Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur 2010

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

  • Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

    Veronika Kellndorfer: le regard extérieur / le regard intérieur, 2010 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Ulrich Schwarz (2010)

Kunst-am-Bau-Konzepte beziehen vielfach die gesamte Gebäudehülle ein. Sie überziehen Wände und Fassaden mit Fotosiebdrucken, Reliefs oder künstlerischen Strukturen. Die Berliner Künstlerin Veronika Kellndorfer (Jahrgang 1962) hat die gläserne Südfassade des Neubaus des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit halbtransparenten Siebdrucken eines Treppenmotivs aus einem Berliner Mietwohnbau der Sechzigerjahre versehen und im Foyer eine entsprechende Glaswand geschaffen.
Kellndorfers Kunst am Bau ist ein Eingriff, der einer Verschattungsabsicht zu verdanken ist, dabei aber das Gebäude neu interpretiert. Denn die Treppenbilder perspektivieren die architektonischen Gegebenheiten. Sie folgen im Bereich der Südfassade im Ansatz den Steigungswinkeln und dem Verlauf der drei im Gebäude vorhandenen Stahlblechtreppen (die sich bei genauem Hinsehen allerdings von den Digitaldrucken absetzen). Den von links nach rechts aufsteigenden Treppen setzen die Drucke aber absteigende Treppen entgegen, die sich zu einem ornamentalen Muster verdichten, dessen bienenstaatliche Wabenformen als Metapher gut zu einem Ministerium mit vielfältigen Ressortzuständigkeiten passen.
Entgegen den Titeln der Arbeit, „le regard extérieur“ beziehungsweise „le regard intérieur“, irritieren Veronika Kellndorfers „regards“ das Vertrauen in das Gesehene und die eigene Wahrnehmung. Die Architektur, architekturgeschichtliche Zitate und kollektive Erinnerungen verbinden sich insbesondere auf der Fassade der Südseite zu einem Ganzen – und beziehen auch das Spiegelbild des gegenüberliegenden Altbaus in ein amüsantes und geistreiches Vexierspiel um Sein und Schein ein.
Dem öffentlichen Raum teilt sich Kellndorfers Kunst fürs BMFSFJ weit weniger komplex mit dem Treppenmotiv im Pressefoyer mit. Ein integrierter Gummibaum ist eine offenkundige Anspielung auf ein 1942 entstandenes Gemälde von René Magritte, das das Blatt eines Gummibaums vor einem weiten Panorama zeigt. Sein Titel, „Le regard intérieur“, unterstreicht wie Kellndorfers Interieur-/Exterieur-Gestaltungen die geheimnisvollen Überlagerungen der Innen- und Außenwelten. M.S.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014, S. 92-95.


Glasarbeit
digitaler Siebdruck
20 x 30 m (Fassade); 3,95 x 11,80 m (Wand)
94.000 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 7 Teilnehmern

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Fassadengestaltung Südfassade des Erschließungsbauwerks sowie Wand im Foyer des Presse- und Besucherbereichs
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Veronika Kellndorfer

Veronika Kellndorfer, geboren 1962 in München, ist bildende Künstlerin. Sie studierte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und an der Hochschule der Künste in Berlin und erhielt zahlreiche Stipendien, u. a. der Villa Serpentara, Olevano Romana (1996), der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart (2000), der Villa Aurora, Pacific Palisades (2003), der Villa Massimo, Rom (2005) und der Villa Kamogawa Kyoto (2012). Häufiges Thema in ihren Arbeiten sind architektonische Elemente und Bauwerke der Moderne, die sie mit einer Plattenkamera fotografiert und in Siebdruckarbeiten übersetzt, um durch Überlagerungen und Verschränkungen von Strukturen neue Sichtweisen und Realitätsebenen zu schaffen. Kellndorfers Werke sind in deutschen und internationalen Museen zu finden, so zum Beispiel in Berlin, Bonn, Cottbus, München, San Diego und São Paulo. Thematik und Arbeitsweise prädestinieren sie aber insbesondere für Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau, so dass sie neben Arbeiten für den öffentlichen Raum von Berlin und München auch für den Bund schon mehrfach Kunst am Bau realisiert hat, u. a. für das Bundesarbeitsgericht in Erfurt (1999), das Justizzentrum in Aachen (2008), das BMFSFJ in Berlin (2010), das Fraunhofer Institut in Augsburg (2013) und zuletzt für den Deutschen Bundestag in Berlin (2016).

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Architektur: Schweger & Partner Architekten
Bauzeit: 2006-2010

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Glinkastraße 24
10117 Berlin

Nach Abriss eines Plattenbaus in der Glinkastraße wurden 2006-2010 die denkmalgeschützten Altbauten aus den Jahren 1896 bis 1936 von Schweger Architekten saniert und durch einen Neubau zu einem modernen Bürogebäude verbunden.