Nan Hoover : Proposal 2000

  • Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Nan Hoover: Proposal, 2000 / © Nan Hoover; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

Stephan Balkenhol, Ludger Gerdes, Kubiak & Rauch, Olaf Nicolai und Nan Hoover waren eingeladen, einen Wettbewerbsbeitrag für das WSA Eberswalde zu erarbeiten. An Nan Hoovers Idee für eine dreikanalige Videoinstallation schätzte die Wettbwerbsjury die explizite und dem Selbstdarstellungsbedürfnis des Nutzers weiter entgegenkommende Modernität: "Das relativ neue und ungewohnte Medium Video löst einerseits Verunsicherung aus, kommt aber andererseits dem Selbstverständnis des Nutzers, immer an der Spitze der Entwicklungen zu liegen, entgegen."
Die 1931 in New York geborene, seit 2005 in Berlin lebende Künstlerin ließ drei Weitwinkelbildschirme in Augenhöhe in die Wand des Foyers ein, auf denen in Schwarzweiß Wasser, Wind und Sonnenlicht zu sehen und dazu Geräusche von fließendem Wasser zu hören sind. Die jeweils gleichen Bilder sind auf den hinter der Wand installierten Videorepeatplayern so programmiert, dass ihre Veränderung den Eindruck lebhafter Wasserbewegung erweckt. Die Auge und Ohr ansprechenden Bilder der Arbeit mit dem hintersinnig schillernden Titel "Proposal" (dt.: 'Angebot, Anregung, Ansatz, Antrag, Ausschreibung, Heiratsantrag, Projektierung, Vorschlag' usw.) sprudeln abstrakt und expressiv vor sich hin und verlangen eine gewisse Annäherung: "Aufgepeitscht durch den Wind und im Zusammenspiel mit Sonnenlicht scheint das Wasser zu züngeln wie Feuer. Die schwarz-weiß Bilder verraten nicht, welches Element gezeigt wird. Aber in unmittelbarer Nähe der Videowand kann man ganz leise das plätschende Wasser hören." (Niederschrift des Preisgerichts.)
Nan Hoover, die als Nachfolgerin von Nam June Paik an der Kunstakademie in Düsseldorf und darüber hinaus auch an der Kunsthochschule Amsterdam lehrte, ist die Grande Dame der Video- und Lichtkunst. Nach ihrem Studium der Malerei in Washington und ihrer Umsiedlung 1969 nach Amsterdam wandte sie sich Installationen, Performances, Fotografien und Videoarbeiten zu, wobei sie die einzelnen Medien als Malerei mit "anderen Pinseln" begreift. Ihre mehrfach auf der Documenta und in zahlreichen anderen Ausstellungen gezeigten Werke entfalten eine eigenwillige poetische Bildsprache, die sich jeder Eindeutigkeit und Griffigkeit entzieht. In oft nicht näher zu bestimmenden räumlichen Zusammenhängen zeigen ihre Tapes Körper, Landschaften oder abstrakte Formen, die Licht und Schatten ausgesetzt sind. Es sind Bilder, die mit ihrer Tendenz zu Abstraktheit und thematischer Uneindeutigkeit die physischen und psychischen Bewandtnisse des Sehens ergründen und von dort aus zu Fragen des menschlichen Seins vordringen.
Im Unterschied zu ihrem nur wenig später im Jahre 2001 als Kunst am Bau geschaffenen Lichtobjekt im Foyer der Münchner Kammerspiele, wo Künstlerin, Auftraggeber und Architekt direkt kooperierten, wurde das Eberswalder Konzept ohne Beteiligung des Architekten vom Auftraggeber umgesetzt. Im Vergleich zu den Konkurrenzentwürfen nimmt sich die Installation gegenüber der Architektur stark zurück und bleibt der Wand verhaftet. Den Ansatz erläutert Nan Hoover so: "Als Künstlerin, die eine Konzeption für ein Werk im öffentlichen Raum macht, ist es mir wichtig, mit der Architektur zu arbeiten – ich sehe meine Arbeit als eine Ergänzung der Architektur mehr denn als ein autonomes Kunstwerk. Man muß natürlich nicht nur die Architektur, sondern auch die Raumsituation, das Publikum und die Interaktion von Bewegung und Funktion in dem öffentlichen Raum berücksichtigen."
Mit Nan Hoovers abstrahierender und auf Farbe verzichtenden Arbeit hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt durchaus etwas gewagt. Es beschert der knapp 42.000 Einwohner zählenden Kreisstadt im Nordosten Brandenburgs eine innovative Arbeit, die sich in der künstlerischen Qualität als Pendant der spektakulären Fotofassade bewährt, die der Düsseldorfer Fotokünstler Thomas Ruff 1998 für Herzog & de Meurons Bibliothek der Fachhochschule im Zentrum der Stadt gestaltet hat. MS

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin / Anna-Sophie Laug / Lisa Kreft (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation 02/2019, März 2019.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2000-2006, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Berlin 2007.


Videoarbeit
Videoarbeit auf drei Monitoren
ca. 200 x 250 cm
23.972 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 5 Teilnehmern

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel
Foyer im Hauptgebäude
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin : Nan Hoover

Nan Hoover (1931 New York - 2008 Berlin), Licht-, Video- und Performancekünstlerin, Malerin, Zeichnerin, Bildhauerin. Studium der Malerei und Zeichnung an der Abbott Art School in Washington, D.C. (1949–53) sowie der Bildhauerei im Sculptors Studio bei William Taylor, Washington, D.C. (1956). 1969 Umzug nach Amsterdam. Professorin für Video und Film an der Kunstakademie Düsseldorf (1986–96) und an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam (1998–99). Ab 2005 in Berlin ansässig. Ehrenpreis des Film- und Videofestivals Osnabrück (1986), 1. Preis der Video-Biennale in Ljubljana (1987, zusammen mit Dan Reeves), RischArt-Preis München (1991), Künstlerinnenpreis des Ministeriums für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen im Bereich Multimedia/Neue Medien (1996). Zahlreiche Einzelausstellungen sowie u.a. Teilnahme an der documenta in Kassel (1977, 1982) und der Biennale in Venedig (1984, 2003). Lichtinstallationen im öffentlichen bzw. halböffentlichen Raum, z.B. Münchner Kammerspiele, Stadstheater Zoetermeer/NL, Hardenberg Railway Station/NL.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel

Architektur: Staatliches Bauamt Detmold
Bauzeit: 1999

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel
Schneidemühlenweg 21
16225 Eberswalde
Brandenburg

Das Gebäude wurde 1999 vom Staatlichen Bauamt Detmold für das 1990 gegründete Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde errichtet. Seit 2020 firmiert das WSA Eberswalde als WSA Oder-Havel.