Moritz Götze : o. T. 2001

  • Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / André Kirchner (2001)

    Moritz Götze: o. T., 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / André Kirchner (2001)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie befindet sich in einem historischen Gebäudekomplex, welcher zunächst als Invalidenhaus, später als kaiserliche Akademie und zu DDR-Zeiten als Regierungskrankenhaus diente. Prägend für die Geschichte des Ortes ist weiterhin die unmittelbare Nähe zur ehemaligen Berliner Mauer zwischen sowjetischem und britischem Sektor. Von 1991 bis 2000 wurde der vielschichtige Baukomplex nach Plänen der Architektengemeinschaft Baumann und Schnittger saniert und umgebaut, wobei sowohl der Denkmalschutz eine große Rolle spielte als auch die Anforderungen für eine zeitgemäße Unterbringung für ein großes Ministerium.
Die Umbaumaßnahmen wurden von mehreren und unterschiedlichen Kunst-am-Bau-Verfahren begleitet und berücksichtigten für die künstlerische Ausstattung Vorschläge der Kunstkommission des Bundes. Zusätzlich zu diesen Vorschlägen wurden zwei Wettbewerbe durchgeführt, darunter einer für die neugebaute Cafeteria. Hier stand eine Stirnwand zur Verfügung, zu deren linken Seite sich eine Fensterfront zur Terrasse öffnete. Der von Moritz Götze als Skizze eingereichte Wettbewerbsbeitrag überzeugte und wurde weitgehend ohne Änderungen umgesetzt– unter anderem wegen der für die Situation in einer Cafeteria gut geeigneten, weil einfacher zu pflegenden Emailletechnik.
Seine figurative Bildsprache hat Götze überregional bekannt gemacht. Die auf den ersten Blick naiv, fast wie Kinderzeichnungen anmutenden Motive lassen erst im Laufe der Betrachtung erkennen, dass sie eingebunden sind in eine komplexe Bildanlage. Anders als Kinderzeichnungen gehen einzelne Partien von Götzes Bildwelten mit Proportionen oder Details äußerst exakt um. Dazu kommt eine eher comicartige Farbigkeit, die er in vielen seiner grafischen Werke und Emaille-Arbeiten mit malerisch genau akzentuierten lasierenden Farbgebungen abwechseln lässt.
Für die Cafeteria des Bundesministeriums für Wirtschaft hat Götze nicht nur seine bekannte bildnerische Handschrift eingesetzt, sondern ist auch auf die besonderen räumlichen Bedingungen eingegangen, indem seine wandfüllende Gestaltung die an der linken Seite befindliche Öffnung zum Balkon mit einer Naturszene einbindet. Dass der Raum normalerweise von Nutzern bevölkert ist, macht diese quasi zu Handelnden in der Bildkomposition Götzes. Die einzelnen Motive nutzen das Spektrum zwischen Idylle und Bedrohlichem: Neben dem Badenden im Zentrum mit einer Blume in der Hand ragt ein Grenzpfahl aus dem Wasser. Die links im Bild befindliche Landschaft mit antikem Säulenfragment zeigt die Berliner Mauer und eine Art Schweinehund. Über der Szene brauen sich dunkle Wolken zusammen. Auch das kleine rechts aus dem Bild verschwindende rote Auto zieht eine Rauchwolke hinter sich her.
Wie der Hallenser Maler mit der Fläche umgeht, entspricht in vielem dieser verstreut erscheinenden Sammlung der Eindrücke. Was jedoch zunächst wie in kindlichen Kompositionen auf einer freien Fläche unverbunden nebeneinander angeordnet ist, entpuppt sich als ein genau kalkulierter Umgang mit der zur Verfügung stehenden Fläche. Gerade die vom Rand her ins Bild ragenden, unvollständigen Elemente bauen die Komposition in eine Situation ein, die den Raum als Rahmen beanspruchen, statt sich von ihm zu trennen. Ein unscheinbares und gleichwohl bezeichnendes Element ist die aus roten und blauen Feldern bestehende Raumkante aus Emaille, die sowohl eine Verbindung zum realen Fußboden herstellt als auch klarstellt, dass die blonde Frauengestalt sich im Bild noch vor ihr befindet und damit die Wand zu einer Art Bühne werden lässt. JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 300 Kunst-am-Bau-Werken des Bundes von 1950 bis 2013, BBSR-Online-Publikation Nr. 03/2018, Februar 2018.

Weiterführende Literatur:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2012: Zeiträume. Geschichte und Architektur des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Berlin. Bundesmininster für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (Hg.), 2002: Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, Tübingen/Berlin, S. 172-173
Götze, Moritz, 1995: C‘est moi. Ausstellungskatalog Staatliche Galerie Moritzburg Halle


Wandarbeit
Emaillearbeit aus 21 Elementen, wandfüllend montiert
25.565 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 3 Teilnehmern

Gebäude E, F und G (ehem. Invalidenhaus)
Cafeteria
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Moritz Götze

Moritz Götze (* 1964 in Halle / Saale), lebt dort) ist ein deutscher Künstler. Götze wuchs in einem Künstlerhaushalt auf, hat jedoch keine akademische Ausbildung, sondern absolvierte zunächst eine Schreinerlehre. Seit 1986 ist er freischaffend als Maler, Grafiker und raumbezogen arbeitender Künstler und Verleger tätig. 1991-94 hatte er einen Lehrauftrag für Serigraphie an der Burg Giebichenstein Halle inne, 1994 eine Gastprofessur an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris. Baubezogene Kunst hat er wiederholt realisiert, so im Lichthof des Messehauses Specks Hof, Leipzig (1995), für die Telekom Leipzig, das Berufsförderungswerk Halle, den Europark Dreilinden, das Landesarbeitsamt Halle sowie die Schlosskirche St. Aegidien in Bernburg (2013).

Gebäude E, F und G (ehem. Invalidenhaus)

Architektur: Isaak Jacob von Petri
Bauzeit: 1746-1748

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststraße 34–37
10115 Berlin

Das 1746-48 von Architekt Isaak Jacob von Petri im Auftrag von Friedrich II. zur zur Unterbringung von Kriegsinvaliden erbaute Invalidenhaus wurde bis zum Ersten Weltkrieg als solches genutzt. Nach 1945 diente es Lazarett, ab 1951 als DDR-Regierungskrankenhaus und Schwesternwohnheim. 1991-2000 wurde es für das Bundeswirtschaftsministerium durch Baumann und Schnittger Architekten hergerichtet und erweitert.