Gunda Förster : Raum - Struktur - Rhythmus 2012

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

  • Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

    Gunda Förster: Raum - Struktur - Rhythmus, 2012 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Gunda Förster (2012)

Von zwei Kunst-am-Bau-Wettbewerben für das grundsanierte Bürogebäude Wilhelmstraße 65 des Deutschen Bundestages bezog sich einer auf die Standorte Foyer und den Tunnel, der das Haus unterirdisch mit dem Jakob-Kaiser-Haus und so auch mit den übrigen Bundestagsgebäuden verbindet.
Den mit dem Fahrstuhl oder über Treppen erreichbaren, etwa acht Meter unter der Erde liegenden Verbindungsgang hat die Berliner Künstlerin Gunda Förster (Jahrgang 1967) mit vertikalen und horizontalen LED-Lichtstäben ausgestattet. Die Lichtleisten werden von 6 x 6 Zentimeter starken profilbildenden Acrylglasrahmen eingefasst, deren Filterglas die Wirkung der gelben LEDs nuanciert und verstärkt, so dass dank der torähnlichen Anordnung und Erscheinung der Leuchten in der Passage eine intensive gelborangefarbene Lichtstruktur entsteht.
Der Tunnel an sich ist in keiner Weise auf Eleganz oder Repräsentanz angelegt. Er stellt eine schnelle Verbindung zu den übrigen Bundestagsgebäuden her und wird von Funktions- und Sicherheitsanforderungen und der Enge geprägt, die geschlossene Tunnel üblicherweise mit sich bringen. Etwa in der Mitte verringert er seine Höhe und knickt dort auch ab. Gunda Förster geht differenziert auf die Architektur ein, indem sie Tempo und Rhythmus der insgesamt 43 Lichttore variiert und die Zahl der Leuchtstäbe zur Mitte des Tunnels hin erhöht.
Die Installation stellt die Wahrnehmung des Raums auf den Kopf. Dabei „verschönert“ das Licht weniger den Raum. Vielmehr entschärft es die sprichwörtliche „Tunnelsituation“, die viele Menschen beängstigt, und erzeugt in der Suggestion von warmem Tages- beziehungsweise Sonnenlicht eine positive Atmosphäre. Försters Kunst reagiert auf die wahrnehmungsästhetischen Belange und Anforderungen des Ortes. Die Kunst nimmt den Nutzer des Tunnels für sich ein, ohne den Passierenden mit dem „Wohlfühl“-Design eines unstrukturierten, diffusen Lichts zu überwältigen. Vielmehr gliedert sie das Licht staccatohaft und vermittelt es in der Dosierung rhythmisch gestaffelter Lichtstäbe. So treffen hier gestalterische Prinzipien aufeinander. Alte kunsttheoretische Diskurse um den Vorrang von Farbe, die für Gefühl steht, und Formgebung, die für Intellekt steht, erlangen in der Harmonisierung eine anspruchsvolle künstlerische Aktualität. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014.


Lichtinstallation
LED-Lichtleisten
Gesamtlänge der Lichtleisten: 385 m
80.000 €

Haus für Abgeordnete
Tunnel zum Jakob-Kaiser-Haus
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin : Gunda Förster

Gunda Förster, geboren 1967 in Berlin, studierte von 1991 bis 1997 an der Hochschule der Künste Berlin und arbeitet seit Mitte der neunziger Jahre immer wieder mit den Medien Licht, Video und Fotografie. Vor allem aber realisiert sie – für Museen, für den öffentlichen Raum und als Kunst am Bau – Installationen. Dabei spielen sowohl natürliches als auch künstliches Licht eine entscheidende Rolle. Gunda Förster wurde in den letzten Jahren mit Kunstpreisen wie dem „LUX.US Lichtkunstpreis der Stadtwerke Lüdenscheid“ ausgezeichnet und erhielt zahlreiche Stipendien. Kunst am Bau realisierte sie zum Beispiel für den Deutschen Bundestag, Berlin („Raum-Struktur-Rhythmus“, 2012) und in Nizza („Blue“, 2007).

Haus für Abgeordnete

Bauzeit: 1974-76

Deutscher Bundestag Verwaltung
Wilhelmstraße 65
10117 Berlin

Der Bau Wilhelmstraße 65 wurde von 1974 bis 1976 als Bürogebäude des Außenministeriums der DDR errichtet. In den neunziger Jahren war darin unter anderem die Botschaft Afghanistans untergebracht. Nach Grundsanierung durch Lieb + Lieb Architekten beherbergt es seit 2012 Büros der Bundestagsverwaltung.