Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe) 2012

  • Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Renate Wolff: o. T. (Spiel von Form und Farbe), 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

Im Rahmen des Regierungsumzugs und des Berlin-Bonn-Gesetzes entstand im Süden des Berliner Bezirks Spandau die Landstadt Gatow mit Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern. Der Bund hat hier eine Grundschule, ein Gymnasium und eine Kindertagesstätte errichtet. Zur Entlastung der Grundschule ist 2012 eine Kinderbetreuungseinrichtung hinzugekommen. Der vom Berliner Büro Heidenreich & Springer Architekten entworfene zweigeschossige Neubau folgt den Luft- und Licht-Idealen der Moderne.
Drei in Berlin arbeitende Künstler beteiligten sich an dem beschränkten, anonymen Realisierungswettbewerb für ein „kindgerechtes Farb- und Raumkonzept“ und eine Kunst, die „dauerhaft als Kunst erkennbar (…) und robust“ sein und darüber hinaus sinnfällige räumliche und materielle Bezüge zur Architektur herstellen sollte. Der ausgeführte Siegerentwurf von Renate Wolff (Jahrgang 1956) bezieht sich auf den überdachten Vorbereich und das Foyer mit Treppenraum.
Räume, Wände, Ecken, Kanten, Linien, Türen, Laibungen, Treppen, Treppenabsätze, Stufen, Klinken, Schalter: Alles ist in das orthogonale, elementar reduzierte künstlerische Konzept aus unterschiedlich großen hoch- und querlagernden Rechtecken und unterschiedlich breiten und schmalen Wandstreifen einbezogen. Die Gestaltung ist das Ergebnis einer sinnfälligen Dekonstruktion des Raumes mit einer anschließenden bildkünstlerischen Adaption des Gesehenen, die das Vorhandene verstärkt, Korrespondenzen und einen neuen ideellen Zusammenhalt des Raumes und der Dinge schafft.
Das Foyer, von dem sich das Gebäude – im Erdgeschoss Küche, Speiseraum, Büros, zwei Gruppenräume und Mehrzweckraum, im Obergeschoss vier Gruppenräume und ein Mehrzweckraum – erschließt, wird zur Exposition einer Kunst der ruhigen Betrachtung und Wahrnehmung. Die baulichen Strukturen der Gatower Kinderbetreuungsstätte mutieren zu einem zweckfreien, doch gezügelten und disziplinierten Spiel von Form und Farbe, die sich zueinander wie Melodie und Rhythmus verhalten und eine unaufgeregt spannende Atmosphäre erzeugen. Als bildkünstlerische Idee der Architektur enthält sich der verhalten dynamische Farbklang aus hellen Grün-, Blau-, Rot/Rosa-und Gelbtönen aller Expression. Das Konzept engt den Spielraum der Nutzer nicht ein. Unbehandelt gelassene Wandpartien, klassische „Leerstellen“, fordern die Phantasie der Kinder und Erwachsenen. Die Malerei gibt keine fertigen Bilder vor, sie versucht nicht Gefühlslagen der Betrachter hervorzurufen oder vorwegzunehmen und lässt Platz auch für praktische Interessen und Dinge, wie etwa das Anbringen eines schwarzen Brettes.
„Das Kunstwerk soll“ – so die Vorgabe des Wettbewerbs – „die Alltags-, Erfahrungs-und Gefühlswelt der Kinder ansprechen und den sozialen Gesamtzusammenhang Kinder-Betreuer berücksichtigen.“ Das erfüllt Renate Wolffs Kunstkonzept, dessen Traditionslinie sich bis auf die neoplastischen Ideale der De-Stijl-Bewegung zurückverfolgen lässt, auf eine Art, die sich nicht anbiedert und die ihren künstlerischen Anspruch wahrt. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014.


Wandarbeit
Dispersionsfarbe
ca. 50 m² Wandfläche
16.000 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 4 Teilnehmern

Schulhort Landstadt Gatow
Vorbereich, Foyer und Treppenhaus
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin: Renate Wolff

Renate Wolff, geboren 1956 in Trier, ist bildende Künstlerin. Sie studierte von 1977 bis 1986 Malerei und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf, u. a. bei Norbert Tadeusz  und Ulrich Rückriem. Wolff erhielt zahlreiche Stipendien, u. a. der Pollock-Krasner-Foundation (New York, 2003) und des Künstlerhauses Schloss Balmoral (Bad Ems, 2006). Seit 1995 hat sie für private und öffentliche Bauherren zahlreiche Kunst am Bau-Projekte umgesetzt und führte für den Bund 2006 eine Wandarbeit in der Deutschen Botschaft in Mexico City und 2012 eine Wandgestaltung in der Kinderbetreuungsstätte Landstadt Gatow in Berlin aus.

Schulhort Landstadt Gatow

Architektur: Heidenreich & Springer Architekten
Bauzeit: 2010-2011

Schulhort Landstadt Gatow
Charles-Lindbergh-Straße 74
14089 Berlin

Nach Errichtung durch den Bund wurde die frühere Kindertagesstätte dem Land Berlin zur Nutzung übergeben.

Weitere Kunstwerke: Wolff, Renate