Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung) 1954

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Charles Crodel: o. T. (Säulenverkleidung), 1954 / © Charles Crodel; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

Zu den wenigen Neubaumaßnahmen der Regierung in den fünfziger Jahren gehörten das Auswärtige Amt und das vom Architekten Josef Trimborn entworfene, angrenzende Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen. Das seit 2000 vom Bundesrechnungshof genutzte ehemalige Postministerium steht heute unter Denkmalschutz. Es ist ein hell verputzter und gleichförmig durchfensterter vierflügeliger Verwaltungsbau. Auf der dreigeschossigen Straßenseite öffnet er sich mit einem repräsentativen Pfeilerportikus, ansonsten wirkt er eher nüchtern. Zurückhaltend ist auch die Kunst am Bau im Außenbereich. Der Münchner Bildhauer Hans Wimmer hat über dem Eingang eine Kartusche mit Bundesadler und an der zum Rhein zeigenden Fassade des Sitzungssaals (heute Bibliothek) fünf die Kontinente symbolisierende Tierplastiken angebracht. Im begrünten Innenhof ist eine Bronzefigur von Gerhard Marcks aufgestellt.
Für die dritte Kunst-am-Bau-Maßnahme aus der Entstehungszeit des Gebäudes hatte der Architekt Trimborn den Künstler Charles Crodel (1894-1973) vorgeschlagen. Er gestaltete im Casino die zehn Säulen, die die großflächige Entfaltung des Raumes erlauben und ihn rhythmisch gliedern. Die unten von Messingringen und oben von messingfarbenen Leuchten umkränzten Säulen sind nach Crodels Entwurf mit halbrund gebogenen, weißen Detopak-Glaskeramikplatten verkleidet. In diese ist eine Vielzahl von Motiven eingeschliffen, die sich auf die vier Jahreszeiten und auf den Bereich „Essen“ beziehen. Eine der Säulen zeigt das von Crodel in seinen Werken als Signatur verwendete Motiv der Leiter und die Datierung 1954. Andere Platten zieren abstrakte Zeichen. Es dominiert aber Figürliches: Neben kleinen Genreszenen häuslicher Tätigkeiten finden sich stilisierte Pflanzen, Blüten und Früchte oder Dinge wie Stühle und Tische, Blumentöpfe, Vogelkäfige oder auch eine Schere. Immer wieder begegnen dem Betrachter heimische und exotische Tiere, kleine Wiesen- oder große Berglandschaften, Gestirne und auch ein naives Sonnengesicht, ein Heißluftballon, ein rätselhafter Fallschirmjäger oder die Aesop-Fabel „Der Fuchs und der Storch“.
Die Darstellungen addieren sich zu einer heiter-dekorativen Bildwelt. Die Motive und auch die Unbekümmertheit, mit der diese über die Fugen hinweg gezeichnet sind, beleben subtil die strenge Gliederung der Säulen mit fünffach übereinandergestapelten und gegeneinander versetzten Halbschalen. Gleichzeitig nehmen sich die Gravuren vornehm und sehr elegant zurück. Weiß auf Weiß, nur durch Lichteinwirkung unterschieden, sind die geschliffenen Zeichnungen sparsam, dabei prägnant gelegentlich durch Goldfarbe akzentuiert. Das strahlende Weiß der Säulen setzt sich nuanciert gegen den dunklen Boden und das hellblaue Mobiliar ab, während ihre Zylinderform mit der nischenähnlichen Gestalt der holzvertäfelten Längswand korrespondiert. Ohne vorzuherrschen, bringt sich Charles Crodels Kunst mit einem wirkungsvollen Akzent in den Speisesaal ein und trägt ganz wesentlich zu dessen vornehmer Erscheinung und der hohen Verweilqualität bei. MS


Glasarbeit
Glaskeramik (Detopak) mit Ornament-Schliff, goldene Muffelfarbe
Höhe ca. 400 cm
Direktvergabe

Bundesrechnungshof
Kantine
während der Öffnungszeiten zugänglich

Künstler: Charles Crodel

Charles Crodel (1894 Marseille - 1973 München) war Maler und Grafiker. Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Archäologie absolvierte er eine Lehre als Drucker und Lithograf. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle Malerei und Grafik. Er hatte Lehraufträge an der Hochschule für bildende Künste in Berlin und an der Kunstakademie in München sowie Gastprofessuren in den USA. Nach seiner Entlassung aus dem Lehramt und der Beschlagnahmung oder Zerstörung seiner Arbeiten wandte sich Crodel zur Zeit des Nationalsozialismus verstärkt dem Kunsthandwerk zu. Seine Arbeiten verbinden häufig expressive und dekorative Elemente. Zu den zahlreichen baugebundenen Werken Crodels gehören Altäre, Glasmalereien für Kirchen und Wandmalereien. Bedeutende Mosaikwände entstanden unter anderem für die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche in Berlin (1957), Keramikarbeiten schuf er für den Weißen Saal der Philharmonie Essen (1954) sowie – in Zusammenarbeit mit Sep Ruf – für das Studentenwohnheim Schloss Biederstein in München-Schwabing (1955). Charles Crodel erhielt unter anderem den Dürer-Preis der Stadt Nürnberg (1930) und den Villa-Romana-Preis (1931).

Bundesrechnungshof

Architektur: Josef Trimborn
Bauzeit: 1953-54

Bundesrechnungshof
Adenauerallee 81-83
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (1954-1988), Auswärtiges Amt (1988-2000), seit 2000 vom Bundesrechnungshof genutzt

Weitere Kunstwerke: Bundesrechnungshof, Bonn