Gerhard Marcks: Soldanelle 1954

  • Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Marnie Schäfer (2013)

    Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Marnie Schäfer (2013)

  • Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Anja Schlamann (2010)

    Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Anja Schlamann (2010)

  • Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Anja Schlamann (2010)

    Gerhard Marcks: Soldanelle, 1954 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Anja Schlamann (2010)

Die junge Bundesrepublik hielt sich in den fünfziger Jahren mit Regierungsbauten zurück. Da man die Teilung Deutschlands als nicht endgültig und Bonn als Hauptstadtprovisorium betrachtete, galt es zunächst für die Bundesbediensteten Wohnraum zu schaffen. Zu den wenigen Neubaumaßnahmen der Regierung dieser Zeit gehörten die Gebäude für das Auswärtige Amt und das angrenzende Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, das seit dem Jahr 2000 der Bundesrechnungshof nutzt.
Das von dem Architekten Josef Trimborn entworfene Gebäude ist ein hell verputzter, vierflügeliger Verwaltungsbau mit straßenseitig drei und rheinseitig fünf regelmäßig durchfensterten Geschossen. Ein von zehn Pfeilern getragener repräsentativer Portikus lockert die Struktur des Gebäudes auf. Optische Abwechslung bietet auch der zum Rhein hin gelegene Sitzungssaal (heute Bibliothek) mit seinem Sichtmauerwerk und den Kunst-am-Bau-Tierplastiken von Hans Wimmer, welche passend zur ursprünglichen Bestimmung des Gebäudes die Kontinente symbolisieren.
Das zweite Kunst-am-Bau-Werk aus der Entstehungszeit des denkmalgeschützten Gebäudes sind die von Charles Crodel gestalteten Säulen im Speisesaal. Das dritte Werk befindet sich in dem von den Gebäudeflügeln umschlossenen großen Innenhof. Es handelt sich um eine Bronze von Gerhard Marcks (1889-1981). Die bereits 1945 entworfene Plastik mit dem Titel „Soldanelle“ ist ein typisches Beispiel aus der Frühgeschichte der Kunst am Bau. Aufträge an Künstler wurden damals meist auf Empfehlung des Architekten vergeben. Viele Werke waren auch nicht mit dem Bau verbunden oder dafür geschaffen – so auch nicht die „Soldanelle“, von der es mehrere Abgüsse gibt.
Die auf einem freistehenden Betonquader als Sockel platzierte Figur zeigt eine junge weibliche Person in ungezwungener Sitzhaltung, eher sinnierend und vor sich hin träumend als Ausschau haltend. Das plastische Volumen ist harmonisch, dabei spannungsvoll auf eine Dreieckskomposition verteilt. Die Formen sind idealisiert vereinfacht und muten wie die Umrisszeichnung und die Oberflächenbehandlung der Plastik weich an.
Gerhard Marcks verweigerte sich den damals aktuellen abstrakten Kunsttendenzen der Nachkriegszeit. Er gab aber der – von der nationalsozialistischen Ästhetik politisch rigoros eingeforderten und künstlerisch missbrauchten – Gegenständlichkeit der Kunst eine neue, gänzlich unheroische Wendung. Schon der Titel „Soldanelle“ (botanische Bezeichnung für Alpenglöckchen) unterstreicht die lyrischen Momente der Figur und ist Ausdruck einer gerade für die Entstehungszeit typischen Sehnsucht der Menschen, mit sich, der Welt und der Natur (wieder) ins Reine zu kommen. Die mit der Plinthe verschmolzene Figur ist eine Pretiose. Trotz ihrer geringen Höhe von knapp 60 Zentimetern ist sie in der Weite der vom Gartenarchitekten Friedrich Schraub gestalteten Grünfläche ein echter Blickfang. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation Nr. xx/2016.

Weiterführende Literatur:
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Hrsg.): 60 x Kunst am Bau aus 60 Jahren. Berlin 2010, S. 40-41.


Freiplastik / Skulptur
Bronze, Beton (Sockel)
Höhe der Bronzeplastik: 57 cm
Direktvergabe

Bundesrechnungshof
Innenhof
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Gerhard Marcks

Gerhard Marcks (1889 Berlin - 1981 Burgbrohl) war Bildhauer und Grafiker. Er war Schüler von Richard Scheibe und in frühen Werken von August Gaul und Georg Kolbe beeinflusst. Marcks schuf vor allem Aktfiguren, Tierplastiken sowie Holzschnitte. Nach expressionistischen Anfängen führte die Auseinandersetzung mit antiken griechischen Skulpturen zur Vereinfachung der Formen. Marcks leitete 1919-1925 die Bauhaus-Töpferei in Dornburg/Saale und ab 1925 die Bildhauerklasse an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle, deren Rektor er von 1928 bis zu seiner Entlassung 1933 war. Von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt, wirkte Marcks ab 1936 in Berlin. Nach dem Krieg wurde er an die Landeskunstschule in Hamburg berufen und lebte ab 1950 in Köln und seit Anfang der Siebzigerjahre in der Eifel. Marcks nahm sowohl 1914 an der Ausstellungen der Berliner Secession und des Deutschen Werkbundes teil als auch an der Biennale in Venedig und an den documenta I bis III in Kassel (1955, 1959, 1964). Er war seit 1955 Mitglied der Berliner Akademie der Künste und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Villa-Romana-Preis (1928), die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt a. Main (1949), den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1954) sowie den Kunstpreis der Stadt Berlin (1955).

Bundesrechnungshof

Architektur: Josef Trimborn
Bauzeit: 1953-54

Bundesrechnungshof
Adenauerallee 81-83
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (1954-1988), Auswärtiges Amt (1988-2000), seit 2000 vom Bundesrechnungshof genutzt

Weitere Kunstwerke: Bundesrechnungshof, Bonn