Daniel Priese: Foghorns 2014

  • Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

    Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

  • Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

    Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

  • Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

    Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

  • Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

    Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

  • Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

    Daniel Priese: Foghorns, 2014 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: Kay Zimmermann (2014)

Das Areal der ehemaligen Steigerwald-Kaserne wurde seit dem Abzug der Bundeswehr 2003 sukzessive zu einem Behördenzentrum umgenutzt. Heute sind dort neben dem Hauptzollamt Erfurt (HZA) eine Dienststelle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, eine Zweigstelle des Technischen Hilfswerks, das Truppendienstgericht Süd und das Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr angesiedelt.
Das Hauptzollamt Erfurt wurde in den ehemaligen Unterkunftsgebäuden 1 und 2 von 1934-1936 untergebracht, die hierfür komplett entkernt und energetisch saniert wurden. Zum Maßnahmenplan gehörte auch die Neugestaltung der Außenanlagen, die durch einen starken Geländeanstieg gekennzeichnet sind. Hier wurden lineare Pflanzstrukturen in Kombination mit Einzelpflanzungen neu angelegt, die die großen Wiesenflächen untergliedern.
Im Rahmen des zur Maßnahme gehörigen Kunst-am-Bau-Wettbewerbs wurde ein Kunstwerk gesucht das einen eigenständigen Beitrag zur Bauaufgabe und einen Bezug zur Landschaftsarchitektur herstellen sollte. Aus dem bundesweit offenen Kunstwettbewerb mit 101 Einreichungen ging der Bildhauer Daniel Priese (* 1962) als Sieger hervor. Sein Entwurf "Foghorns" sah die Realisierung von elf einzelnen Skulpturen auf der Wiese zwischen Haus 5 und 6 beidseits eines Fußwegs vor. Die monolithischen Volumen aus Betonwerkstein sind zwischen 220 und 380 cm groß und wurden steinmetzmäßig bearbeitet. Im Werk von Priese ist die glatte Schnittfläche ein wiederkehrendes Formelement, das den Arbeiten, obwohl sie auf Gestisches und Erzählerisches verzichten, eine gewisse menschliche Präsenz durch die Assoziation mit einem Gesicht verleiht. Die glatte Oberfläche der Schnittflächen steht im Kontrast zu dem rauen Material des Betonwerksteins, sie gibt den Skulpturen eine Richtung, sodass sie sich zueinander zu positionieren scheinen. Diese vorstellbaren Gesten der Kommunikation sind insbesondere im Überblick von einer erhöhten Position im stark ansteigenden Gelände gut zu erkennen. Aber gerade wegen der offenen Formgebung ist eine Vielzahl an möglichen Interpretationen denkbar. Der Künstler selbst gibt einen Hinweis mit seinem Titel „Foghorns“, der auf Deutsch Nebelhörner bedeutet. Nebelhörner sind akustische Orientierungshilfen, die letztendlich ebenfalls einem Kommunikationszweck dienen. Die quasi aus dem Boden wachsende Form öffnet sich in eine gezielt gerichtete vertikale glatte Fläche, was Pries als Interface bezeichnet. Es dient als Abschluss der Form und als vermeintliche oder wirkliche Ankopplung an den umgebenen Raum. Der Künstler regt auf vielfältige Weise zur Beschäftigung mit den Arbeiten an: eine rein ästhetische Wahrnehmung der Formen und des Materials als skulpturale Elemente und monumentale Raumkörper sind gleichwertig mit einer inhaltlichen Interpretation als Nebelhorn oder Gesichter möglich und bietet so jedem Betrachter einen offenen Zugang an. AS/UC

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin / Anna-Sophie Laug / Lisa Kreft (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation 02/2019, März 2019.

Weiterführende Literatur:
70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland, Ausstellungskatalog, hrsg. v. Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat und dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin 2020


Freiplastik / Skulptur
Betonwerkstein aus Ortbeton steinmetzmäßig bearbeitet, teilweise gestrockt und geschliffen
79.823 €
nicht-offener Wettbewerb nach Bewerbungsverfahren

Hauptzollamt Erfurt
Außengelände, Freifläche zwischen Gebäude 5 und 6
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Daniel Priese

Daniel Priese (* 1962 in Berlin) ist deutscher Bildhauer. Von 1979–81 absolvierte er eine Steinmetzausbildung in Berlin und arbeitete auf mehreren Restaurierungsbaustellen, seit 1991 ist er freiberuflicher Künstler. Zahlreiche Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum, wie „zwei Herren in Betrachtung des Domes“, 2010, Gleimhaus Halberstadt, „Ascherslebener Torso“, 1996, Johannestor Aschersleben, Stadt Aschersleben, „Steine der Erinnerung“, Denkmal zur Erinnerung an die Deportation Halberstädter Juden am 12. April 1942, Halberstadt Domplatz, 1992.

Hauptzollamt Erfurt

Architektur: unbekannter Architekt
Bauzeit: 1934-1936

Behördenzentrum am Steigerwald
Am Tannenwäldchen 50
99096 Erfurt
Thüringen

Die ehemalige Steigerwald-Kaserne wurde in den 1930er Jahren für die Panzertruppe der Wehrmacht eingerichtet. 1951–1990 wurde sie von der Kasernierten Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee genutzt und ab 1990 von der Bundeswehr. Seit dem Auszug der Bundeswehr 2003 wurde der Standort zum Behördenzentrum weiterentwickelt und die erhaltenen Gebäude durch das Architekturbüro M1:1 entwerfen und planen GmbH für verschiedene Nutzer hergerichtet. 2014 zog das Hauptzollamt Erfurt in den neuen Dienstsitz ein.