Rainer Splitt : Reflecting Pool 2007

  • Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

    Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

  • Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

    Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

  • Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

    Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

  • Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

    Rainer Splitt: Reflecting Pool, 2007 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Hanns Joosten (2008)

Die vom Berliner Architekten Holger Kleine entworfene Deutsche Botschaft Warschau weist den Bereichen Kanzlei, Visa-Abteilung und Residenz drei lebhaft strukturierte Baukörper zu. Deren vielfältige Formen, Zuordnungen und Materialien sollen die Komplexität gesellschaftlicher Dialogstrukturen und Prozesse spiegeln und stellen – mit dem grün eingefärbten und mit einem eingeprägten Blattmuster versehenen Beton der Fassade – einen Bezug zum Garten her.
Als Kunst am Bau wünschte man für den Außenbereich der Botschaft eine Skulptur, die die Fernwirkung und Blickachsen aus dem Foyer, dem Empfangsflügel und von der Dachterrasse des Gebäudes berücksichtigen sollte. Der von der Jury mit knapper Mehrheit bestplatzierte Entwurf von Birgid Helmy (Jahrgang 1957) – eine Plastik zweier Skater als Sinnbild der Freundschaft und Völkerverständigung – fand beim Auswärtigen Amt als Nutzer keinen Anklang. Ausgeführt wurde stattdessen der zweitplatzierte Entwurf, der „Reflecting Pool“ des Künstlers Rainer Splitt (Jahrgang 1963). Ein etwa 9 x 5 Meter großer leuchtend blauer Farbguss auf der Rasenfläche nimmt Form, Farbe und Wirkung eines Teichs an.
Es gibt keine thematischen Bezüge zu Wesen und Funktion der Botschaft und zum Gastland. In der Flächigkeit des Pools spricht sich ein Verzicht auf auratische Hoheitsansprüche der Kunst wie auch ein Verzicht auf staatshoheitliche Repräsentation aus. Die Kunst-am-Bau-Aufgabe erfüllt „Reflecting Pool“ als Simulacrum eines Teichs in Bezug auf den Garten und trifft sich darin mit der Architektur, die in der Gestaltung der Fassade mit dem grünen Blattmuster-Kunststein die Annäherung an die Natur sucht. Der „Reflecting Pool“ allerdings gibt dem Bild eines natürlichen Phänomens, eines Teichs, eine betont artifizielle Erscheinung. So thematisiert das Werk mit den künstlerischen Möglichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts einen von der Kunst längst aufgegebenen, im Grunde romantischen Naturbegriff. Die an die Pop Art erinnernde grelle Farbigkeit und Spiegelglätte der Oberfläche schaffen eine ironische Distanz, die dem in der Arbeit angelegten Anschein der Idylle widerspricht und eine naive Naturrezeption verhindert. Die strahlende Künstlichkeit der Farbe und die Fähigkeit, die Umgebung zu spiegeln, ziehen den Betrachter an und fordern die Auseinandersetzung mit der Kunst im Sinne von ästhetischer Erkenntnis und Selbsterkenntnis. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014.


Installation
Farbguss (Polyurethan, Pigmente)
ca. 500 x 900 cm
82.000 €
offener Wettbewerb mit 339 Teilnehmern

Deutsche Botschaft Warschau, Kanzlei und Residenz
Garten, Grünfläche im Bogen der Exedra
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Rainer Splitt

Rainer Splitt, geboren 1963 in Celle, ist bildender Künstler. Von 1984 bis 1991 studierte er an der HBK Braunschweig, an der École des Beaux Arts in Nîmes/Frankreich und der School of Visual Arts, New York/USA. Bekannt ist er vor allem für seine begehbaren, spiegelnden „Farbseen“, in Farbe getauchte Tafeln oder Leinwände, mit Kunstharzlack überschüttete Objekte, sogenannte Gussboxen, oder Lack-Schüttungen auf Papier („Paperpools“). Splitt nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil und erhielt Stipendien, u. a. des DAAD und der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Für den Postplatz in Dresden realisierte er die Wasserskulptur „Waterscreen“ (2007), für die Deutsche Botschaft in Warschau/Polen einen Farbguss im Garten der Botschaft („Reflecting Pool“, 2007).

Deutsche Botschaft Warschau, Kanzlei und Residenz

Architektur: Holger Kleine Architekten
Bauzeit: 2005-2008

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Jazdów 12 b
00-467 Warschau
Polen

Für den Neubau der Deutschen Botschaft wurde 1997 ein Grundstück in bester Lage erworben. Zwischen 2005 und 2008 wurde dann das Gebäude, das die Kanzlei, die Residenz des Botschafters und das Konsulat umfasst, durch Holger Kleine Architekten errichtet.