Haus-Rucker-Co : Arbeitskonstruktion 1984

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

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    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Haus-Rucker-Co: Arbeitskonstruktion, 1984 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Die 1984 entstandene „Arbeitskonstruktion“ von Haus-Rucker-Co. in der Eingangshalle des Hochhauses des Bundeswirtschaftsministeriums in Bonn ist eines der ungewöhnlichsten, avanciertesten und originellsten aller je im staatlichen Auftrag des Bundes und der Länder realisierten Kunst-am-Bau-Projekte. Die Installation der damals von Düsseldorf und New York aus agierenden österreichischen Architekten- und Künstlergruppe besteht aus Stahlstutzen, aus Schutt, Bauholz, einem Arbeitstisch, aus Spiegelglas und Gold. Augenscheinlich beschreibt sie eine Baustellensituation. Damit thematisiert und glorifiziert sie eine für Kunst am Bau einzigartige Situation: nämlich die Nichtvollendung.
Dank der Spiegelwand und der vitrinenhaften Verglasung entsteht so im Eingangsbereich des Hochhauses ein – tatsächlich irritierender – Illusionsraum. Pointiert wird die ästhetische Verwirrung durch ein an der Stirnwand auf dem Arbeitstisch postiertes Entwurfsmodell. Offenbar als Affront gegen das Gefallen am geschlossenen Werkbegriff zeigt es den Kunst-am-Bau-Entwurf, den die Künstlergruppe zum Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des Vorplatzes des Hauses eingereicht und mit dem es den zweiten Platz belegt hatte. Da dort Norbert Krickes Siegerentwurf einer großen Raumplastik realisiert wurde, setzte sich die Baudirektion dafür ein, dass Haus-Rucker-Co. eine zweite Chance bekam.
Das schließlich im Inneren des Gebäudes umgesetzte Projekt reflektiert als modifizierte Version des ursprünglichen Entwurfs die Kunst am Bau als Prozess. Es kombiniert antithetisch Gold- und Spiegelglanz mit Stahlstutzen, Schutt und Bauholz, das scheinbar Unfertige mit beständiger Architektur, das Prozesshafte und Konzeptuelle mit der unerfüllten Erwartung an eine konventionelle künstlerische Gestaltung. Die kritische Masse oder „ikonische Differenz“, die die von Haus-Rucker-Co. herbeigeführte Situation als künstlerische Intervention erkennen lassen, offenbaren sich vermutlich nur Menschen, die mit avancierten künstlerischen Ansätzen und Manifestationen vertraut sind. Eine Arbeit, die sich derart quertriebig in einem Ministerium ausbreitet, hatte und hat jedenfalls mit einer schwierigen Rezeption zu rechnen. Und das scheint zum Kalkül der Arbeit zu gehören: Irritation und Nichtvollendung als Möglichkeit, im Betrachter ein bewusstes ästhetisches Wahrnehmen, Erleben und Vorstellen der eigenen Umgebung in Gang zu setzen.
Zumindest hinter vorgehaltener Hand gerne kolportiert wird der Umgang eines früheren Ministers mit der Kunst. Der ließ die Kunst am Bau – des ästhetischen Unbehagens wegen – im ministeriellen Alltag verdecken, führte sie aber als Kuriosum gerne Besuchern vor. Damit könnte sich die Erwartung von Haus-Rucker-Co. an ihre Kunst am Bau bereits erfüllt haben. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Erich Hauser, Norbert Kricke, Heinz-Günter Prager, Haus-Rucker-Co. Skulptur im Bundesministerium für Wirtschaft, hrsg. v. Bundesbaudirektion Bonn, Köln o. J., pass.
Kunst am Bau für Bauten des Bundes, Bundesbaudirektion Berlin/Bonn [unveröffentlicht], 1989, S. 128 f. (Abb.).


Installation
Stahlstutzen, Schutt, Bauholz, Arbeitstisch, Spiegelglas und Gold, Modell des früheren Wettbewerbsentwurfs
340 x 850 x 100 cm
Direktvergabe

Hochhaus (Haus K)
Eingangshalle
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlergruppe : Haus-Rucker-Co

Haus-Rucker-Co war eine österreichische Architekten- und Künstlergruppe. Ihr gehörten die Architekten Laurids Ortner, Manfred Ortner, Günter Zamp Kelp und der Maler Klaus Pinter an. In Wien gegründet, unterhielt Haus-Rucker-Co Studios in Düsseldorf und New York. Die mehrfach an der documenta beteiligte Gruppe agierte interdisziplinär an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Stadtgestaltung und wandte sich auch gesellschafts- und umweltpolitischen Fragestellungen zu. Zu den Werken im öffentlichen Raum gehören unter anderem: Schiefe Ebene, Wiener Naschmarkt in Wien, 1976; Rahmenbau, Friedrichsplatz in Kassel, 1977; Turm Neuss auf dem Theodor-Heuss-Platz in Neuss, 1985. Später Weiterarbeit von Ortner & Ortner sowie Günter Zamp Kelp in eigenständigen Büros, dort Realisierung von Architekturprojekten.

Hochhaus (Haus K)

Architektur: Lenz Architekten
Bauzeit: 1971-1972

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Villemombler Straße 76
53123 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das Hochhaus wurde 1971-72 durch Lenz Architekten aus Düsseldorf errichtet und 2001-2003 im Rahmen einer umfassenden Sanierung durch KSP Engel Zimmermann Architekten um zwei Geschosse aufgestockt. Dabei erhielt es eine komplett neue Haus- und Kommunikationstechnik, Sitzungs- und Konferenzräume, ein Sprachlabor und eine neue Innenausstattung.

Weitere Kunstwerke: Haus-Rucker-Co