Anna Werkmeister : o. T. (Schilfhalme) 2005

  • Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

  • Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

    Anna Werkmeister: o. T. (Schilfhalme), 2005 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2011)

Nachdem das alte Kanzleigebäude der Deutschen Botschaft in Tokio zu klein geworden war und sich zudem die Frage der Erdbebensicherheit stellte, beauftragte man die Stuttgarter Architekten Mahler Günster Fuchs mit dem Neubau. Für die Stirnwand des Atriums wünschten die Auslober des Kunstwettbewerbs eine auf Ausgleich und Harmonie bedachte Auseinandersetzung mit der klaren, skulptural durchfensterten Räumlichkeit bei gleichzeitiger thematischer Referenz an das Gastland.
Der Gestaltungsvorschlag der Wettbewerbssiegerin Anna Werkmeister entspricht dieser Vorstellung vollauf. Die Künstlerin brachte an der Betonwand im Unterzug ein großes Tableau an, das bei einer Gesamtlänge von 8,5 Metern und einer Höhe von 1,6 Metern auf fünf annähernd quadratischen Tafeln sanft bewegte Schilfhalme zeigt. Die Bildsequenz ist das Ergebnis eines Medientransfers. Anna Werkmeister ist Malerin, Bildhauerin und Videokünstlerin. Ausgangspunkt ihrer Gemälde und Skulpturen sind der Minimalismus und die Konkrete Kunst, wobei sie ihre Gestaltungsprinzipien auch in konstruktivistische Naturfilme übersetzt. Ein solcher Film ist Ausgangspunkt der fünfteiligen Arbeit für die Deutsche Botschaft.
Das in der Seenlandschaft der Uckermark aufgenommene Video „Still in move 3“ fokussiert knapp eineinhalb Minuten lang Schilfrohre, die sich im Wind hin- und herbewegen, während die Künstlerin langsam Farbe und Ton verändert. Die daraus für die Deutsche Botschaft entnommenen Videostills leben von vielerlei Gegensätzen. Die Halme sind Halme, aber auch abstrakte Struktur. Deren Vertikaltendenz konkurriert mit der durch die Reihung der Tafeln entstehenden Horizontalen. Man sieht Bewegung und Stillstand, und man nimmt die grafischen Eindrücke des klar konturierten Vordergrunds gegen das Malerische des verschwimmenden Hintergrunds wahr.
Wie es bei Kunst am Bau sein sollte, ist die Wandarbeit keine autonome Setzung. Mit der Solidität und Transparenz verkörpernden Architektur geht sie ein vielschichtiges Verhältnis ein. Obgleich die Fünfteiligkeit des Tableaus dem Rhythmus der Fenster im Innenhof folgt, werden die warme Farbigkeit und die Natürlichkeit des Sujets zu einem achitekturunabhängigen sinnlichen Ereignis. Mit einem naturpoetischen Bekenntnis bereichert Anna Werkmeister die von Beton, Stahl und Glas und von minimalistisch verknappten Formen geprägte Architektur. Das Video auf DVD ist Bestandteil und Erweiterung der Wandarbeit und kann zusätzlich projiziert werden.
Angeregt wurde das Motiv des windbewegten Schilfs durch eine Filmsequenz in dem japanischen Film „Die blinde schwertschwingende Frau“ aus dem Jahre 1969. Mit dem Schilf bringt die Künstlerin eines der ältesten Baumaterialien ins Spiel, das in seiner Elastizität und Widerstandsfähigkeit das japanische Dauerproblem der Erdbebengefährdung anklingen lässt. Sie bringt aber auch ein Stück Heimat in die Fremde - und so begegnen sich hier zwei Nationen im Spannungsfeld künstlerischer Natursymbolik. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Kunst am Bau bei Deutschen Botschaften und anderen Auslandsbauten. BMVBS-Online-Publikation 11/2011.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2000-2006, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Berlin 2007.


Installation
Tableau aus fünf quadratischen Tafeln mit Videostills, Video
160 x 850 cm
41.800 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb

Deutsche Botschaft Tokyo, Kanzlei
Foyer
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin : Anna Werkmeister

Anna Werkmeister, geboren 1949 im thüringischen Dingelstädt/Eichsfeld, ist Malerin und Videokünstlerin. Von 1971 bis 1975 studierte sie Realistisches Gestalten, Kunstgeschichte und Germanistik in Erfurt; 1981 Ausreise aus der DDR, seit 1982 in Berlin ansässig. Anna Werkmeister wurde mit Arbeitsstipendien und Kunstpreisen ausgezeichnet und war in zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland vertreten. Kunst am Bau schuf sie für die Kanzlei der Deutschen Botschaft in Tokyo/Japan.

Deutsche Botschaft Tokyo, Kanzlei

Architektur: Mahler Günster Fuchs
Bauzeit: 2004-05

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
4-5-10 Minami-Azabu, Minato-ku, Hiroo-cho Nr. 35
106-0047 Tokyo
Japan

Die 1960 von der Bundesbaudirektion errichtete Kanzlei wurde 1990-92 zunächst umgebaut, musste jedoch nach einem schweren Erdbeben 1995 abgebrochen werden. An ihrer Stelle entstand 2003-2005 der erdbebensichere Neubau der Stuttgarter Architekten Mahler, Günster und Fuchs.