Rebecca Horn : Verspiegeltes Planetensystem 2000

  • Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

  • Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

    Rebecca Horn: Verspiegeltes Planetensystem, 2000 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Stefan Müller (2001)

Das Hauptgebäude des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (früher Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) in Berlin wurde in den Jahren 1875 bis 1878 nach einem Entwurf von August Tiede errichtet und bildet mit dem benachbarten Naturkundemuseum und dem Gebäude der Humboldt-Universität ein Ensemble gründerzeitlicher Bauten. Bei der Sanierung durch das Büro Gerber Architekten lag das Hauptaugenmerk auf der Wiedergewinnung des großen Lichthofes. Besonders charakteristisch sind die zweigeschossigen umlaufenden Arkaden, wofür das Architekturbüro nachträgliche Einbauten entfernte. Beschädigte oder fehlende Teile wurden nach altem Vorbild rekonstruiert oder durch moderne Elemente ersetzt. Für Kunst am Bau standen die umlaufenden Wände dieses Lichthofes zu Verfügung. Die für einen Direktauftrag ausgewählte international renommierte Bildhauerin Rebecca Horn, geboren 1944, realisierte hier ihren architektonisch einfühlsamen Entwurf „Verspiegeltes Planetensystem“. An den Arkadenwänden und in den Galerien sind 21 motorisierte Spiegelobjekte auf zwei Ebenen angebracht, den Arkaden und den rückwärtigen Wänden. Jedes Objekt besteht aus einem kleineren Spiegel, der von links nach rechts wandert, und einem größeren Spiegel, der nach vorne kippt. Das konstante, individuelle Bewegungsmuster aller Spiegelobjekte ist aufeinander abgestimmt, um nicht nur den umgebenden Raum sowie das Sonnenlicht, das durch die Glasdecke fällt, sondern auch bereits ausschnitthafte Reflexionen der anderen Objekte einzufangen. Gleichzeitig sind alle Elemente auf elliptischen Bahnen wie in einem planetaren System angeordnet. Als Planetensystem versteht man gemeinhin die Bewegung mehrerer Körper um mindestens einen Zentralstern. Im Fall von Horns Kunstwerk ist das Zentrum die große Halle. Die Bewegungen der Spiegel verwandeln den konkreten Raum in ein harmonisches Spiel aus Reflexionen, die bis ins Unendliche gesteigert werden. Für die Künstlerin ist ihre „Arbeit eine Markierung auf dem Weg, die Grenzen von Raum und Zeit zu überschreiten, einen Spalt zu öffnen auf ein Universum, dessen Existenz wir nur ahnen“. Im poetisch dargestellten Inhalt der Installation „Verspiegeltes Planetensystem“ klingt ein Verweis auf den Aufgabenbereich Luft- und Raumfahrt des Ministeriums an.

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 224 f.


Installation
21 Spiegelplastiken mit Elektromotoren
255.646 €
Direktvergabe

Altbau (ehem. Geologische Landesanstalt)
Lichthof Altbau (Erich-Klausener-Saal)
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin : Rebecca Horn

Das Œuvre der 1944 im Odenwald geborenen Künstlerin Rebecca Horn umfasst Installationen, kinetische Objekte, Filme, Performances, bildhauerische Werke, Zeichnungen, Lichtinstallationen. Nach einem Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Saint Martin’s School of Art London waren ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in führenden internationalen Institutionen zu sehen, so zum Beispiel im Salomon R. Guggenheim Museum in New York 1994 und im Martin-Gropius-Bau Berlin 2006, zudem nahm sie mehrfach an der documenta in Kassel und an der Biennale di Venezia teil. Rebecca Horn erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. den documenta-Preis 1986, den Kaiserring der Stadt Goslar 1992 und den Piepenbrock Preis für Skulptur 2006. Seit 1989 hat sie eine Professur an der Universität der Künste Berlin inne. Sie schuf zudem bedeutende Kunst-am-Bau-Werke, u. a. „Mondfluss“ (1997) für das World Conference Center Bonn, für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Berlin die Arbeit „Planetensystem“ (2000), „Die drei Grazien“ (2000) für den Bundesrat und „Sonnenschatten“ für den Deutschen Wetterdienst Offenbach (2008).

Altbau (ehem. Geologische Landesanstalt)

Architektur: August Tiede
Bauzeit: 1875-1878

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Invalidenstraße 44
10115 Berlin

Der Altbau des BMVi wurde 1875-1878 nach Plänen des Architekten August Tiede als Geologische Landesanstalt und Bergakademie errichtet und bis 1996 vom Ministerium für Geologie der DDR genutzt. Für das Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wurde das Gebäude 1996-2006 von Gerber Architekten aus Dortmund umfassend saniert und umgebaut und durch zwei Erweiterungsbauten nach Plänen von Max Dudler aus Berlin ergänzt.

Weitere Kunstwerke: Horn, Rebecca