Victor Bonato : Ei-Sprung 1993

  • Victor Bonato: Ei-Sprung, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Johannes Stahl

    Victor Bonato: Ei-Sprung, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Johannes Stahl

Die Planung des neuen Geländes für das Institut für Veterinärmedizin des damaligen Bundesgesundheitsamtes war ambitioniert: Es bündelte zentral Forschungen und Verwaltungsfunktionen in Form eines Campus im Berliner Süden. Dabei galt es, den historischen Ortskern von Marienfelde zu respektieren und gleichzeitig die strategisch wichtige Radarstation der Amerikaner auf dem nahe gelegenen Hügel nicht zu beeinträchtigen. Zudem sollte das Terrain eine lockere Struktur bekommen, die dem zur Verfügung stehenden Freiraum angemessen war. Die Planung des siegreichen Büros Rossmann + Partner sah eine Erschließung über einen kompakten viergeschossigen Mitteltrakt als bereits weit im Gelände liegenden Zugangsbereich vor, von dem einzelne Flügel für die dahinter liegenden Institute abgingen. Diese Konzeption hatte Konsequenzen für den folgenden Kunst-am-Bau-Wettbewerb. Er teilte das Gelände samt Eingangssituation in vier unterschiedliche Szenarien, für welche jeweils bis zu sechs Künstler zu Teilwettbewerben eingeladen wurden. Für den Bereich zwischen den Gebäudeteilen war eine Wasserfläche geplant und ein Verbindungsgang im ersten Geschoss bereits mit einem Rundfenster angelegt. Der Künstler Victor Bonato setzte sich mit einem Vorschlag durch, der die vorgegebene Situation mit einer speziellen Dramaturgie in Szene setze.
Im Zentrum des Gebäudes, kurz hinter dem Eingangsbereich und von den umliegenden Büros, Labors und Vortragsbereichen gut einsehbar, befindet sich als wohl aufwändigste Arbeit Bonatos, die Installation „Ei-Sprung“. Aus massivem Marmor, aber in einem Wasserbecken scheinbar schwimmend, bildet ein tonnenschweres Ei den Blickpunkt. Es wird planmäßig in je kurzem Zeitabstand von einem Wasserstrahl getroffen. Darüber bildet ein am Verbindungsgang angebrachter, ebenfalls aus Marmor bestehender Ring ein Guckloch für diesen Vorgang. Bonato verbindet seine ausgesprochene Vorliebe für prägnante, erzählerische Vorgänge mit einer meist auf geometrische Urformen zurückgehenden Formensprache. Hier nimmt mit dem fast szenisch aufgeführten Eisprung ein Geschehen seinen Lauf, welches für das angesiedelte veterinärärztliche Institut grundlegende Bedeutung hat. Gleichzeitig verhindert die Reduktion auf Ei, Öffnung und Wasserstrahl und das Ausreizen der materiellen Besonderheiten des Marmors eine trivial illustrierende oder gar wissenschaftlich erläuternde Darstellung des Vorgangs.
Durch die Auflösung des Bundesgesundheitsamts 1994 und die schlussendliche Umfirmierung des Geländes als Bundesinstitut für Risikoforschung ergab sich eine andauernde Diskussion um die angemessene Nutzung der Liegenschaft. Anscheinend hatte das auch für die Arbeit Bonatos Konsequenzen. Durch die Stilllegung des für die Konzeption grundlegenden Wasserspiegels samt zusätzlichem Wasserstrahl existiert die Arbeit derzeit lediglich als Torso.

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.


Installation
Marmor, Edelstahl
Ei: 200 x 160 cm; Torus: Ø 182 cm
230.081 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Bundesinstitut für Risikobewertung
Innenhof
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Victor Bonato

Victor Bonato, geboren 1934 in Köln, hat zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte realisiert und dabei stark auf situative Elemente reagiert. Wichtige Arbeiten von ihm befinden sich im Bonner Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, um das Wasserstraßenkreuz in Minden und auf dem Flughafen Köln-Bonn. In Innenraumarbeiten und freier Kunst hat Bonato mit größerer Freiheit auch figurative oder literarische Spielräume erschlossen. Nach einer Berufsausbildung zum Glasmaler studierte er Wandmalerei an den Kölner Werkschulen und war 1966 Mitbegründer der Kölner Künstlergruppe „K-66“. 1993 erhielt er die August-Macke-Medaille der Stadt Bonn.

Bundesinstitut für Risikobewertung

Architektur: Rossmann + Partner, Karlsruhe / Bundesbaudirektion Berlin
Bauzeit: 1980-92

Bundesinstitut für Risikobewertung
Diedersdorfer Weg 1
12277 Berlin