Formalhaut und Andreas Sobeck : o. T. (Tribüne) 1993

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: Bundeswehr / Andreas Noll (1999)

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: Bundeswehr / Andreas Noll (1999)

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel

  • Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

    Formalhaut und Andreas Sobeck: o. T. (Tribüne), 1993 / © Formalhaut und Andreas Sobeck; Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

Die Tribüne am Paradeplatz des Verteidigungsministeriums in Bonn besteht aus einem vierstufigen Tribünenpodium aus Aluminiumriffelblech und einer auf der zweiten Stufe ansetzenden verzinkten Dachkonstruktion mit Sinusprofilplatten aus Acrylglas. Das Dach ruht auf acht astartig aufgefächerten Pfeilern, die jeweils ein 25-teiliges quadratisches Element tragen, das mit pinselbreiten blauen und grünen Strichen bemalt ist. Damit bezieht sich die Tribüne unverkennbar auf die dahinterstehende Baumreihe.
Das Preisgericht hatte angeregt, für die Tribüne zwei Wettbewerbsentwürfe miteinander zu verbinden: die Baumträgeridee von Andreas Sobeck, einem interdisziplinär architektur- und landschaftsbezogen arbeitenden Künstler, und die Idee der blätterartigen Dachbemalung, die Ottmar Hörl, Gabriela Seifert und Götz Stöckmann als Künstler-/Architektengruppe Formalhaut entwickelt hatten.
Neben den konstruktiv und funktionalistisch geprägten Trägerelementen wirken die Pinselstriche betont künstlerisch, fast expressiv. Doch ist der individuelle Ausdruck zugunsten einer rapportartigen Textur und kompositionslosen Schraffur zurückgenommen. Auch wenn die Künstler in ihrer Erläuterung der Arbeit an der Natursymbolik als thematischem Ansatz festhalten, hat die Gestaltung der Tribüne auch etwas Subversives. Angesichts der blauen und grünen Farbstreifen stellen sich farbliche Assoziationen an das „Bundeswehr-Grün“ oder das „NATO-Grün“ ebenso unausweichlich ein wie Gedanken an militärische Tarnmuster. Darüber hinaus konterkarieren die in alle Richtungen tänzelnden Pinselstriche hoheitliches Pathos und militärischen Ordnungssinn, Drill und Strammstehen.
Die von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragene damalige Skepsis gegenüber der Institution Bundeswehr hatte Künstler wie Günther Uecker oder Olaf Metzel davon abgehalten, am Kunst-am-Bau-Wettbewerb für das Verteidigungsministerium teilzunehmen. Von daher stellt sich die Frage, ob sich die Bauherrenseite der sich selbst hinterfragenden Ironie bewusst war, die die Künstler der Tribüne offensichtlich ins Spiel brachten. Angesichts der hohen künstlerischen Gestaltungsstandards und Reflektionsniveaus bei den Neubauten der Hardthöhe ist das durchaus denkbar und wahrscheinlich. MS/JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Synthèse des Arts. Die Verbindung von Kunst und Architektur bei den Regierungsbauten auf der Hardthöhe in Bonn, hrsg. v. Johannes Peter Hölzinger, Stuttgart/London 1998.


künstlerische Baumaßnahme
Aluminiumriffelblech, verzinkter Stahl, Acrylglas, Kunstharzlack
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 38 Teilnehmern

Ministerflügel
Paradeplatz
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

In dem Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Tribüne am Paradeplatz des Verteidigungsministeriums in Bonn hatte das Preisgericht angeregt, zwei Wettbewerbsentwürfe miteinander zu verbinden: die Baumträgeridee von Andreas Sobeck, einem interdisziplinär architektur- und landschaftsbezogen arbeitenden Künstler, und die Idee der blätterartigen Dachbemalung, die die Künstler-/Architektengruppe Formalhaut entwickelt hatte.
Andreas Sobeck, geboren 1942 in Breslau, studierte Bildhauerei und Kunstpädagogik sowie Politische Wissenschaften in München und Rom. Die Mitglieder der 1985 gegründeten Gruppe Formalhaut, die Architekten Gabriela Seifert und Götz Stöckmann und der Künstler Ottmar Hörl, beschäftigten sich mit den übergreifenden Aspekten von Architektur und Skulptur. Sie entwickelten neben ihrer individuellen Arbeit gemeinsame Projekte wie etwa das aufsehenerregende „Kuhprojekt“ in Vogelsberg/Hessen (1985/86) oder plastische Dachaufbauten für das Behördenzentrum Frankfurt a. Main (1993). Es entstanden Architekturprojekte, skulpturale Arbeiten sowie Projekte, in denen beide Gattungen zusammentrafen, sowohl dauerhaft als auch in temporären Installationen. Die Gruppe Formalhaut prägte mit ihren Entwürfen Landschaften und öffentliche Räume und erhielt 1994 den von der Akademie der Künste Berlin verliehenen Förderpreis für Baukunst.

Ministerflügel

Architektur: Johannes Peter Hölzinger mit Architekturbüro Mronz, Köln
Bauzeit: 1987-97

Bundesministerium der Verteidigung
Fontainengraben 150
53123 Bonn
Nordrhein-Westfalen

1983-87 wurde der weitläufige Zentralbereich errichtet und 1986 ein Architektenwettbewerb für die Sonderbauten Ministergebäude, Konferenzzentrum, Führungszentrum und Kasino Süd ausgelobt. Aufgrund der deutschen Einheit wurde 1990 auf das Konferenz- und Führungszentrum verzichtet und neu geplant; 1997 konnten Kasino Süd und Ministerflügel bezogen werden.