in München und war dort von 1978 bis Ende der neunziger Jahre Professor. 1967-70 lernte er als Teilnehmer an Symposien Europäischer Bildhauer im französischen St. Margarethen die Idee der Skulpturenstraßen kennen, die er später auch in Deutschland verwirklichte. Als Hauptorganisator des Internationalen Steinbildhauersymposions St. Wendel im Jahr 1971 leitete er die Konzeption der späteren „Straße der Skulpturen“ im Saarland ein. Diese wiederum ist inzwischen in die „Straße des Friedens“ eingebunden, einer europäischen Skulpturenstraße von Paris bis Moskau. Verstärkt wurden die Anstrengungen Kornbrusts durch eine Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Paul Schneider. Zu seinen Auftragswerken gehören der „Liebesthron“ 1979 an der „Straße der Skulpturen“ in St. Wendel; das „Hohe Siebeneck“ 1995 für die Union Krankenversicherung in Saarbrücken und ein „Polygonaler Körper“ im Klagenfurter Europapark in Kärnten / Österreich. Im Auftrags des Bundes schuf er Platzgestaltungen für das Postamt St. Wendel 1974 und die Oberfinanzdirektion Saarbrücken 1978.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Architektur: Heinle, Wischer und Partner Architekten
Bauzeit: 1983-1987

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
Nordrhein-Westfalen

1978 bundesweiter Ideenwettbewerb für den Neubau von Bundesverkehrsministerium und Bundespostministerium, 1980 Realisierungswettbewerb für das Bundespostministerium, 1987 Fertigstellung. Seit Auflösung des Bundespostministeriums 1997 wird das Gebäude vom Bundesumweltministerium genutzt.