Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen) 1989

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: Bundeswehr / Anna Nierhaus (2000)

  • Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Johannes Peter Hölzinger: Visuelles Leitsystem (Winkel, Welle, Halbschale, Spirale und deren Kombinationen), 1989 / Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

1960 verlegte das Bundesverteidigungsministerium seinen Standort auf die Bonner Hardthöhe, so dass das Areal der Tausend-Mann-Kaserne zunächst 1962-64 um die sogenannten 200er Häuser mit einem 10-geschossigen Hochhaus, einem Kasino, einer Bibliothek und einem Wachgebäude erweitert wurde. 1971 folgte der Ausbau des Truppenbereiches für das Stabs- und Versorgungsbataillon. Zwischen 1979 und 1987 entstand nach Plänen der Planungsgruppe Groth Lehmann Walter ein weitläufiger Neubaukomplex mit einer Fläche von 50.000 Quadratmetern. Der Komplex besteht aus drei- bis siebengeschossigen aufgeständerten Bürobauten auf kreuzförmigem Grundriss, die rektangulär verriegelt sind und drei große Innenhöfe ausbilden.
Für diese im sogenannten „Zentralbereich“ gelegenen Bauten und Höfe entwickelte der Architekt Johannes Peter Hölzinger, der an der Nürnberger Kunstakademie auch Professor für „Kunst und öffentlichen Raum“ war, ein visuelles Leitsystem, um mit künstlerischen Mitteln die Bauten und Höfe zu gestalten und zugleich ein Leitsystem zu schaffen, das die Orientierung erleichtert.
Das Leitsystem holt weit aus. Mit Farben aus den Spektren Blau-Grün-Gelb und Gelb-Rot-Violett sowie Winkel-, Wellen-, Halbschalen- und Spiralformen ordnet er jedem Gebäudeteil im Außen- wie Innenbereich eine eigene Form und Farbe zu. An den Fassadenlamellen finden sich die Informationsfarben wieder. Hölzinger arbeitet in strenger, formallogischer Progression mit dem Prinzip der Verschränkung. Vor den in den Höfen diagonal gegenüberliegenden Eingängen stehen entsprechend farbige, skulpturale Torpavillons, die ihre Formen in Korrespondenz zu den Pavillons der anderen Höfe variieren. Die teils aufgesetzten, teils abgesenkten, begehbaren und begrünten Hofreliefs führen die jeweiligen Motive der diagonal entgegengesetzten Eingangsbereiche synthetisierend zu Wellen-Winkel-Skulpturen zusammen.
Die Windfänge der Eingänge in den Gebäudeecken greifen die jeweiligen Farben und Winkel-, Wellen- und Spiralformen in Linienmustern auf und leiten zu den dazu passend geformten und farbigen Bodeneinbauten und Deckenreliefs der Foyers über, während die Gestaltungen der Flurdecken zwischen den Mustern der einzelnen Bereiche fließende Übergänge schaffen.
Die Formen und Farben sowie deren Kombination und Bezugsetzung dienen in der Unübersichtlichkeit der gewaltigen Baumassen, der Vielzahl und Ähnlichkeit der Höfe, Hallen, Flure und Büros selbstverständlich der Orientierung der Besucher. Für die an die Wege gewohnten und mit den Örtlichkeiten vertrauten Nutzer aber setzt das System auf den ansonsten gleichförmig organisierten Fassaden ästhetische Akzente und übernimmt so auch integrale funktionale und freie künstlerische Aufgaben. Damit verleiht Hölzingers Informationssystem dem Verteidigungsministerium ein ganz eigenes gestalterisches Gepräge – jenseits von einschlägiger Symbolik und offizieller Emblematik.
Das „visuelle Leitsystem“ ist Teil eines ganzheitlichen künstlerischen und architektonischen Gestaltungskonzeptes für die Neubauten für das Verteidigungsministerium auf der Hardthöhe, das wesentlich von Johannes Peter Hölzinger geprägt wurde: Denn er war nicht nur für den als „Synthèse des Arts“ auf Integration von Kunst und Architektur ausgelegten Masterplan für die Kunst am Bau verantwortlich, sondern auch für den nachfolgenden Wettbewerb, aus dem die von Ansgar Nierhoff, Norbert Müller-Everling, Leonardo Mosso, Eberhard Fiebig sowie Ottmar Hörl mit der Gruppe Formalhaut und Andreas Sobeck realisierten Arbeiten hervorhingen. Darüber hinaus plante er die Architektur für das Kasino Süd und den an den Zentralbereich angefügten Ministerflügel, für den er auch die Deckenskulptur „Rotation“ und einen drehbaren Zuluftzylinder gestaltete, der die Farbsystematik des visuellen Leitsystems aufnimmt. MS/JS/UC

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Synthèse des Arts. Die Verbindung von Kunst und Architektur bei den Regierungsbauten auf der Hardthöhe in Bonn, hrsg. v. Johannes Peter Hölzinger, Stuttgart/London 1998.


mehrteilige Außen-Innen-Arbeit
Fassadenelemente und Torpavillons aus farbig gefasstem Stahl (Kern 650 Winkelvariante gelb / grün, Kern 640 Winkel grün, Kern 630 Welle / Winkel blau / grün, Kern 620 Welle blau, Kern 550, Spiralvariante violett, Kern 540 Spirale rot, Kern 530 Halbschale / Spirale gelb / rot, Kern 520, Halbschale gelb); Bodeneinbauten im Inneren und Deckenreliefs aus Gipskarton; Hofreliefs/Erdskulpturen aus Beton und Bepflanzung; Zuluftzylinder blau
1.318.171 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 4 Teilnehmern

Zentralbereich
Bauwerke und Höfe der 500er und 600er Häuser
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Johannes Peter Hölzinger, geboren 1936 in Bad Nauheim, ist ein deutscher Architekt, Bildhauer und Künstler. Er studierte an der Städelschule in Frankfurt a. Main Architektur. An der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg hatte er von 1991 bis 2002 eine Professur im Bereich „dreidimensionales Gestalten“ und „Kunst und öffentlicher Raum“ inne. Zu seinen unter anderem in der „Planungsgemeinschaft für neue Formen der Umwelt“ mit dem Künstler Hermann Goepfert (1926-1982) entstandenen Werken gehören: Gestaltung des Karlsruher Schlossparks anlässlich der Bundesgartenschau (1967); „Licht-Wasser-Objekt“, ZDF-Sendezentrum in Mainz (1973); „Löffelwald“ in der Bonner Rheinaue (1979). Hölzinger erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hugo-Häring-Preis (1970) sowie mehrere Auszeichnungen „Vorbildliche Bauten in Hessen“ (1965, 1978, 1985).

Zentralbereich

Architektur: Planungsgruppe Architekten Groth Lehmann Walter
Bauzeit: 1983-87

Bundesministerium der Verteidigung
Fontainengraben 150
53123 Bonn
Nordrhein-Westfalen

1960 Umzug des BMVg auf die Bonner Hardthöhe, 1972 Erarbeitung eines städtebaulichen und landschaftlichen Rahmenkonzeptes als Grundlage für einen Architektenwettbewerb, 1973 Durchführung eines Ideenwettbewerbs für den Gesamtbereich des BMVg, 1983-87 Neubau des 8 Gebäudekerne umfassenden Zentralbereichs (500er und 600er Häuser), 1984 Gestaltungswettbewerb für ein visuelles Leitsystem.