Fritz Kühn : Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens 1964

  • Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

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    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

  • Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch

    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch

  • Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

    Fritz Kühn: Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens, 1964 / © Fritz Kühn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2016)

Fritz Kühn (1910-1967) war Kunstschmied und Metallbildhauer und einer der wenigen bildenden Künstler seiner Zeit, die in beiden deutschen Staaten hoch angesehen waren und von beiden Regierungen wichtige Aufträge erhielten. Auch an der Ausstattung des 1962-1964 vom Architektenkollektiv um Roland Korn und Hans-Erich Bogatzky entworfenen und heute von der European School of Management and Technology genutzten Staatsratsgebäudes war Kühn maßgeblich beteiligt. Neben Türen zum Diplomatensaal und Treppengeländern gestaltete er für den vertäfelten Sitzungssaal des Staatsrates als schallabsorbierende „Akustikwand“ ein unter dem Titel „Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens“ bekanntes großes Metallbild.
Die sechs Meter hohe und sieben Meter breite Wand ist aus 42 quadratischen Aluminiumplatten zusammengesetzt. Ätzungen, Farbaufträge, Reliefierungen und über zweihunderttausend gebohrte Akustiklöcher, die den Schallpegel und den Nachhall reduzieren, bilden eine lebhafte Oberfläche. Die Bildmotive zeichnen sich in einer gedrängten symmetrischen Komposition auf der unregelmäßig durchbrochenen Gitterstruktur klar ab. Zwei monumental freigestellte Ähren, die schon bildlich als Stützen des DDR-Staates charakterisiert sind, symbolisieren die Landwirtschaft, die Retorte, Schornsteine und Meiler stehen für die Industrie und die Taube für die Friedensabsichten der DDR.
Die politische Ausrichtung des Bildprogramms ist nicht ungewöhnlich. Denn vor dieser Wand nahm der Staatsratsvorsitzende Platz, so dass die Bildwand im Fokus der Staatsratsmitglieder und der Medienbilder stand, die von diesen Sitzungen ins Land und um die Welt gingen. Ungewöhnlich war, dass Fritz Kühn den Auftrag erhielt, obwohl er eigentlich nur für abstrakte Gestaltungen bekannt war. Tatsächlich wandte man sich an ihn, da er wie kein anderer die künstlerischen Techniken beherrschte, die man für das geplante Werk für geeignet hielt. Nachdem der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht sich allerdings kritisch zu Fritz Kühns Entwurf geäußert hatte, achtete der für den Auftrag zuständige Verband Bildender Künstler der DDR sehr darauf, dass bei der Weiterentwicklung die „bildkünstlerischen Elemente die Metallwand beherrsch(t)en“ und die gegenstandslose Akustikperforation demgegenüber zurücktrat. Insbesondere bestand man – offenkundig in Hinblick auf das 1958 verabschiedete Chemieprogramm der DDR – auch darauf, dass die (in der Retorte symbolisierte) chemische Industrie bildlich gewürdigt würde.
Das Motiv der Taube soll Fritz Kühn eigeninitiativ unter dem Eindruck der Rede von Martin Luther King und der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages (1963), der die deutsch-französische Freundschaft besiegelte, aufgegriffen haben. Pablo Picasso hatte 1949 mit der berühmten Lithographie der Friedenstaube für den Pariser Weltfriedenskongress dafür einen Prototyp entworfen, der schnelle Verbreitung fand. Besonders in der DDR war die Taube ein in allen Bereichen der freien und angewandten Künste prominent und zentral aufgegriffenes Symbol. MS


Installation
Aluminiumplatten mit Ätzungen, Reliefierungen, Bohrungen, Farbaufträgen
600 x 700 cm
15.850 €
Direktvergabe

European School of Management and Technology
ehem. Sitzungssaal des Staatsrates im 1. OG
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Fritz Kühn

Fritz Kühn (1910 Berlin - 1967 Berlin) war Kunstschmied und Metallbildhauer. Als Werkzeugmacher und Kunstschmied ausgebildet, folgte er dem Vorbild seines Vaters und eröffnete 1937 eine Kunstschmiede. 1964 wurde er Professor an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und rief für diese das Institut für Metallgestaltung ins Leben. Kühn, der in beiden deutschen Staaten tätig war, arbeitete mit den Architekten Hans Schwippert, Egon Eiermann und Sep Ruf zusammen sowie mit den Bildhauern Bernhard Heiliger, Hugo Kükelhaus und Dieter Oesterlen. Er schuf zahlreiche baubezogene Arbeiten an Gebäuden und Gedenkorten in der DDR, so unter anderem Wand- und Portalgestaltungen am Zeughaus (1964), an der Polnischen Botschaft (1964), für die Berliner Stadtbibliothek (1965) und die Komische Oper Berlin (1966). Zu den zahlreichen Arbeiten in der BRD und Westeuropa gehören die Gittermetallskulptur für die Weltausstellung in Brüssel (1958), die Stahlwand der „Aktion Sühnezeichen“ (1962) in der Kathedrale von Coventry/Großbritannien oder die Plastik „Dornenkrone“ für den Soldatenfriedhof am Futapass in Italien (1964). Kunst-am-Bau-Werke finden sich unter anderem am Landtag in Niedersachsen (1962).

European School of Management and Technology

Architektur: Architektenkollektiv Roland Korn und Hans-Erich Bogatzky
Bauzeit: 1962-64

European School of Management and Technology
Schlossplatz 1
10178 Berlin

Das Staatsratsgebäude wurde 1962-64 als erstes Repräsentationsgebäude der DDR nach dem Mauerbau errichtet. Nach der Wende diente es seit 1996 als Sitz des Umzugsbeauftragten der Bundesregierung, von 1999 bis 2001 als provisorischer Sitz der Bundesregierung. 2004 übernahm die ESMT das Gebäude. Nach einer umfassenden Modernisierung durch das Büro HG Merz wurde die ESMT im Januar 2006 eröffnet.