Daniela Klein: o. T. (Installation) 2001

  • Daniela Klein: o. T. (Installation), 2001 / © Daniela Klein; Fotonachweis: BBR / Monika Fielitz (2001)

    Daniela Klein: o. T. (Installation), 2001 / © Daniela Klein; Fotonachweis: BBR / Monika Fielitz (2001)

  • Daniela Klein: o. T. (Installation), 2001 / © Daniela Klein; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

    Daniela Klein: o. T. (Installation), 2001 / © Daniela Klein; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

Die ehemalige Pförtnerloge am alten Haupteingang der von 1974 bis zum Tag der Wiedervereinigung 1990 existierenden Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Deutschen Demokratischen Republik nutzte Daniela Klein (*1974) als inhaltlichen und räumlichen Ausgangspunkt für ihre Installation. Die Ständige Vertretung hatte nicht nur die wichtige politische Aufgabe wahrzunehmen, die Interessen der Bundesrepublik in der DDR zu vertreten, sondern auch privatrechtliche Fragen wie die der Familienzusammenführung oder Erbschaftsangelegenheiten zu klären. Aus diesen Gründen kamen täglich Bürger mit ihren Anliegen. 1975 suchten erstmals Menschen Zuflucht in der Ständigen Vertretung, um die Ausreise aus der DDR zu erzwingen. Nachdem sich derartige Fälle häuften, wurde die Vertretung 1977 vorübergehend von einem Großaufgebot der Volkspolizei abgeriegelt. Zeitweilige Schließungen und Verhaftungen wegen „unerlaubter Kontaktaufnahme“ konnten das Ansteigen der Zahl ausreisewilliger Bürger nicht verhindern. Bei Massenbesetzungen zwischen 1984 und 1989 befanden sich zeitweise über 130 Menschen auf dem Gelände der Ständigen Vertretung. Um das zu verhindern, wurden die Warteräume umgebaut. Doch nichts konnte den Fall der Mauer 1989, ausgelöst durch die Demonstrationen der friedlichen Revolution in der DDR, aufhalten. Am Tag der Wiedervereinigung 1990 konnte die Ständige Vertretung somit geschlossen werden. Im Rahmen der baulichen Maßnahmen für die Nachnutzung des Gebäudes durch das Bildungsministerium wurde in konzeptueller Anlehnung an die Aufgaben der Behörde ein zweistufiger Kunst-am-Bau-Wettbewerb für Kunsthochschulen ausgelobt. Das Entscheidungsgremium aus Vertretern des Kunstbeirats, der Bauverwaltung, des Nutzers sowie Künstlern empfahl fünf Arbeiten zu Realisierung, dazu gehört die installative Arbeit von Daniela Klein (*1974). Standort ist die Pförtnerloge, die heute nicht mehr genutzt wird und verschlossen, aber von der Straße aus einsehbar ist. Klein hat an der hinteren Wand der Pförtnerloge eine Spionspiegelscheibe angebracht, in der das Inventar gespiegelt wird, das außerhalb des Blickfeldes des Betrachters vor der straßenseitigen Wand steht. Zu diesem Inventar gehören drei alte, nicht mehr benutzte Überwachungsmonitore. Auf ihnen ist der Text „Entscheidung mit den Füßen“ in der Spiegelreflexion zu lesen, ein Verweis auf die teilweise dramatischen Ereignisse an der Pforte im Zuge der Massenbesetzungen wie auch auf die Präsenz von Menschen auf der Straße, die mit Demonstrationen die friedliche Revolution herbeigeführt haben. SvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 254 f.


Installation
Spiegel, Monitore
17.453 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb

Altbau
ehemalige Pförtnerloge am alten Haupteingang
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstlerin : Daniela Klein

Daniela Klein (*1974), Studium an der Kunsthochschule Mainz und an der Hochschule der Künste Berlin. Ausstellungen u. a. im Künstlerhaus Stuttgart, Kunstraum b2 Leipzig, Showroom 5 Cassland Road London, basis Wien. Kunst im öffentlichen Raum u. a. „Der Steg“ Theaterplatz Weimar 1999.

Altbau Berlin

Altbau

Architektur: Hans Scharoun
Bauzeit: 1949

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Hannoversche Straße 28-30
10115 Berlin

Der 1913 errichtete Kasernenbau wurde 1949 von Hans Scharoun umgebaut, der im Dachgeschoss sein Atelier einrichtete. Bis 1973 hatte auch die Deutsche Bauakademie dort ihren Sitz. 1973-74 wurde der Bau von der Bundesbaudirektion umgebaut und durch einen Pavillon im Garteerweitert. Bis 1990 diente das Ensemble sals Sitz der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR. Nach Herrichtung und Erweiterung durch Jourdan & Müller Architekten war er ab 2000 Zweiter Dienstsitz des BMBF; seit 2015 wird er vom BMWE genutzt.