Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21 2001

  • Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

    Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

  • Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

    Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Archiv BBR (2001)

  • Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / André Kirchner (2001)

    Thomas Florschuetz: Multiple Entry # 6 | Multiple Entry # 21, 2001 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / André Kirchner (2001)

Die Kunst am Bau im Hauptgebäude des Bundesverkehrsministeriums in Berlin ist sehr präsent. Neben architekturbezogenen Installationen von Rebecca Horn im Altbau und Günther Förg im Neubau wurden auf Empfehlung des Kunstbeirats und des Architekten Max Dudler Fotografien von Thomas Struth, Miguel Rothschild, Matthias Hoch, Thomas Wrede, Thomas Florschuetz und Yehuda Altmann für die Ausgestaltung der Aufenthaltsbereiche und Wartezonen auf allen Etagen des Neubaus angekauft. Im vierten Obergeschoss hängen fünf großformatige Fotografien des international anerkannten Künstlers Thomas Florschuetz (*1957) aus der Serie „Multiple Entry“, die Ende der 1990er-Jahre entstanden ist. Zu sehen ist der stark vergrößerte Ausschnitt eines geöffneten doppelflügeligen Kastenfensters, wie sie in Altbauten verbreitet sind. Florschuetz fotografierte es zu unterschiedlichen Tageszeiten unter wechselnden Lichtbedingungen und aus minimal verschobenen Positionen. Je nach Blickwinkel, Stellung der Fensterrahmen und gewähltem Ausschnitt verändern sich die Reflexionen auf den Glasscheiben, sodass neben Lichtspiegelungen teilweise auch Fassadenfragmente der gegenüberliegenden Straßenseite zu sehen sind. Das Fenster ist ein klassisches Bildmotiv in der Kunst für den Übergang von innen nach außen, von privat zu öffentlich. Für Florschuetz repräsentiert der Fensterrahmen darüber hinaus den sichtbaren Ausschnitt der Welt, den das Auge und der Verstand wahrnehmen und die Kamera festhält. Seit den 1980er-Jahren ist sein Werk durch extreme Betrachtungswinkel und fragmentarische Motivausschnitte gekennzeichnet. Waren es zu Beginn verfremdete Darstellungen seines Körpers und florale Motive, setzte er sich in den letzten Jahren fotokünstlerisch vorwiegend mit Architektur auseinander. Durch die fragmentarisierende Darstellung seiner Motive entstehen autonome Bilder, die neue Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnen, weil sie die Gebäude nicht durch markante Gesamtaufnahmen porträtieren, sondern die Brechungen des Blicks, die Reflexionen und Irritationen, die durch sich ineinander spiegelnde Glasflächen entstehen, hervorheben. Dieser künstlerische Ansatz erfährt in dem Werk „Multiple Entry # 21“ eine besondere Wendung, denn durch die Aufhängung neben einem raumhohen Fenster im Neubau des BMVBS setzt sich die Irritation, welche Spiegelung welchem Ort zuzuordnen ist, auf faszinierende Weise fort. SvM

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin (Autoren), BMVBS (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950. BMVBS-Online-Publikation 25/2012.

Weiterführende Literatur:
A.-Kat. Thomas Florschuetz. Are you talking to me? Sprichst Du mit mir?, Kunstmuseum Bonn, BALTIC Gateshead, Kunstsammlung Chemnitz, Göttingen 2004.
Kunst am Bau. Die Projekte des Bundes in Berlin, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin 2002, S. 238 f.
A.-Kat. Thomas Florschuetz. Multiple Entry, Museum Zwickau, Zwickau 1998.


Fotoarbeit
5 Cibachrome-Fotos, gerahmt
je 181,5 x 121,5 cm
40.903 €
Ankaufsverfahren mit 6 Teilnehmern

Erweiterungsbau
Viertes Obergeschoss des Neubaus
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Thomas Florschuetz

Thomas Florschuetz (*1957), deutscher Fotograf und Künstler. Umzug von Zwickau nach Ostberlin 1981. Erste Ausstellung im Jugendklub Wilhelm-Pieck-Straße 1983. Übersiedlung nach Westberlin 1988. Internationale Ausstellungen, u. a. Goethe House New York 1993, Kunsthalle Budapest 1998, Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden 1999, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin 2001, BALTIC Center for Contemporary Art, Gateshead 2004, Pinacoteca do Estado de São Paulo, São Paulo, Brasilien 2006, Kunsthalle Tübingen 2010. Zahlreiche Preise, darunter 1. Preis für junge europäische Fotografen Frankfurt a. M. 1987, Dorothea von Stetten Kunstpreis Bonn 1994, Deutscher Kritikerpreis für bildende Kunst 2004.

Erweiterungsbau

Architektur: Max Dudler
Bauzeit: 1997-2005

Bundesministerium für Digitales und Verkehr
Invalidenstraße 44
10115 Berlin

An den 1875-1878 nach Plänen des Architekten August Tiede als Geologische Landesanstalt und Bergakademie errichteten und ab 1996 für das Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung von Gerber Architekten aus Dortmund umfassend sanierten Altbau wurde mit einem Neubau von Max Dudler aus Berlin erweitert, an den 2003-2006 ein zweiter Erweiterungsbau nach Plänen von Max Dudler angefügt wurde.