Norbert Kricke : Raumkurve / Raumplastik Bonn 1985

  • Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

  • Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

    Norbert Kricke: Raumkurve / Raumplastik Bonn, 1985 / © Norbert Kricke; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2015)

Die für das Bundeswirtschaftsministerium realisierte Arbeit ist das letzte große Werk Krickes, das er zwar konzipierte, aber in realisierter Form nicht mehr erlebte. Das sich aus einer kreisrund angelegten und von einer Hecke umsäumten Wasserfläche erhebende Linienbündel erschließt sich nicht nur den unmittelbaren Umraum, sondern greift in den Richtungen seiner Linienführungen weit darüber hinaus. In dieser Eigenschaft bezieht es sich auf das zu dieser Zeit errichtete sechzehngeschossige blockhafte Hochhaus. Während es als neue Dominante für das von Gebäuden aus verschiedenen Bauphasen bestückte Terrain entstand, findet die Plastik Krickes, die im Zuge des Hochhauses als Kunst am Bau entstand, mit ihren antennenartigen Ausläufern den Bezug auf die umstehenden, wesentlich älteren Kasernenbauten. Die erst nach dem Tod Krickes 1984 durch seinen Schüler William Brauhauser 1985 aufgestellte Arbeit bündelt als Blickpunkt die Architekturen ringsum und setzt sie in einen dynamischen Bezug zueinander.
„Mein Problem ist nicht Masse, ist nicht Figur, sondern es ist der Raum und es ist die Bewegung – Raum und Zeit.“ Bereits 1954 formulierte Norbert Kricke diese für ihn durch die Jahrzehnte seiner künstlerischen Tätigkeit gültige Programmatik. Kricke hat sich damit deutlich zu seinen Zeitgenossen abgegrenzt, die auf dem Hintergrund einer Abstraktion von der zugrunde liegenden Figur zur Form kamen oder – wie die Konkrete Kunst – an geometrischen Konstruktionen ansetzte. Seine Plastiken setzten zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Linie als freies skulpturales Element im Raum an. Damit umging Kricke Jahrhunderte alte Diskussionen um Volumen und Masse. Das Material und die Auseinandersetzungen um die Oberfläche reduzieren seine Raumplastiken auf das nötigste Minimum. Der verwendete Edelstahl und seine mattpolierte Oberfläche sind eine zeitlose Lösung, die vor allem im technischen Bereich eingesetzt wird und in den 1950er Jahren noch so gut wie keine künstlerische Tradition aufwies. Mit ihrer je unterschiedlich in den Raum ausgreifenden Geste gewinnen Krickes Arbeiten so neue Ausgangspunkte, von denen aus Grundfragen der Plastik diskutiert werden. Seine Auseinandersetzung mit dem Umraum hat einen weiteren Kristallisationspunkt in der Art und Weise, wie sie auf dem Sockel aufsetzen – oder in der Frage, ob sie überhaupt einen solchen benötigen. Mit der Einbindung in das abfallende Gelände und der Umfriedung durch die Hecke erarbeitete Kricke hier eine besondere Situation, die sowohl Fragen nach der wechselseitigen Bezugnahme der Gebäude als auch der Hierarchien innerhalb des Geländes klärt. JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Erich Hauser, Norbert Kricke, Heinz-Günter Prager, Haus-Rucker-Co. Skulptur im Bundesministerium für Wirtschaft, hg. v. Bundesbaudirektion Bonn, Köln o.J., pass.
Norbert Kricke Plastiken und Zeichnungen. Eine Retrospektive, hg. v. Stephan von Wiese und Sabine Kricke-Güse, Ausstellungskatalog Museum Kunstpalast Düsseldorf 2006.


Freiplastik / Skulptur
Edelstahl
ca. 1200 x 1300 x 1100 cm
Gutachterverfahren

Hochhaus (Haus K)
Außenanlage vor dem Hochhaus
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Norbert Kricke

Norbert Kricke (1922 Düsseldorf – 1984 Düsseldorf) vollendete sein Bildhauerstudium 1946 als Meisterschüler von Richard Scheibe an der Akademie der Künste in Berlin. Von 1964-81 wirkte er an der Kunstakademie Düsseldorf, die er seit 1972 leitete. Kricke gehört zu den wichtigsten abstrakten Künstlern der Nachkriegsmoderne. Die erste und bekannteste Variation seiner Schleifenskulpturen auf Betonsockel aus dem Jahr 1960 zeigte der Bildhauer auf der Weltausstellung Montreal 1967. Die unter dem Namen Große Mannesmann bekannt gewordene Skulptur steht heute vor dem Mannesmann AG/Vodafone Hochhaus in Düsseldorf. Später schuf er auch Wasserkinetik, u.a. den Großen Wasserwald der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg (1973). Weitere Aufträge der Kunst am Bau im Auftrag des Bundes realisierte der Künstler in Bonn für das Abgeordneten-Bürohochhaus „Langer Eugen" – den heutigen UN-Campus – und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 1984. Zu Arbeiten für kulturelle Einrichtungen zählen seine Wandplastik im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen 1959 und das Kräftebündel am Rheinischen Landesmuseum in Bonn 1967.

Hochhaus (Haus K)

Architektur: Lenz Architekten
Bauzeit: 1971-1972

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Villemombler Straße 76
53123 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Das Hochhaus wurde 1971-72 durch Lenz Architekten aus Düsseldorf errichtet und 2001-2003 im Rahmen einer umfassenden Sanierung durch KSP Engel Zimmermann Architekten um zwei Geschosse aufgestockt. Dabei erhielt es eine komplett neue Haus- und Kommunikationstechnik, Sitzungs- und Konferenzräume, ein Sprachlabor und eine neue Innenausstattung.