Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke) 1991

  • Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Peter Reichenberger: HTA 0°-90° (Handtellerabdrücke), 1991 / © Peter Reichenberger; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

1988 erhielt das Postministerium einen neuen Dienstsitz im Süden von Bonn. Das 1954 errichtete Dienstgebäude an der Adenauerallee und die benachbarten Gebäude des Auswärtiges Amtes wurden in dieser Zeit zu einer damals ausschließlich vom Auswärtigen Amt genutzten Liegenschaft zusammengefasst. Seit dem Jahr 2000 befindet sich im früheren Postministerium der Bundesrechnungshof.
Anlässlich der Sanierungs- und Ergänzungsbaumaßnahmen Ende der Achtzigerjahre kam es zu einer neuen Kunst-am-Bau-Initiative. Man dachte an Plastiken für den Innenhof und den Außenbereich, an eine Trennwand für das Kasino und an Kunst für die Hallen und Treppenhäuser. Nach einigen Konzeptänderungen erwarb das Auswärtige Amt unter anderem Plastiken von Heinz-Günter Prager und Friederich Werthmann.
Von dem Kölner Maler Peter Reichenberger (1945-2004) stammen sechs große Ölbilder, die als Hochformate für die Wände der einzelnen Etagen des sechsgeschossigen Treppenhauses bestimmt sind. In dieser (derzeit nicht ganz vollständig eingehaltenen) Anordnung zeigen die Farbfeldmalereien einen Verlauf vom Dunklen ins Helle. Beim Begehen der weitläufigen Wendeltreppe teilt sich diese – auch symbolisch zu begreifende – künstlerische Idee unmittelbar mit.
In sich zeigen die einzelnen Tafeln eine kontinuierliche Progression der Farben: von Blau nach Grün, von Hellblau nach Blau, von Violett nach Hellblau, von Rot nach Violett, von Orange nach Rot und schließlich von Gelb nach Orange. Dabei sind sie lebhaft strukturiert. Bei genauem Hinsehen zeigen sie akkurat nebeneinandergesetzte Abdrücke von Reichenbergers Handteller, den der Künstler in Reihen aus einer vertikalen Ausgangssituation in mehreren Stufen bis hin zu einem Winkel von 90 Grad geneigt hat. Dadurch und durch die Mischung von Druck- und Ölfarben und durch den Auftrag mehrerer Schichten erlangen die Bilder eine große Leuchtkraft, die durch die großflächigen Fenster des Treppenhauses eine Steigerung erfährt.
Die Bildtafeln im Bundesrechnungshof leben von ihrer Farbkraft und der suggestiven Farb- und Raumsymbolik, die unmittelbar auf die Stimmung der Nutzer wirken. Mit der hochdifferenzierten Systematik sprechen sie gleichzeitig den Intellekt an. Vielfach hat Reichenberger zu großen Leinwandarbeiten „Partituren“ angefertigt. Das sind kleinformatige Papierarbeiten mit den entsprechenden Farbtupfern und schriftlichen Notaten, die die rationalistische Struktur seiner Werke aus progressiven Farbverläufen und regelhaft variierten Finger-, Handteller- oder Handkantenabdrücken analytisch offenlegen. Peter Reichenbergers im Bundesrechnungshof zu reicher Entfaltung gelangender künstlerischer Ansatz ist einzigartig, in der Kunst am Bau wie überhaupt in der Kunst. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Claudia Büttner / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation Nr. xx/2016.

Weiterführende Literatur:
Peter Reichenberger: FA 0° bis 45° und HTA 0° bis 90°, Köln 1994, S. 4-7, 31.


Tafelbild / Gemälde
Öl auf Leinwand
je 280 x 195 cm
46.016 €
Direktvergabe

Bundesrechnungshof
Treppenhaus und Flure der einzelnen Etagen
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler: Peter Reichenberger

Peter Reichenberger (1945 Halle/Saale - 2004 Köln) war Maler. Nach einer Ausbildung zum Grafiker studierte er von 1967 bis 1973 Freie Malerei an den Kölner Werkschulen. Während der Zeit als Meisterschüler von Professor Karl Marx entstanden erste Objekte und Leinwände in der für Reichenberger charakteristischen Fingerabdruck-Technik. Spätere Gemälde zeigen zwei- und mehrfarbige Schichten von Finger-, Handteller- und Handkantenabdrücken. Arbeiten von Peter Reichenberger finden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderem im Kunstmuseum Düsseldorf, in der Kunstsammlung des Kultusministeriums NRW, im Deutschen Bundestag in Bonn, in den Deutschen Botschaften in Peking/China, Manila/Philippinen, Addis Abeba/Äthiopien, Dublin/Irland sowie dem Goethe Institut in Oslo/Norwegen.

Bundesrechnungshof

Architektur: Josef Trimborn
Bauzeit: 1953-54

Bundesrechnungshof
Adenauerallee 81-83
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (1954-1988), Auswärtiges Amt (1988-2000), seit 2000 vom Bundesrechnungshof genutzt

Weitere Kunstwerke: Bundesrechnungshof, Bonn