Henry Moore : Large Two Forms 1979

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Martin Seidel (2013)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (1996)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (1996)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / HG Esch (2006)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / HG Esch (2006)

  • Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / HG Esch (2006)

    Henry Moore: Large Two Forms, 1979 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / HG Esch (2006)

Der Bau des Kanzleramts 1969-1975 in Bonn war auch eine Frage der Selbstdarstellung der jungen Bundesrepublik. Der architektonische Entwurf der Planungsgruppe Stieldorf ist mit zwei städtebaulich zurückhaltenden flachen Baukörpern ein politisch gewolltes Understatement. Für diese bescheiden auftretende „Machtzentrale“ lobte die Bundesbaudirektion einen offenen Kunst-am-Bau-Wettbewerb aus – was zuvor nur einmal geschehen war, nämlich 1952 bei der Erweiterung des Bundeshauses. Um eine der Architektur nachgeordnete Kunst am Bau zu vermeiden, strebte man nach komplexen Lösungen unter Einbezug von Bildhauern, Landschafts- und auch Lichtgestaltern.
Zum Wettbewerb gab es 177 Einreichungen in der ersten und zwanzig Einreichungen in der zweiten Stufe. Die Preisrichter empfahlen neben weiteren Einzelwerken die Realisierung des Gestaltungskonzepts, das der Bildhauer Hans Dieter Bohnet und der Landschaftsarchitekt Hans Luz als Arbeitsgemeinschaft eingereicht hatten. Dieses sah eine Dachbegrünung, geometrische Plattenstreifen, Heckenkuben und Bodenreliefs vor. Das Hauptelement sollte eine große Kugelskulptur aus Edelstahl von Bohnet bilden. Die Umsetzung des Konzepts scheiterte an fehlenden Haushaltsmitteln wie an funktionalen und bautechnischen Unzulänglichkeiten. Die Aufstellung von Bohnets Kugelobjekt dagegen stieß auf den Widerstand des damaligen Bundeskanzlers. Helmut Schmidt intervenierte und verhinderte – gegen die Juryentscheidung – die Kunst mit dem Hinweis, sie erinnere an eine Weltkugel, sowie mit der Aussage „wir sind schließlich nicht der Nabel der Welt“. Bohnets gleichwohl 1976 realisierte Skulptur wurde daraufhin zunächst im Park des Kanzleramtes zwischengelagert und später mit Zustimmung des Künstlers an ihren heutigen Standort in der Bonner Rheinaue aufgestellt.
Beraten von Kunsthistorikern setzte sich Bundeskanzler Schmidt unterdessen für den Erwerb einer anderen plastischen Arbeit ein. Er dachte insbesondere an die Werke des renommierten englischen Bildhauers Henry Moore (1898–1986), alternativ auch an eine Wasserskulptur der zuvor am Wettbewerb beteiligten „Planungsgemeinschaft für neue Formen der Umwelt“ von Johannes Peter Hölzinger und Hermann Goepfert. Infolge persönlicher Begegnungen zwischen Helmut Schmidt und Henry Moore kam es schließlich zur Auswahl der Arbeit „Large Two Forms“.
1979 wurde die zweiteilige Großplastik aus Bronze ungesockelt und leicht erhöht am Rande des Grünbereichs zwischen Einfahrt, Kanzler- und Abteilungsbau aufgestellt. Die konvex und konkav aufeinander bezogenen Formen sind auf keinen Betrachterpunkt festgelegt, sondern bilden stets neue Konfigurationen aus. Dabei entwickeln die gerundeten und oval geöffneten organischen Formen und der Bronzeglanz eine starke sinnliche Präsenz. Die von Henry Moore all seinen Skulpturen und Plastiken zugrundegelegten „weiblichen Formen“ bilden einen klaren Kontrapunkt zu den flachen Architekturkörper und das matte Braun der eloxierten Aluminiumfassaden. In diesem Kontrast werden die „Large Two Forms“ unmittelbar als „Zeichen von Leben“, als „Symbol für menschliche Verbundenheit“ und auch als „Ausdruck für Menschlichkeit“ (Helmut Schmidt) erfahrbar. Der universelle Gehalt der Plastik überwiegt, lässt aber auch speziellere Betrachtungen zu. Helmut Schmidt dachte auch ans geteilte Deutschland und „die natürliche Geste der Zusammengehörigkeit“. Darüber hinaus wurde die Plastik – mit dem Kanzleramt als sinngebendes und rezeptionssteuerndes Moment im Hintergrund – als „Allegorie des modernen Sozialstaats“ (Silke Wenk) beschrieben.
Erste Entwürfe der für keinen speziellen Ort entworfenen und in vier Güssen existierenden Plastik reichen bis ins Jahr 1966 zurück. Sie erlangte eine Medienpräsenz und Popularität wie kaum ein zweites Kunstwerk, so dass das ehemalige Kanzleramt bis heute weit mehr mit der Kunst von Henry Moore als mit der Architektur assoziiert wird. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation 03/2019, März 2019.

Weiterführende Literatur:
Wenk, Silke, 1997: Henry Moore. Large Two Forms. Eine Allegorie des modernen Sozialstaates. Frankfurt am Main.
Blomberg, Katja und Kemfert, Beate (Hrsg.),2007: Henry Moore und die Landschaft. Ausst.-Kat., Köln.
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Hrsg.), 2010: 60 x Kunst am Bau aus 60 Jahren. Berlin, S. 98 f.
BMVBS (Hrsg.); Büttner, Claudia (Bearb.),2011: Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland. Berlin, S. 83 ff.


Freiplastik / Skulptur
Bronzeguss
365 x 610 x 400 cm
306.775 €
Direktvergabe

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Vorplatzbereich
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Henry Moore

Henry Moore (* 1898 in Castleford, Yorkshire; † 1986 in Much Hadham, Hertfordshire) war Bildhauer und Zeichner. Er studierte an der Leeds School of Art und dem Royal College of Art in London. Als „official war artist“ schuf er die berühmte Bildserie der „Bunkermenschen“. Hauptthema seiner bildhauerischen Arbeit zunächst in Stein und Holz, dann bevorzugt in Bronze war die liegende Figur. Fast alle Skulpturen und Plastiken beruhen „auf der weiblichen Form“ (Moore). Henry Moore erhielt zahlreiche Preise. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Plastiken „Reclining Figure“ für das UNESCO-Hauptquartier in Paris (1957–58) und das Lincoln Art Center in New York (1963–65). Moore schuf auch in die Architektur integrierte Kunst wie die Relief-Bekrönung am Time-Life-Gebäude in London (1952) und ist mit weiteren Werken in Berlin (Akademie der Künste, Kongresshalle und Nationalgalerie) vertreten.

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Architektur: Planungsgruppe Stieldorf (M. Adams, R. Glatzer, G. Hornschuh, G. Pollich, P. Türler)
Bauzeit: 1973-1976

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Dahlmannstraße 4
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Im Dezember 1969 beschloss das Bundeskabinett, ein neues Kanzleramt zu bauen. 1970 wurde der Wettbewerb dafür ausgelobt, den die Planungsgruppe Stieldorf (Manfred Adams, Günter Hornschuh, Robert Glatzer, Georg Pollich, Peter Türler) gewann; Baubeginn war 1973, die Einweihung am 1. Juli 1976. 2001-2005 wurde das Gebäude für den Einzug des BMZs denkmalgerecht generalsaniert.