Leo Kornbrust : Innere Linie 1993

  • Leo Kornbrust: Innere Linie, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Leo Kornbrust: Innere Linie, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

Für die Kunst am Bau an der 1991-1993 errichteten Deutschen Botschaft in Helsinki standen für die Kunst am Bau insgesamt 670.000 DM zur Verfügung, so dass für den Innen- und den Außenbereich jeweils ein Wettbewerb ausgelobt wurde. Im Inneren reüssierte Frank Michael Zeidler mit einer Serie von sechs großformatigen abstrakten Malereien und im Außenbereich Edgar Gutbub mit einer zweiteiligen Skulptur aus kubischen Elementen für den Residenzgarten. Da der für Kunst am Bau zur Verfügung stehende Geldbetrag mit den Wettbewerbsbeiträgen noch nicht ganz ausgeschöpft war, empfahl das Preisgericht, auch Leo Kornbrusts (Jahrgang 1929) Entwurf "Innere Linie", der im Wettbewerb mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde, zu realisieren und neben der Arbeit von Gutbub im Residenzgarten aufzustellen.
Bei Kornbrusts Werk handelt es sich um die Setzung eines an seinen Seiten durchgeschliffenen hochragenden Keiles, dessen dunkler Granit als Reaktion auf die nördlichen Lichtverhältnisse gedacht ist. Im Einklang mit seinem Skulptur-Konzept zum Thema "menschliche Figur" ließ Kornbrust dabei eine fragile Mittelachse, die "innere Linie", entstehen. Indem die bruchrauhen Umrisskanten an den schmalsten Stellen der Vorderkante gerade einmal einen Millimeter messen, suggerieren sie entgegen der grundsätzlichen Dauerhaftigkeit und Stabilität des Granits, aber im Einklang mit Kornbrusts Figuren-Konzept Zerbrechlichkeit und eine existentielle Gefährdung. Ähnlich wie Edgar Gutbub begibt sich Leo Kornbrust mit seiner dramatisch zugespitzten Kunst in Opposition sowohl zur stabilen Tektonik der Architektur als auch zu der in sich ruhenden Organik der umgebenden Natur.
Neben der Skulptur von Leo Kornbrust konnten aus den Kunst-am-Bau-Restmitteln noch weitere Kunstwerke finanziert werden, so dass für die Ausstattung von Kanzlei und Residenz Tafelbilder von Frank Badur, Christian Hanussek und Barbara Steppe angekauft wurden, die am Wettbewerb für die künstlerische Innenausgestaltung teilgenommen hatten. MS/UC

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Kunst am Bau bei Deutschen Botschaften und anderen Auslandsbauten. BMVBS-Online-Publikation 11/2011.


Freiplastik / Skulptur
Impala Granit
330 x 235 x 80 cm
76.694 €
Auftrag nach Teilnahme am Wettbewerb mit 5 Teilnehmern

Deutsche Botschaft Helsinki, Kanzlei und Residenz
Garten der Residenz
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Leo Kornbrust

Leo Kornbrust (1929 St. Wendel) machte 1943-46 eine Schreinerlehre in St. Wendel und schloss eine Holzbildhauerlehre in Morbach, Hunsrück an. 1951-57 studierte er in der Bildhauerklasse von Toni Stadler an der Akademie der Bildenden Künste in München und war dort von 1978 bis Ende der neunziger Jahre Professor. 1967-70 lernte er als Teilnehmer an Symposien Europäischer Bildhauer im französischen St. Margarethen die Idee der Skulpturenstraßen kennen, die er später auch in Deutschland verwirklichte. Als Hauptorganisator des Internationalen Steinbildhauersymposions St. Wendel im Jahr 1971 leitete er die Konzeption der späteren „Straße der Skulpturen“ im Saarland ein. Diese wiederum ist inzwischen in die „Straße des Friedens“ eingebunden, einer europäischen Skulpturenstraße von Paris bis Moskau. Verstärkt wurden die Anstrengungen Kornbrusts durch eine Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Paul Schneider. Zu seinen Auftragswerken gehören der „Liebesthron“ 1979 an der „Straße der Skulpturen“ in St. Wendel; das „Hohe Siebeneck“ 1995 für die Union Krankenversicherung in Saarbrücken und ein „Polygonaler Körper“ im Klagenfurter Europapark in Kärnten / Österreich. Für seine besonderen Leistungen für die Kunst im öffentlichen Raum erhielt Kornbrust 1995 den Sparda-Bank-Preis. Im Auftrag des Bundes schuf er Platzgestaltungen für das Postamt St. Wendel 1974, die Oberfinanzdirektion Saarbrücken 1978 und das Verkehrsministerium in Bonn 1989 sowie eine Skulptur für die Deutsche Botschaft in Helsinki 1993.

Deutsche Botschaft Helsinki, Kanzlei und Residenz

Architektur: Juha Leiviskä, Helsinki
Bauzeit: 1991-93

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Krogiuksentie 4b
00340 Helsinki
Finnland

Für den Neubau der Deutschen Botschaft in Helsinki wurde 1985 ein beschränkter zweistufiger und anonymer Wettbewerb ausgelobt, an dem 34 deutsche und finnische Architekten teilnahmen. Realisiert wurde der Bau 1991-93 nach den Plänen des finnischen Architekten Juha Leiviskä, der für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.

Weitere Kunstwerke: Kornbrust, Leo