Marcel Odenbach : Als sähe ich im Himmel die Erde 2000

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

  • Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

    Marcel Odenbach: Als sähe ich im Himmel die Erde, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2017)

Den Mittelpunkt des Konferenzzentrums des Wirtschaftsministeriums bildet die historische Aula der Kaiser-Wilhelms-Akademie für militärarztliches Bildungswesen. Der einschneidend umgestaltete Saal, der sich mit großen Fenstern zur Invalidenstraße öffnet, ist hell, schön proportioniert und dezent mit neoklassizistischen Pilastern gegliedert. Einen markanten Akzent setzt die Kehle zwischen Decke und Wand. Dort hat Marcel Odenbach als Kunst am Bau eine ausgreifende Papierarbeit realisiert. Unter dem assoziationsstarken poetischen Titel „Als sähe ich im Himmel die Erde“ hat der vor allem für Videoarbeiten bekannte Künstler in die 16 gewölbten Felder Collagen aus tiefblau kolorierten Fotokopien von Medienbildern eingefügt. In der Summe beschreiben sie – so die Worte Odenbachs – einen „Kosmos“, ein „Fenster unseres Lebens“ und ein „Spiegelbild der Welt“. Die jeweils drei Querrechtecke an den Längsseiten des Saales nehmen mit überwiegend bekannten Bilddokumenten Bezug auf die deutsche Geschichte und Kultur. Die Querrechtecke an den Stirnseiten des Raumes zeigen bekannte Persönlichkeiten und Szenen aus dem Bereich Unterhaltung und Sport, während sich die Bilder der vier trapezoiden Eckzwickel auf die nichteuropäischen Kontinente beziehen. Hinzu kommen vier schmale Hochrechtecke mit floralen Motiven, Aufnahmen der Mondlandung sowie bekannter Kunstwerke. Die enorme Dichte der Bilder ergänzen rahmende Texte in weißer Schrift, die aus der Entfernung lediglich erkennen lassen, dass es sich dabei um Auszüge aus dem Grundgesetz, der Bibel und von politischen Erklärungen handelt. Schwarzweißkopien mit Ausschnitten von berühmten Porträt- und Historiengemälden greifen über das Zeitgeschehen hinaus und stabilisieren als ober- und unterkantig umlaufender Fries die Bild- und Gedankenfülle.
Man muss nicht tief in die Bilder- und Textflut dieser Kunst am Bau eintauchen, um den roten Faden und das Anliegen der Gestaltung zu erkennen. Es geht darin um die Geschichte Deutschlands mit Krieg, Teilung und Wiedervereinigung und – wie die Zwickel mit den Kontinenten zeigen – um die Rolle und Verantwortung Deutschlands in der Welt. Dabei entwickelt die blaue Tönung der Bilder eine ästhetische Kraft, die an alte Deckendekorationen erinnert und den Raum veredelt. Gleichzeitig reflektiert das von Odenbach angewendete Collageprinzip typische, von Fernsehen und Printmedien geprägte Wahrnehmungsmuster und schafft über die Vielfalt der Motive ein breites Sehangebot, das nicht nur die Kunstkenner, sondern jeden Betrachter anspricht und in der komplexen Erinnerungsstruktur auch jeden Betrachter – ohne erhobenen Zeigefinger – in die politische Pflicht nimmt. M.S.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 300 Kunst-am-Bau-Werken des Bundes von 1950 bis 2013, BBSR-Online-Publikation Nr. 03/2018, Februar 2018.

Weiterführende Literatur:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), 2014: Zeiträume. Geschichte und Architektur des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (in deutscher und englischer Sprache). Berlin


Deckenarbeit
Deckenfries aus eingefärbten Fotokopien
127.823 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Gebäude A, B, C und D (ehem. Kaiser-Wilhelm-Akademie)
Besprechungsraum/Aula
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Marcel Odenbach

Marcel Odenbach, geboren 1953 in Köln, ist ein deutscher Videokünstler, der gemeinsam mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch in den 1970er Jahren in Köln als Produzentengruppe ATV (Alternativ Television) zusammenarbeitete, einem frühen Piratensender. Das Werk aller drei Künstler ist prägend für die Entwicklung der Videokunst. Von Odenbach, der von 1974 bis 1979 Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik an der TH Aachen studierte und seit 2010 eine Professur für Film und Video an der Kunstakademie Düsseldorf innehat, entstand Kunst am Bau unter anderem auch für das Bundesministerium für Wirtschaft in Berlin.

Gebäude A, B, C und D (ehem. Kaiser-Wilhelm-Akademie)

Architektur: Cremer & Wolffenstein
Bauzeit: 1905-10

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststraße 34–37
10115 Berlin

Das Gebäude wurde 1905-10 von den Architekten Cremer & Wolffenstein als "Kaiser-Wilhelm-Akademie" errichtet. 1920-34 diente es dem Reichsarbeitsministerium, danach wieder als militärärztliche Akademie. Nach 1945 war es zunächst Lazarett, ab 1951 dann DDR-Regierungskrankenhaus und Sitz des Ministeriums für Gesundheitswesen, der Generalstaatsanwaltschaft und des Obersten Gerichts der DDR. 1991-2000 wurde es von Baumann und Schnittger Architekten als Dienstsitz des Bundeswirtschaftsministeriums hergerichtet.