Wilhelm Loth : Großplastik 41/70 (Figur 41/70) 1973

  • Wilhelm Loth: Großplastik 41/70 (Figur 41/70), 1973 / © Wilhelm Loth; Fotonachweis: BBR Archiv (vor 1980)

    Wilhelm Loth: Großplastik 41/70 (Figur 41/70), 1973 / © Wilhelm Loth; Fotonachweis: BBR Archiv (vor 1980)

Die Ausbildungsstätte für den Auswärtigen Dienst in Bonn wurde 1970-73 nach dem Entwurf der Architekten Ernst van Dorp und Karl-Rudolf Hautz gebaut und 1995 durch die Bundesbaudirektion erweitert. Die inzwischen geschlossene Einrichtung bildete Beamte des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes aus. Die internatsartig strukturierte Anlage konnte bis zu 200 Personen aufnehmen. Der viergeschossige, kreuzförmige Bau mit einer Nutzfläche von 8.250 Quadratmetern gliederte sich in Lehrsäle sowie öffentliche Bereiche im Erdgeschoss und bot in den oberen Wohnetagen zahlreiche Einzelappartements mit jeweils 15,4 Quadratmetern Wohnfläche. Durch eine Stufung der Gebäudeflügel nimmt das Bauwerk formal Bezug auf die Topografie des angrenzenden Naturschutzgebiets Kottenforst. Die Obergeschosse der Anlage sind in Schottenbauweise in Stahlbeton mit vorgehängten Fassadenfertigbauteilen aus Sichtbeton konstruiert. Durchgehende Terrassentüren mit darüber liegenden Lichtblenden im Erdgeschoss optimieren den Lichteinfall und den Zugang zum Außenraum im Erdgeschoss. Die durchlaufenden, dunkel gerahmten Fensterreihen aus Leichtmetall bilden einen Kontrast zu den hellen Wänden.
Den Haupteingang zur Ausbildungsstätte markiert eine großformatige Skulptur von Wilhelm Loth. Sie besteht aus einer zirka zwei Meter hohen, anthropomorphen Aluminiumfigur, die in einen Betonrahmen eingestellt ist. Zentrale Merkmale des Werks sind sowohl feminine als auch maskuline Geschlechtsmerkmale. Alle Konturen der Skulptur gleiten weich fließend vom Sockel zum oberen Abschluss. Überdimensionierte, leicht geöffnete Lippen deuten auf den sprachlichen Austausch hin, der im diplomatischen Umgang von höchster Bedeutung ist. Innerhalb von Loths Œuvre stellt die Skulptur eine Ausnahme dar, da der Künstler in erster Linie die weibliche Form und insbesondere den Torso modellierte. Als Mitbegründer der Neuen Figuration wandte Loth sich vom abstrakten Ansatz in der Bildhauerei der sechziger und siebziger Jahre ab, zusammen mit Horst Antes, Ralf Beier und Rainer Kriester. CL

Weiterführende Literatur Online:
Claudia Büttner / Christina Lanzl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1950 bis 1979. BBSR-Online-Publikation 12/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Leuschner: Bauten des Bundes 1965-1980, hrsg. v. Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Karlsruhe 1980, S. 125.


Freiplastik / Skulptur
Aluminiumguss
330 x 90 x 90 cm
Gutachterverfahren

Zwischenunterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge und Asylbegehrende des Landes Nordrhein-Westfalen
Außenbereich Haupteingang
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Wilhelm Loth

Wilhelm Loth (1920 Darmstadt - 1993 Darmstadt) war ein bekannter Bildhauer. Nach einer Ausbildung zum Vermessungstechniker und Privatstudien bei Fritz Schwarzbeck trat er 1937 in Briefkontakt mit Käthe Kollwitz. Während des 2. Weltkriegs wurde er 1940 zum Arbeits- und Kriegsdienst verpflichtet und besuchte daneben Toni Stadlers Bildhauerklasse an der Städelschule in Frankfurt a. Main. Nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft setzte er 1947 seine Studien bei Fritz Schwarzbeck fort. 1958-86 hatte er eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe inne. 1964 war er Teilnehmer der documenta 3 in Kassel, 1979 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Die Wilhelm-Loth-Stiftung wurde 1992 in Karlsruhe gegründet. Für den Bund führte er mehrere Aufträge aus, darunter Arbeiten für die Deutsche Botschaft Lissabon/Portugal (1970) und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (1972).

Zwischenunterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge und Asylbegehrende des Landes Nordrhein-Westfalen

Architektur: Ernst van Dorp mit Karl-Rudolf Hautz, Bonn
Bauzeit: 1970-73

Ehemalige Diplomatenschule des Auswärtigen Amtes
Gudenauer Weg 134-136
53127 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Die ehemalige Ausbildungsstätte für den Auswärtigen Dienst wurde 1970-73 von den Bonner Architekten Ernst van Dorp und Karl-Rudolf Hautz errichtet und 1995 durch die Bundesbaudirektion erweitert. Bis 2013 wurde sie als Diplomatenschule genutzt, seit 2016 dient sie der Stadt Bonn als Unterkunft für Flüchtlinge und Asylbegehrende.