Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft 1979

  • Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BMVg / Anne Gold (1990)

    Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BMVg / Anne Gold (1990)

  • Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BBR / Archiv BMVg

    Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BBR / Archiv BMVg

  • Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BMVg / Anne Gold (1990)

    Wolfgang Nestler: Technik und Wissenschaft, 1979 / © Wolfgang Nestler; Fotonachweis: BMVg / Anne Gold (1990)

Die Theodor-Körner-Kaserne in Aachen-Forst beherbergt die Technische Schule Landsysteme und die Fachschule des Heeres für Technik (TSL/FSHT). Das Hörsaalgebäude der TSL/FSHT ist ein schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach und Gaubenfenstern, das in den dreißiger Jahren errichtet wurde. Die Ende der fünfziger Jahre gegründete Technische Truppenschule Landsysteme der Bundeswehr war bis 1963 in Sonthofen beheimatet und 1963 in Schule der Technischen Truppe III umbenannt worden. Erneut umbenannt in Technische Schule Landsysteme zog sie 1964 in die vom Finanzbauamt vor Ort restaurierte Aachener Liegenschaft ein. Als eine von drei Kasernen in Aachen konzentriert sich die TSL/FSHT auf technische Bildungsangebote. Der Kern der Liegenschaft besteht aus einer langgezogenen Grünanlage, beiderseits flankiert von je fünf langgestreckten Gebäuden. Abgeschlossen wird das Ensemble im Norden und Süden von je einem Gebäude, das als Kopfbau quergestellt ist.
Wolfgang Nestlers Plastik „Technik und Wissenschaft“ steht im Nordosten auf der viertelkreisförmigen Grünanlage vor dem Hörsaalgebäude. Das Werk wurde 1979 mit Mitteln des Ergänzungsfonds für Kunst am Bau nach beschränktem Wettbewerb geschaffen. Außer dem in Aachen ansässigen Wolfgang Nestler nahmen Rolf Jörres aus Essen und Hansjerg Maier-Aichen aus Leinfelden, Baden-Württemberg, am Wettbewerb teil. Mit dem Titel „Technik und Wissenschaft“ bezieht sich der Künstler auf die Zielsetzung des Standorts als technische Bildungseinrichtung. Zwei halbkreisförmige Stahlvolumen aus Cortenstahl sitzen in schrägem Winkel auf einer Bodenplatte. Die untere der beiden Hälften besitzt auf der flachen Oberseite eine zahnradartige Textur. Die beiden Kreissegmente der Skulptur stellen einen Bezug zum markanten Torbogen des Gebäudes her, der mit Bossenquadern verkleidet ist.
Nestler beschreibt seine Gestaltungsidee folgendermaßen: „Zwei aus gebranntem Stahl hergestellte Halbellipsoide sind versetzt aufeinandergelegt. Die hierdurch bewirkte Verlagerung des Schwerpunktes bewirkt ein entsprechendes Kippen des Körpers aus der Normallage. Durch das verwendete Material, das in eine – trotz des Versatzes – klar ablesbare geometrische Form eingesetzt ist, durch die Zählung der Auflagerfläche, die ein Abgleiten des aufgelegen Halbellipsoides verhindert sowie durch die Darstellung wirkender Naturgesetze, werden beim Betrachter in vereinfachter Form entsprechende Assoziationen mit den vielfältigen technischen Vorgängen seines beruflichen Alltages wachgerufen”. Gewicht und Gegengewicht, als auch die Balance des Schwerpunkts sind zentrale Themen im Œuvre Wolfgang Nestlers, dessen minimale, abstrakte Arbeiten wegen ihrer Massivität und Materialität mit dem Stil Richard Serras oder Klaus Rinkes vergleichbar sind. CL

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner / Christina Lanzl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1950 bis 1979. BBSR-Online-Publikation 12/2014, Bonn, Dezember 2014.


Freiplastik / Skulptur
gebrannter Stahl
200 x 336 x 45 cm, Sockelplatte ca. 10 x 200 x 340 cm
43.460 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 3 Teilnehmern

Hörsaalgebäude für die Technische Schule Landsysteme und die Fachschule des Heeres für Technik
Grünanlage vor Hörsaalgebäude
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Wolfgang Nestler

Der Bildhauer Wolfgang Nestler, geboren 1943 in Gershausen, besuchte von 1967 bis 1973 die Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler bei Erwin Heerich. Von 1972 bis 1977 unterrichtete er als Kunsterzieher am Couven-Gymnasium in Aachen. 1987-89 war er Professor an der Universität Siegen, 1990-2007 hatte er eine Professur für Plastik und Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken inne. Er schuf eine Reihe von Auftragsarbeiten, darunter eine Stahlplastik in der Bundesgartenschau Stuttgart und eine Steinskulptur als Mahnmal für die Opfer des Naziregimes in Krefeld. Im Auftrag des Bundes entstanden sechs Plastiken für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Bonn (1989) und eine Skulptur am Bundesministerium der Justiz in Berlin (1999).

Hörsaalgebäude für die Technische Schule Landsysteme und die Fachschule des Heeres für Technik

Architektur: Finanzbauamt Aachen
Bauzeit: 1965-75

Theodor-Körner-Kaserne
Lintertstraße 71
52076 Aachen
Nordrhein-Westfalen

Kasernenbau aus den 1930er-Jahren; Herrichtung durch das Finanzbauamt Aachen 1965-68 und 1974-75 als Hörsaalgebäude für die Technische Schule Landsysteme und die Fachschule des Heeres für Technik (TSL/FSHT).