Thaddäus Hüppi : Golem 2006

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Volker Hoffmann (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Volker Hoffmann (2006)

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Stephan Baumann (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Stephan Baumann (2006)

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Bernhard Pilz, Staatshochbauamt Freiburg (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Bernhard Pilz, Staatshochbauamt Freiburg (2006)

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

  • Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

    Thaddäus Hüppi: Golem, 2006 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Staatshochbauamt Freiburg / Bernhard Pilz (2006)

2006 wurde die Gemeinschaftszollanlage Rheinfelden dem Verkehr übergeben. Am Rande der Fahrbahn thront in fast fünf Metern Höhe ein Männchen aus farbig gefasster Bronze. Der „Golem“ stammt von Thaddäus Hüppi (Jahrgang 1963), der mit dem Entwurf für diese Plastik den Kunst-am-Bau-Wettbewerb gewann.
An der Figur ist alles skurril: die übergroßen Ohren und Augen, die seltsamen Fühler auf dem Kopf, die Arbeitshandschuhe als Hände, die rote Jacke und das Einssein mit dem Sockel. Wie ein Kanzelprediger streckt das fremde Wesen beide Hände aus, die rechte im Gestus der Aufforderung, näher heranzutreten. Die linke umgreift ein nicht spezifiziertes Buch. Wahrscheinlich werden nur Wenige darin einen Golem erkennen. Der jüdischen Legende nach handelt es sich bei einem Golem um eine vom Menschen erschaffene und zum Leben erweckte Lehmgestalt, die alles sein kann: Sklave, Diener, Gefährte, Beschützer, Konkurrent. Der Rheinfeldener Golem ist eine freundliche Gestalt, die dem Reisenden einen deutlich von der vorgegebenen Fahrbahnrichtung abweichenden Weg in ein Reich der Phantasie weist.
Der Sockel entwickelt ein ortsspezifisches Thema. In der abstrahierten Kombination von Mühlrad, Turbine und Lager verweist er auf das (unterdessen abgerissene) Flusskraftwerk, dem das badische Rheinfelden seine Gründung Ende des 19. Jahrhunderts verdankt. Der Sockel versinnbildlicht die Voraussetzung der Bauunternehmung, der wiederum das Kunstwerk seine Existenz verdankt. So ist das Miteinander der Phantasiegestalt und der Industrierelikte auch Symbol des Miteinanders von Kunst und Wirtschaft.
Der Golem ist in Bronze gegossen, verstößt aber gegen die Schönheits- und Ausdrucksideale der Hochkunst. Auch der überdimensionierte Sockel hat den Charakter einer Travestie. Gleiches gilt für die Kombination von Sockel und Figur in gestalterischer Hinsicht. Die Formgebung des Sockels folgt der konstruktiven und technikbeseelten Material- und Formästhetik der Siebziger Jahre, während die Bronzeplastik in der Materialbehandlung umgekehrt das Handwerkliche und im Ausdruck das Märchenhafte betont. Die zum gestalterischen Prinzip erhobenen Widersprüche werden für den Betrachter als künstlerische Haltung fruchtbar, die zu hoheitlicher Beamtenstaatlichkeit, Überwachung und Kontrolle auf ironische Distanz gehen – und auch zu falschem künstlerischem Pathos. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Dokumentation von 50 Kunst-am-Bau-Werken, BMVBS-Online-Publikation 05/2013.

Weiterführende Literatur:
Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006-2013, hrsg. v. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Berlin 2014, S. 250-253.


Freiplastik / Skulptur
Bronzeplastik
ca. 500 cm
52.200 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Gemeinschaftszollanlage Rheinfelden-Autobahn
Außenanlage, Treppenhaus
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Thaddäus Hüppi

Thaddäus Hüppi (* 1963 in Hamburg) ist ein deutscher Bildhauer und Maler. Aus einer Künstlerfamilie stammend, erlernte er zunächst das Bau- und Möbeltischler-Handwerk, bevor er sich dem Kunststudium zuwandte, das er 1986-1991 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt absolvierte. Für seine mitunter skurrilen Skulpturen, denen oft der Schalk im Nacken steckt, erhielt er mehrere Preise und Auszeichnungen. 2010-2016 war er an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin tätig, zuletzt als Professor für künstlerische Selbstorganisation, Wertsteigerung und Ausstellungskonzeption. Hüppi lebt und arbeitet in Baden-Baden. Mehrfach hat er Kunst am Bau im Auftrag des Bundes realisiert, u.a. 2006 für den neuen Autobahn-Grenzübergang (A861) in Rheinfelden (Baden).

Gemeinschaftszollanlage Rheinfelden-Autobahn

Architektur: bmt architekten (heute bauraum gmbh)
Bauzeit: 2004-2006

Gemeinschaftszollanlage Rheinfelden-Autobahn
Warmbacher Straße 90
79605 Rheinfelden
Baden-Württemberg

Die 2004-2006 von bmt architekten aus Konstanz errichteten Abfertigungsgebäude für Waren und Reisende am Grenzübergang zwischen Deutschland und der Schweiz sind für den Tagesdurchlauf von rund 600 LKW konzipiert.