Ursula Sax: Sitztreppenanlage und korrespondierende Deckenskulptur 1980
Die Deutsche Schule in Brüssel ist eine von weltweit mehr als 140 deutschen Schulen im Ausland. 1970 wurde der Neubau fertig gestellt. Das nach Plänen des auf Schulbauten spezialisierten Berliner Architekten Karl Otto errichtete Gebäude fasst vorgefertigte kubische Konstruktionselemente zu einem kompakt verschachtelten und funktional flexiblen Baukörper zusammen. Als Kunst am Bau für dieses innovative Schulgebäude wurde auf dem Vorplatz eine große freistehende Skulptur des Bildhauers Henner Kuckuck aufgestellt. Für die im zweiten Bauabschnitt auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinzugekommene Grundschule dagegen strebte die Bundesbaudirektion die integrale Lösung einer künstlerisch gestalteten Sitztreppenanlage in der Halle an, die gleichzeitig Pausenhalle, Veranstaltungsort und Erschließungsraum ist.
Der Auftrag erging an die Bildhauerin Ursula Sax (* 1935). Die Künstlerin war insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren an zahlreichen und wichtigen Kunst-am-Bau-Projekten des Bundes und anderer öffentlicher Bauherren beteiligt und hatte mit konstruktiv geprägten Deckenskulpturen, Hängereliefs, Freiplastiken und Installationen in verschiedenen Materialien Anerkennung gefunden. Viele ihrer dezentralen und antihierarchischen Arbeiten setzen sich unmittelbar mit Architektur und Raum auseinander. Das gilt besonders für ihr künstlerisches Konzept an der Deutschen Schule in Brüssel. Sax gestaltete in der Halle der Grundschule eine mit Holz verkleidete unregelmäßig geformte Sitztreppenanlage. Nachdem sie von anderen Entwürfen mit Rücksicht auf Funktionsanforderungen und Sicherheitsbelange Abstand nehmen musste, entwarf sie als kühnes künstlerisches Gegenstück ein luftiges Deckengebilde aus rohem Kiefernholz, das die gefächerte Form der Stufen in entgegengesetzter Richtung aufgreift und sich als leiterähnliche autonome Gelenkstruktur wirkungsvoll in den Raum einbringt. Ursula Sax sagte einmal: „Ich pflege nicht, was ich ohnehin mache, auf die Bausituation zu übertragen, sondern ich umkreise die Aufgabe, um herauszufinden, was sie mir entlockt, was mir dazu einfällt; was ich mit dem, was mir zur Verfügung steht an Schöpferischem, hier, für diesen Anlaß erfinden kann.“ Die Umsetzung dieses anspruchsvollen integralen Kunst-am-Bau-Ansatzes ist Ursula Sax auch in dieser unverwechselbaren Arbeit eindrucksvoll gelungen. Die Deckenelemente mussten infolge eines Wasserschadens abgebaut werden, die Sitztreppenanlage im sog. "Amphitheater" wird jedoch nach Auskunft der Verwaltungsleitung 2024 gern und intensiv genutzt. MS/UC
Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation 03/2019, März 2019.
Weiterführende Literatur:
Otto, Karl, 1971: Deutsche Schule in Brüssel. In: Bauen + Wohnen, 25, Heft 2: Schulbauten. URL: http://dx.doi.org/10.5169/seals-333961 (PDF erstellt am 12.09.2015) (Abgerufen am 12. September 2015).
Der Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.); Wolfgang Leuschner (Bearb.), 1980: Bauten des Bundes: 1965–1980. Karlsruhe, S. 114 f. (zur Architektur).
Installation
Kiefernholz
59.310 €
Direktvergabe
Grundschule
Halle der Grundschule
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar
Kunstwerk existiert nicht mehr
Künstlerin : Ursula Sax
Ursula Sax, geboren 1935 in Backnang, ist eine deutsche Künstlerin. Sie studierte Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und an der Hochschule der Künste in Berlin. Sie erhielt Gastprofessuren an der Hochschule der Künste in Berlin inne, von 1990-2000 war sie Professorin für Bildhauerei an den Hochschulen für Bildende Künste in Braunschweig und Dresden. Sie erhielt zahlreiche Preise, u.a. Villa Romana Florenz, Kunstpreis der Böttcherstraße, Cité des arts, Paris, Will-Grohmann-Preis, Hand Hollow Foundation, USA. Charakteristisch für ihre Arbeit ist ihr Interesse an Architektur und Raum, das sich in Werken in unterschiedlichen Materialien niederschlug. Als Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum realisierte sie u. a. abstrakte Arbeiten aus Holz (Deutscher Entwicklungsdienst, Berlin, 1977; Deutsche Schule in Brüssel, 1977-1980), stählerne Hängereliefs (Deutsches Institut für Arzneimittel, heute: Robert Koch-Institut, 1982), Freiplastiken aus Edelstahl (Deutsche Botschaft in Kairo, 1982) und eine Installation mit figürlichen Elementen (Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin, 2000). Am bekanntesten dürfte ihre 1992 entstandene 50 Meter lange Großskulptur „Looping“ am Berliner Messegelände sein.
Grundschule Wezembeek-Oppem / Brüssel
Architektur: Karl Otto
Bauzeit: 1979
Internationale Deutsche Schule Brüssel
Lange Eikstraat/Rue du Long Chaîne 71
1970 Wezembeek-Oppem / Brüssel
Belgien
1967 wurde der deutsche Architekt Karl Otto von der Auslandsabteilung der Bundesbaudirektion damit beauftragt, das Schulzentrum für die Deutschen Schule in Brüssel zu planen. 1970 wurde der Neubau in Wezembeek-Oppem bezogen. 1979 wurde der Schulkomplex um eine Grundschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite erweitert.